Wernigerode l „Was machen die denn da?“, fragt eine Frau am Rande des Wernigeröder Kohlmarkts. „Keine Ahnung“, antwortet ihr Mann. Die Menschenmenge, die dort versammelt ist, verharrt schweigend, mit Kerzen und Laternen in den Händen. Dann singen sie im Kanon „Evening Rise“ und „Nach dieser Erde“, ernten dafür Applaus. Ein Zeichen setzen für eine bessere Klimapolitik, das ist das Anliegen der Initiative „Harz for Future“, die zum Umzug durch die Wernigeröder Innenstadt aufgerufen hat.

Zwar ist die Teilnehmerzahl hinter den Erwartungen zurückgeblieben: Statt mehreren Hundert versammelten sich nur etwas mehr als 50 Menschen am Sonnabend zu Umzug und Mahnwache. Abseits des Weihnachtsmarkttrubels zogen sie vom Oberpfarrkirchhof durch die Innenstadt und zurück zur Sylvestrikirche, wo zum Ausklang ein Programm mit Musik und einem Film stattfand. Das Video hatten Luca Siede und Lorenz Crome erst am Morgen fertiggestellt, berichten die Organisatoren von „Harz for Future“.

Die Hauptmann-Gymnasiasten, 17 und 19 Jahre alt, bilden das Rückgrat von „Harz for Future“ und opfern für ihr Engagement viel Zeit. Unterstützt werden sie von einer Schülergruppe vom Gerhart-Hauptmann-Gymnasium (GHG) und anderen Schulen der Stadt.

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Teil der weltweiten Bewegung

Hinter ihnen liegt eine aufregende Zeit. „Noch vor einem Jahr war Klimaschutz kaum ein Thema“, erinnert Lorenz Crome. Dann kam Greta Thunberg und mit ihr die „Fridays for Future“-Bewegung, die bis nach Wernigerode schwappte. „Und wir sind jetzt ein Teil davon“, so Lorenz Crome.

Am 8. Februar 2019 fand am GHG und auf dem Nicolaiplatz die erste Demonstration unter dem Motto „Harz for Future“ statt. Sechs weitere folgten, jeweils mit 50 bis 100 Teilnehmern. Die größte Veranstaltung fand am 20. September statt, als sich rund 450 Menschen auf dem Nicolaiplatz versammeln. Am 29. November wurde unter dem Motto „Neustart Klima“ vor dem Auftakt der Weltklimakonferenz demonstriert.

Die Resonanz war meist „positiv und konstruktiv“, sagt Lorenz Crome – so wie am Sonnabend. Es sei wichtig, Einsatz zu zeigen, so der 18-jährige Moritz. „Es liegt vielen am Herzen, aber nicht jeder tut etwas.“ Und Emma, 17 Jahre alt, sagt: „Man ist nicht perfekt, aber man versucht, etwas zu tun.“

Ältere ziehen mit

Ältere bewegt das Thema ebenso. „Ich habe Enkel und wünsche mir, dass sie eine gesunde Umwelt haben“, sagt Marion Walter. Die Wernigeröderin engagiert sich im BUND, möchte eine Ortsgruppe in ihrer Heimatstadt gründen. „Es ist wichtig, dass man sich positioniert.“ Ähnlich sieht es Irmtraut Blume. „Es ist mir ein Anliegen.“ An Teilnehmerzahlen lasse sich Erfolg nicht messen. „Hauptsache, man ist da und wird wahrgenommen.“

Neben dem Protest wollen die Schüler informieren, etwa bei der Podiumsdiskussion am 6. Juni im GHG. Möglich wurde dies durch die Unterstützung der Schule. „Bei uns funktioniert die Zusammenarbeit mit der Schulleitung sehr gut“, sagt Luca Siede. Auch deshalb gehen die Gymnasiasten nicht während, sondern nach dem Unterricht auf die Straße.

Obwohl Klimaschutz in aller Munde ist, mobilisiert er aber nur einige. „Wir haben gemerkt, dass es schwierig ist, viele zu erreichen“, so Luca Siede. „Die Leute dauerhaft zu begeistern, ist schwer“, ergänzt Loren Crome. Deshalb wollen sie künftig mehr auf Bildung und Musik setzen. Um jeden Freitag auf die Straße zu gehen, reiche das Protestpotenzial in Wernigerode nicht. Doch die weltweiten Streiktage wollen sie nutzen. „Alle zwei Monate sind wir auf jeden Fall dabei“, so Lorenz Crome.

Was geplant ist, sollen Interessierte ab Januar auf einer neuen Internetseite nachlesen können. Neben dem Netzwerk Instagram soll auch Facebook genutzt werden.