Wernigerode/Braunlage l Sieben Jahre ist es her, da hätte es fast geklappt: Braunlage sollte ans Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen angeschlossen werden. Nun werden die Weichen erneut gestellt: Im Kooperationsvertrag zwischen Wernigerode und Braunlage wird das Ziel formuliert, die Westharzer an das HSB-Gleisnetz anzubinden.

„Für Wernigerode und Braunlage wäre es ein bedeutender Vorteil“, sagt Braunlages Bürgermeister Stefan Grote im Volksstimme-Gespräch. Der SPD-Politiker findet es „faszinierend“, welche touristischen Effekte aus der Verknüpfung entstehen könnten. „Beide Städte haben jeweils mehr als eine Millionen Übernachtungen. Ich bin mir sicher, dass viele Besucher gerne die jeweils andere Stadt mit der Harzquerbahn bereisen würden.“

Stichstrecke kostet 11 Millonen Euro

Der Braunlager Verwaltungsausschuss – das Pendant zu Wernigerodes Hauptausschuss – hatte angeregt, die Formulierung in das Papier aufzunehmen. „Es geht in dem Vertrag unter anderem um die Optimierung des öffentlichen Personennahverkehrs“, so Grote. „Da ist es naheliegend, dass das Ziel verfolgt wird, Braunlage an das HSB-Streckennetz anzubinden.“

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Bei der Harzer Schmalspurbahnen GmbH ist der Wunsch der Niedersachsen bekannt. „Das ist für uns ein hochinteressantes Projekt“, sagt HSB-Pressesprecher Dirk Bahnsen. „Viele Menschen wünschen sich das schon sehr lange. Das Ganze steht aber unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit.“

Pläne liegen in der Schublade

Bei der HSB liegen bereits mehrere Pläne in der Schublade. Drei verschiedene Stichstrecken seien 2009 untersucht worden, so Bahnsen. Favorisiert wurde eine Variante, die kurz vor Schierke Richtung Elend abzweigt und dann entlang der Bundesstraße 27 nach Braunlage führt. Sie wäre sechs Kilometer lang und würde einmalig elf Millionen Euro kosten. Das sei die preisgünstigste, da kürzeste Variante. Ein weiterer Vorschlag, einen Schlenker zwischen Elend und Sorge einzubauen, der über Braunlage führt, wurde 2013 diskutiert. Dann wäre Braunlage nicht Kopfbahnhof, sondern Zwischenstation. Für diese 13 Kilometer lange Strecke hätte man alte Teile der stillgelegten Südharzgleise nutzen können. Aufgrund der hohen Kosten sei der Plan aber verworfen worden. „Pro Bahnkilometer rechnet man mit etwa zwei Millionen Euro“, so Bahnsen.

Nicht vernachlässigt werden dürfe die Instandhaltung der Gleise: Die Betriebskosten werden mit einer dreiviertel Million Euro jährlich beziffert. Fest steht: Sollte das Projekt umgesetzt werden, muss sich das Land Niedersachsen aktiv an der Finanzierung der HSB beteiligen.

Wunsch besteht seit 1991

Für ihn sei der Vorstoß keine Überraschung gewesen, sagt Andreas Meling, zuständig für den Kooperationsvertrag und die Ortsentwicklung in Schierke. „Der Wunsch der Braunlager besteht bereits seit 1991“, sagt er. Bereits seit Gründung der Bahngesellschaft 1993 sei Braunlages Kurbetriebsgesellschaft, die heutige Tourismus GmbH, neben Kommunen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen Gesellschafter der HSB.

Im Jahr 2009 wäre es fast soweit gewesen. Damals hatte Niedersachsens damaliger Wirtschafts- und Verkehrsminister Philipp Rösler (FDP) das Projekt vorangetrieben. Die niedersächische Landesregierung hatte sogar eine Investitionshilfe von vier Millionen Euro beschlossen. „Leider wurde Rösler zu früh nach Berlin von Parteichef Guido Westerwelle abberufen“, erinnert sich Stefan Grote. „Sein Nachfolger hatte kein Interesse daran, das Thema zu verfolgen.“

Verbindung bestand bis zum 2. Weltkrieg

Braunlage war übrigens bis zum Zweiten Weltkrieg über die Südharzeisenbahn mit dem Schmalspurnetz im Ostharz und auch mit dem Brocken verbunden. Durch eine Brückensprengung bei Sorge war kurz vor Kriegsende 1945 das kleinere Netz der Südharzeisenbahn im Westharz vom Osten getrennt worden, was einen Betrieb unwirtschaftlich machte. 1963 stellte die Südharzeisenbahn den Verkehr ein, später wurden die Gleise demontiert.