Auswirkungen und Folgen des Streiks auf Müll- und Wertstoffabfuhr sowie Grünschnittentsorgung und die Wertstoffhöfe

Die Entsorgungswirtschaft des Landkreises Harz (enwi) teilt mit Blick auf den Streik mit, dass die geplante turnusmäßige Entsorgung von Hausmüll, Altpapier, gelben Säcken sowie der gelben Wertstoffcontainer, Sperrmüll und kompostierbaren Abfällen bis zum 24. Oktober komplett ausfällt.

„Wir gehen davon aus, dass die Entleerungen der 60-, 80-, 120- und 240-Liter-Hausmüllbehälter erst wieder am nächsten regulären Entsorgungstag erfolgen kann“, so eine enwi-Sprecherin mit Blick auf die Harzer Städte und Gemeinden. Bei den 1100-Liter-Hausmüllbehältern werde eine Nachentleerung angestrebt. Um Hausmüll bis zur nächsten Abholung zwischenzulagern, könnten alternativ die grauen 70-Liter-Abfallsäcke genutzt werden (Vertriebsadressen finden sich im Entsorgungskalender oder auf der Internetpräsenz unter www.enwi-hz.de).

Beim Altpapier werde aktuell eine Nachentsorgung geprüft. Details sind noch unklar.

Die in den nächsten Tagen nicht realisierbaren Abholungen von Sperrmüll und kompostierbaren Abfällen sollen ebenfalls nachgeholt werden. Der herausgestellte Sperrmüll und die kompostierbaren Abfällen können daher ausnahmsweise am Bereitstellungsplatz verbleiben.

Die Entsorgung der gelben Säcke/gelbe Wertstoffcontainer erfolgt nicht im Auftrag der enwi. Infos gebe es unter der Telefonnummer (08 00) 12 23 25 5 bei der Abfallwirtschaft Nordharz GmbH.

Auch bei den Wertstoffhöfen komme es wegen des Streiks zu Einschränkungen:

Wernigerode: Der Wertstoffhof in Wernigerode bleibt am Mittwoch, 23. Oktober, sowie am Donnerstag, 24. Oktober, geschlossen und öffnet am Freitag, 25. Oktober, voraussichtlich erst ab 12 Uhr.

Ilsenburg/Osterwieck: Beide Wertstoffhöfe bleiben am Donnerstag, 24. Oktober, ebenfalls geschlossen.

Harzgerode/Ballenstedt: Auf den Wertstoffhöfen in Harzgerode und in Ballenstedt können am 24. Oktober 2019 kein Altpapier und keine gelben Säcke abgegeben werden.

Auf der enwi-Internetpräsenz (www.enwi-hz.de) sollen regelmäßig Präzisierungen erfolgen, heißt es. Zudem beantworten Mitarbeiter der Entsorgungsberatung Fragen unter den Rufnummern (0 39 41)  68 80 0 und (0 39 41) 68  80  45.(dl)

Wernigerode/Halberstadt  l  Müllwerker erledigen einen Knochenjob – hart und fast immer alles andere als sauber. In jeden Fall aber Muskeltraining pur. Nun lassen die Müllmänner im Harzkreis im Zusammenspiel mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ihre Muskeln spielen. Um beim Arbeitgeber, der Abfallwirtschaft Nordharz GmbH, höhere Löhne und mehr Vergütung für Überstunden durchzusetzen, sind sie am Dienstag, 22. Oktober, in einen befristeten Streik getreten.

Bis zum Donnerstag, 24. Oktober, fallen – sollten sich die Tarifparteien nicht noch einigen – alle regulären Entsorgungstouren im Harzkreis aus. Betroffen sind die grauen Restmülltonnen ebenso wie gelbe Säcke und Altpapier. Der Ausstand könnte auch auf die laufende kreisweite Grünschnittabfuhr Auswirkungen haben.

Fakten, die Verdi in Kauf nimmt, um die Lohn-Forderungen durchzusetzen. Eingangs der Tarifverhandlungen lautete die Forderung auf ein stündliches Lohnplus von pauschal 2,50 Euro, so erklärte die für die Ver- und Entsorgungsbranche im Verdi-Bezirk Sachsen-Anhalt-Nord zuständige Gewerkschafts-sekretärin Dagmar Huhn. Was aus Huhns Sicht „mehr als berechtigt ist“. Allerdings habe Verdi die Forderung  mit Blick auf die Angebote der Arbeitnehmerseite bereits ein Stück relativiert. Aber: An bestimmten Eckpunkten führe kein Weg vorbei, gibt sich die Gewerkschafterin kämpferisch.

