Wernigerode l Streitigkeiten unter Nachbarn, Konflikte in der Familie, mit Freunden überworfen – viele Auseinandersetzungen um Bagatellfragen landen vor den Gerichten, beschäftigen die Bürokratie und kosten viel Geld.

Um den gerichtlichen Weg zu vermeiden, gibt es in Wernigerode eine Schiedsstelle, in der Bürger versuchen, Streitigkeiten bereits vorgerichtlich zu lösen. Andrea Kleemann, Petra Wirkus und Dierk Grimmecke stehen seit Kurzem als Mitglieder der Wernigeröder Schiedsstelle Konfliktparteien für die Lösung ihrer Streitigkeiten zur Verfügung. Die Amtszeit ihrer Vorgänger ist vor einigen Wochen abgelaufen.

Interesse für Menschen

Warum beschäftigen sich die drei Schiedsleute in ihrer Freizeit mit den Konflikten anderer? „Ich habe gern mit Menschen zu tun“, sagt Petra Wirkus. Aus der Volksstimme hat sie erfahren, dass die Schiedsstelle neu besetzt wird und Bürger gesucht werden.

Dierk Grimmecke ist beinahe vom Fach. „Ich kenne mich ein bisschen aus“, sagt der 62-Jährige. Als Bausachverständiger ist er oft mit typischen Auslösern von Nachbarschaftsstreitigkeiten beschäftigt, zum Beispiel verschobenen Grundstücksgrenzen oder zu hohen Mauern. In Schiedsstellenverhandlungen darf er sich allerdings nicht als Sachverständiger äußern.

Interessante Tätigkeit

Wie ihre Kollegin Petra Wirkus hat Andrea Kleemann von der Suche nach neuen Schiedsleuten aus der Volksstimme erfahren. „Ich finde das hochinteressant“, sagt sie.

Nur das aufwändige Wahlverfahren hat sie überrascht. In der Septembersitzung des Wernigeröder Stadtrats sind die Schiedsrichter gewählt worden. Vier Kandidaten hatten sich beworben, die drei mit den meisten Stimmen besetzen heute die Schiedsstelle.

Kontakt per Telefon und Mail

Die Verfahrensweise übernehmen die neuen Schiedsleute von ihren Vorgängern. Es wird keine regelmäßigen Sprechstunden geben. Stattdessen prüfen die drei regelmäßig den E-Mail- und Posteingang und hören den Anrufbeantworter ab. Konfliktparteien können sich auf diesem Weg an die Schiedsstelle wenden.

Die ehrenamtliche Schiedsstelle ist keine belang- und machtlose Einrichtung. So ergehen förmliche Einladungen, und Entscheidungen des Schiedsgerichts sind bindend. „Der Konfliktgegner muss zur Verhandlung kommen und kann einen Rechtsbeistand mitbringen“, erklärt Dierk Grimmecke. Der Beistand dürfe aber nur beraten und muss ansonsten schweigen. Das Schiedsgericht fällt nach Anhörung der Konfliktparteien ein Urteil. Akzeptieren es die Beteiligten und erfüllen sie die Auflagen, ist der Streitfall gelöst. Hat das Schiedsgericht keinen Erfolg, geht der Fall vor das Amtsgericht. Dafür stellt das Wernigeröder Schiedsgericht eine Bescheinigung über die Erfolglosigkeit des Schlichtungsversuchs aus.

Verwaltung ist dankbar

„Wir sind sehr dankbar für die Einrichtung“, sagt Ordnungsamtschef Gerald Fröhlich. Die Schiedsstelle befindet sich in seinem Dienstgebäude am Nico. Fälle, die dort verhandelt werden, hätten oft auch mit dem Aufgabenbereich des Ordnungsamtes zu tun, so Fröhlich.

Die Schiedsleute sind per E-Mail an schiedsstelle@wernigerode.de oder per Telefon unter (0 39 43) 65 43 08 erreichbar. Informationen auf der Website der Stadtverwaltung sucht man allerdings vergeblich.