Wernigerode l Es geht um Solidarität. Und es geht um die Frage, ob die Wernigeröder auf eine Gebührensenkung für die Abwasserentsorgung verzichten sollen, um zu verhindern, dass die Gebühren für die Oberharzer in die Höhe schießen.

Bis vor gut zehn Jahren gab es zwei Zweckverbände. Seit 2011 machen die Bereiche „Bode“ und „Holtemme“ gemeinsame Sache. Sie wurden zum Wasser- und Abwasserverband Holtemme-Bode zusammengeführt. Zu „Holtemme“ zählen Wernigerode, Ilsenburg, Derenburg und Teile der Gemeinde Nordharz, zu „Bode“ gehören die Stadt Oberharz am Brocken auch der Wernigeröder Ortsteil Schierke.

Kunden im Oberharz zahlen deutlich mehr für die Abwasserentsorgung als ihre Nachbarn rund um Wernigerode und Ilsenburg. So kostet der Kubikmeter Schmutzwasser im „Holtemme“-Bereich bislang drei Euro, im Bereich „Bode“ sind es 4,20 Euro.

Mehr Aufwand im Oberharz

Beim Regenwasser ein ähnliches Bild: 8,76 Euro rund um Wernigerode und 9,79 Euro im Oberharz. Und das läppert sich über das Jahr. Grund für die unterschiedlichen Preise sind die topografischen Gegebenheiten und damit der höhere Aufwand bei der Abwasserentsorgung im Oberharz. Und das kostet eben mehr. Deshalb wäre für die Oberharzer demnächst eine deftige Gebührenerhöhung fällig - beim Schmutzwasser plus 15 Prozent, beim Regenwasser sogar 31 Prozent. Die Wernigeröder und Ilsenburger könnten sich im Gegensatz über eine deutliche Senkung freuen - sollten die Bereiche Holtemme und Bode weiterhin getrennt veranschlagt werden.

Die Gebühren sollen vereinheitlicht werden. Bewohner der Bereiche Bode und Holtemme sollen also künftig die gleichen Gebühren für die Abwasserentsorgung bezahlen. Seine Pläne hatte Nikolai Witte, Chef des Wasser- und Abwasserzweckverbandes, bereits im Januar angekündigt. „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um das anzugehen. Wir können das durchhalten“, so Witte gegenüber der Volksstimme. Der WAHB habe gut gewirtschaftet und sei in der Lage, allen Kunden die niedrigere Gebühr in Rechnung zu stellen. „Warten wir noch länger mit der Angleichung, geht die Gebührenschere weiter auseinander“, so Witten. „Und dann würden wir die Vereinheitlichung nicht mehr schaffen.“ Vorgesehen sei, die einheitliche Gebühr rückwirkend ab 1. Januar 2020 zu erheben und zumindest bis Ende 2023 stabil bleiben.

Laut Wittes Kalkulation werden bei einer Angleichung der Gebühren künftig für alle Kunden 2,98 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser sowie 7,71 Euro für Regenwasser fällig. Den Holtemme-Kunden würde dadurch ein großer Teil der eigentlich anstehenden Gebührensenkung durch die Lappen gehen. Bei weiterhin getrennten Gebühren würde eine vierköpfige Familie nämlich jährlich fast 124 Euro weniger zahlen. Bei einer Angleichung der Gebühren fällt die Senkung mit etwa 19 Euro deutlich geringer aus.

Verbandsversammlung trifft Entscheidung

Die Entscheidung trifft die Verbandsversammlung, in der Vertreter der einzelnen Kommunen sitzen. Verbandschef Witte war es aber wichtig, sich vorher ein Stimmungsbild aus den betroffenen Kommunen einzuholen. In Wernigerode soll deshalb nun der Stadtrat seine Verbandsmitglieder ermächtigen, für beziehungsweise gegen die Vereinheitlichung zu stimmen. Die Entscheidung soll in der Sitzung am Donnerstag, 5. November, fallen. Die Vorzeichen stehen gut, dass der Rat zustimmen wird. Das hat die Diskussion im Finanzausschuss bereits gezeigt.

Dort stimmten die Stadträte mit einer Enthaltung für die Angleichung - auch wenn es dem Gremium freistünde, „gegen die solidarische Lösung und damit für die Wernigeröder zu stimmen“, wie André Boks (SPD) anmerkte. Hendrik Thurm (Haus& Grund) störte sich zwar daran, dass die Entscheidung von der Verbandsversammlung mehr oder weniger auf die Stadträte abgewälzt werde. Aber: „Wir sind ein Verband. Wir sollten zustimmen.“

Thomas Schatz (Die Linke) sprach von einer schwierigen Entscheidung. „Es wird im Oberharz nicht billiger“, so Schatz. „Wenn wir die Gebühren vereinheitlichen, sollten wir wissen, wie wir die Kosten im Oberharz in Griff bekommen.“ Ein Beschluss, der der Solidarität Ausdruck verleihe, sei angenehm. „Aber der Verband muss dran bleiben.“