Brand

Acht Personen verletzt

Alarm im Seniorenwohnhaus an der Gustav-Petri-Straße in Wernigerode: Die Feuerwehr rückt am Mittwoch wegen eines Brandes aus.

Von Katrin Schröder

Wernigerode l 7.25 Uhr am Mittwochmorgen in Wernigerode: Im Seniorenwohnhaus des Pflegedienstleiters Advita an der Gustav-Petri-Straße schrillen die Alarmglocken. In einer Wohnung im dritten Obergeschoss des ehemaligen Finanzamtes brennt es. Kameraden der Feuerwehren aus Wernigerode, Silstedt, Reddeber, Minsleben und Benzingerode werden alarmiert, berichtet der stellvertretende Stadtwehrleiter Marco Söchting.

Am Ende sind es zehn Feuerwehrleute, die mit drei Fahrzeugen den Einsatz bewältigen. Ihnen bleibt allerdings nur, die verqualmten Zimmer zu lüften. Bis 8.46 Uhr dauert ihr Einsatz.

Das Feuer ist zu diesem Zeitpunkt schon gelöscht. Ausgelöst wird der Schwelbrand durch einen Standheizlüfter, den ein 93-Jähriger im Badezimmer seiner Wohnung aufgestellt hat. Der Mann versucht zunächst selbst, den Brand unter Kontrolle zu bringen, was jedoch misslingt, wie Polizeisprecher Uwe Becker vom Harzer Revier in Halberstadt mitteilt.

Die Pfleger helfen daraufhin den Bewohnern der dritten Etage, die ihre Wohnungen verlassen müssen. Zu den Nachbarn, die unfreiwillig aus dem Haus müssen, gehört Marlene Rex. „Der Alarm heulte wie verrückt los“, sagt die 80-Jährige. Ihr Mann sieht nach und erfährt, dass die Bewohner evakuiert werden. „Wir sind durch das Treppenhaus nach unten“, sagt Marlene Rex, die zum Gehen einen Rollator benötigt. Die Pfleger stützen Senioren, die den Gang über die Stufen nicht allein bewältigen können. „Eine Bewohnerin musste vom Rettungsdienst in einem speziellen Sitz nach unten gebracht werden“, berichtet die Mieterin.

Acht Menschen werden bei dem Feuer leicht verletzt und wegen Verdacht auf Rauchgasvergiftung in drei Kliniken in Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg untersucht und behandelt. Neben dem 93-Jährigen, in dessen Wohnung der Brand ausbrach, sind dies eine 87-jährige und eine 90-jährige Nachbarin. Ebenso werden fünf Pfleger werden medizinisch versorgt. „Die Mitarbeiter haben sich toll eingebracht“, lobt die Hausleiterin Siglinde Thiele.

Aus Berlin meldet sich Advita-Geschäftsführer Peter Fischer zu Wort. „Wir sind sehr froh, dass weder die Bewohner noch unsere Mitarbeiter gesundheitliche Schäden verzeichnen“, teilt der Pflegedienst-Chef mit, dem 23 Niederlassungen vor allem in Sachsen, aber auch in Sachen-Anhalt und Thüringen unterstehen. Das Seniorenhaus in Wernigerode ist erst im Januar 2017 eröffnet worden. Eigentümerin ist die MDU-Gruppe, ein Immobilienunternehmen mit Sitz in Meißen. Im Februar 2016 hat die Firma das ehemalige Wernigeröder Finanzamt gekauft und umbauen lassen.

Im Erdgeschoss sind Wohnräume und eine Tagespflege angesiedelt, im ersten Stock hat Advita eine Demenz-Wohngemeinschaft eingerichtet. In den beiden oberen Geschossen vermietet der Pflegedienst Ein- bis Drei-Raum-Wohnungen an Senioren, die dort weitgehend selbstständig leben und je nach Bedarf zusätzlich Pflegeleistungen in Anspruch nehmen können – so wie der 93-Jährige, bei dem es gebrannt hat.

„Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst und werden gründlich untersuchen, wie es dazu kommen konnte“, so Advita-Chef Fischer. Aus seiner Sicht haben das Brandschutztraining für die Mitarbeiter und die technischen Sicherheitseinrichtungen dafür gesorgt, dass keine größeren Schäden entstanden sind. Ein Vorteil sei, dass durch den Notrufknopf, der zum Betreuten Wohnen gehört, schnell Hilfe herbeigerufen wird. Dank des „schnellen und professionellen“ Eingreifens der Feuerwehr sei der Schaden auf eine Wohnung begrenzt, die gereinigt und gestrichen werden muss.

Zum Konzept gehört, dass die Bewohner eigene Möbel und auch Elektrogeräte mitbringen können. „Das ist wie in einem normalen Mietshaus“, bestätigt Hausleiterin Siglinde Thiele. Dieser Grundsatz soll nun auf den Prüfstand. „Wir werden gründlich überlegen, welche Veränderungen gegebenenfalls erforderlich sind“, so Peter Fischer.