Stundenlohn unter zehn Euro

Bislang verdient ein Mitarbeiter im rollenden Abfuhrbereich der Abfallwirtschaft nach Huhns Worten laut Haustarifvertrag stündlich zwischen 9,78 Euro als Einsteiger und 11,92 Euro ab 15. Dienstjahr. Arbeitgeberseitig laute das Angebot für Einsteiger auf ein Plus von 1,72 Euro auf 11,50 Euro, so Huhn. Langjährigen Beschäftigten (ab 15. Dienstjahr), das Hauptklientel von Verdi, wolle die Abfallwirtschaft statt bislang 11,92 Euro nun 13 Euro zahlen. „Unsere Schmerzgrenze liegt hier bei 13,50 Euro“, so die Gewerkschafterin, für die es aus Arbeitnehmersicht noch einen Pferdefuß gibt: „Das Lohnplus soll nicht sofort in voller Höhe greifen, sondern bei 24 Monaten Laufzeit gesplittet werden. Die ersten 50 Prozent im ersten Jahr, weitere 50 Prozent Zuwachs im zweiten Jahr.“ Das sei inakzeptabel.

Inakzeptabel – so bringt auch Abfallwirtschafts-Geschäftsführer Dirk Hirschfeld seine Sicht der Dinge auf den Punkt. Wollte man der Verdi-Forderung von 2,50 Euro pro Stunde Plus folgen, entspräche das bei Vergütungsgruppen unterhalb von  bislang zehn Euro mal eben 25 und mehr Prozent Lohnzuwachs. „Wir haben Verständnis für das Ansinnen der Kollegen – aber das ist einfach nicht drin“, so Hirschfeld.

Wobei jene 9,78 Euro aus Sicht der Gewerkschafterin gleich gar nicht gingen, denn der Mindestlohn in der Abfallwirtschaft liege seit 1. Oktober bei zehn Euro pro Stunde. Das sei im Bundesarbeitsministerium beschlossene Sache, da fehlten der Form wegen nur noch die letzten Unterschriften.

Geschäftsführer sieht kaum Spielraum

Gleichwohl sieht Hirschfeld kaum noch Spielräume: „Wir haben Verdi seit Mittwoch voriger Woche in den Verhandlungen drei Angebote unterbreitet. Zuletzt gab es am Montag das Signal, dass sie inakzeptabel seien und ab Dienstag gestreikt werde.“ Ein Muskelspiel, das Wirkung zeigt: „Am Dienstag ist kein Lkw vom Hof gefahren“, so Hirschfeld.

Er selbst sieht sich mit der ursprünglichen Verdi-Forderung überfordert. Bei 2,50 Euro Plus, 171 Monatsstunden und 130 tangierten Beschäftigten würden sich die reinen Lohn-Mehrkosten auf jährlich 667.000 Euro summieren. Hinzu kämen rund 30 Prozent höhere Sozialabgaben.

Er habe, so Hirschfeld, ein gewisses Budget für Lohnerhöhungen eingeplant – eine konkrete Zahl wollte er im Gespräch mit der Volksstimme jedoch nicht nennen. Jetzt komme es darauf an, diese Summe X auf die Tarifgruppen zu verteilen. „Da bin ich auch offen für Vorschläge der Gewerkschaft.“

Folgen weitere Streiks?

Ob es doch noch eine Verhandlungslösung gibt oder weitere Streiks folgen, bleibt abzuwarten. Schließlich gibt es noch einen weiteren Streitpunkt. Verdi will, dass die Müllmänner ab der 41. Wochenarbeitsstunde 25 Prozent Lohnzuschläge bekommen, die Abfallwirtschaft zahlt das bislang erst ab der 46. Wochenarbeitsstunde.

Es bleibt also noch Verhandlungsmasse. „Ich hoffe und appelliere an die Gegenseite, im konstruktiven Dialog auszuloten, was machbar ist“, formuliert es Hirschfeld. Aktuell sei aber Funkstille zwischen den Verhandlungsparteien. Verdi, so der Manager einigermaßen ratlos, warte wohl auf ein neues Angebot der Abfallwirtschaft.

Klar sei aber: Auch mit dem Auftraggeber, der Harzer Entsorgungswirtschaft enwi, müsse gesprochen werden. Um die Erlöse für die Abfallwirtschaft  zu verbessern.