Silstedt l Die Sorgenfalten auf der Stirn von Jörg Weidemann sind unübersehbar. „Es kommt zu dramatischen Einbußen bei der Ernte“, bringt es der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Vorharz mit Hauptsitz in Silstedt auf den Punkt. Die Gründe für dieses Dilemma liegen auf der Hand. „Vom 5. Mai bis 15. Juni gab es in der Region keinen Niederschlag, der für die Ernte relevant war. Außerdem wechselten sich Sonne und Wind ab. Deshalb sind Tautropfen schnell verdunstet“, erklärt Weidemann.

Als weiteren negativen Punkt nennt er die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, welche das Getreide schädigten. „Tagsüber hatten wir 25, nachts hingegen nur fünf bis sechs Grad Celsius. Insgesamt lag in unserem Gebiet die Temperatur von April bis Juni fünf Grad über dem Durchschnittswert.“

Kalter März und kaum Regen

Solche Wetterphänomene habe es laut Weidemann hin und wieder schon gegeben. Doch es stehe fest, dass sich das Klima ändert und die Temperaturen im Harz steigen. Noch einen drauf setzte der kalte Winter. „Bis März gab es stellenweise noch Schnee. Im Vergleich zu den letzten Jahren war es drei Grad kälter“, so der Vorsitzende der Agrargenossenschaft.

Jörg Weidemann hat auch entsprechende Zahlen parat. Im ersten Halbjahr fallen auf einen Quadratmeter Boden im Vorharz durchschnittlich 242 Liter Niederschlag. 2018 waren es nur 152 Liter. Das sind rund 40 Prozent weniger Wasser. Den Landwirt erinnert das Wetter an das Jahr 2006. „Da herrschten ähnliche Witterungsbedingungen. Selbst zum Schützenfest musste geerntet werden, damit die Verluste nicht noch größer wurden.“

Normalerweise seien die Mähdrescher vom 10. bis 15. Juli auf den Feldern zu finden, um die Wintergerste einzufahren. „Das wird in diesem Jahr zu spät. Wir legen schon diese Woche los“, sagt Weidemann.

Selbst wenn der Himmel jetzt seine Schleusen öffnen würde, käme das Wasser zu spät, da vieles bereits vertrocknet sei. Beim Gras als Futtermittel für die Kühe spricht der Experte in Silstedt sogar fast vom Totalausfall: „Das Gras ist regelrecht verbrannt.“

Brotpreise steigen wohl im August

Als Folge der Verluste befürchtet Jörg Weidemann, dass im August die Preise für Brot und Brötchen um fünf bis zehn Cent steigen werden. „Doch an den höheren Preisen verdienen die Landwirte nichts.“ Von der Europäischen Union seien keine Subventionen zu erwarten. Derzeit seien aber die Weizenpreise noch recht stabil, da Russland etliche Tonnen in den Welthandel gebracht habe.

Und der verkorkste Sommer wirft seine Schatten voraus. „Durch die Trockenheit gibt es im Herbst auf den Äckern mehr Mäuse. Die gehen die neu ausgesäten Kulturen an.“