Wernigerode l Berge von Päckchen türmen sich auf den Tischen im Familienzentrum des Internationalen Bunds (IB). Schachteln, Geschenktüten, Beutel mit Süßigkeiten – alles liebevoll eingewickelt und weit über 100 an der Zahl. Immer wieder kommen in diesen Tagen Wernigeröder im Domizil in der Ernst-Pörner-Straße vorbei und geben kleine Geschenke ab. „Ich finde es einfach nur schön, etwas geben zu können“, sagt eine Frau an der Tür. „Auch wenn ich gar nicht weiß, wen genau ich eigentlich beschenke.“

Die Päckchen und Tüten gehen an die älteren Menschen im Wohngebiet Stadtfeld, die im Seniorenzentrum und in der Tagespflege betreut werden oder allein zuhause leben. „Viele dieser Menschen sind einsam“, weiß Daniela Puse vom IB. „Der Partner ist verstorben, die Kinder leben weit weg in einer anderen Stadt. Das Geld ist knapp. Ihnen wollen wir mit unserer Stern-Aktion zu Weihnachten eine Freude bereiten.“

Stern-Aktion deshalb, weil die Senioren ihre Wünsche auf Sterne geschrieben haben. „Wir haben 120 Papiersterne vorbereitet, verteilt und anonym beschriftet wieder eingesammelt“, berichtet Daniela Puse. Es gehe ihr und ihren Kollegen darum, dass diese Menschen an den Festtagen etwas zum Auspacken haben, dass sie das Gefühl haben, jemand hat an sie gedacht.

Bescheidene Wünsche

Rührend und sogar ein bisschen traurig sei es gewesen, in den Wünschen der alten Leute zu stöbern, sagt Ute Neumann. „Duschbad, Creme, Teelichter, selbstgebackene Kekse, Marmelade, Kaffee – ganz einfache Sachen“, so die Mitarbeiterin des Familienzentrums. „Ein Schreibblock mit Kugelschreiber – das hat mich am meisten bewegt.“ Anderen Senioren wiederum sei es schwer gefallen, überhaupt einen Wunsch zu äußern.

Auf Facebook und über die Volksstimme trommelten die Mitarbeiter des Familienzentrums für ihre Aktion. Jeder Wernigeröder, der etwas schenken wollte, konnte sich einen oder mehrere Sterne abholen. „Wir wussten ja nicht, wie viele Menschen wir erreichen“, sagt Daniela Puse. Die Reaktion hätte sie dann schlichtweg überwältigt. „Alle 120 Sterne waren innerhalb von zwei Tagen weg. Und dann kamen die Geschenke zurück. Wahnsinn.“ Und die Wernigeröder brachten noch mehr – auch ohne Stern, erfüllten nicht nur die kleinen Wünsche, sondern legten selbst noch etwas dazu.

Aktion soll fortgesetzt werden

„Mit dieser Hilfsbereitschaft haben wir nicht gerechnet“, sagt Ute Neumann. Jeden Tag habe sie mit den Tränen gekämpft. „Für mich ist das eine Herzenssache. Ich war einfach so gerührt, weil die Wernigeröder Wildfremde beschenken wollen. Und das in der heutigen Zeit.“ Sie seien damit über sich hinausgewachsen, nur um andere glücklich zu machen.

Für Daniela Puse und Ute Neumann vom Familienzentrum und für die vielen beschenkten Senioren ist das ein kleines Weihnachtswunder.

Hintergrund: Die Sterne-Aktion ist keine Wernigeröder Erfindung, sondern stammt aus dem niedersächsischen Rinteln. Harzer hatten von der Idee gehört und sie mit den Worten „Vielleicht ist das was für euch“ ans Familienzentrum weitergeleitet. Die Aktion soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden.