Mülltrennung

An Wernigeröder Ganztagsschule heißt es: Abfall, trenn dich!

Gelb, schwarz oder blau? An der Ganztagsschule Burgbreite in Wernigerode landet der Müll jetzt in der richtigen Tonne.

Von Sofia Mönter Jaime
Cosima Pfeiffer ist Schulsprecherin an der Ganztagsschule Burgbreite und hat gemeinsam mit sieben Mitschülern das Mülltrennungs-Projekt MAS ins Leben gerufen.
Cosima Pfeiffer ist Schulsprecherin an der Ganztagsschule Burgbreite und hat gemeinsam mit sieben Mitschülern das Mülltrennungs-Projekt MAS ins Leben gerufen. Foto: Sofia Mönter Jaime

Wernigerode

50 Jahre. So lange dauert es, bis ein Kaffeebecher verrottet. Eine Babywindel braucht bis zu 800 und eine Glasflasche sogar bis zu 50.000 Jahre. Hätten Neandertaler also damals schon aus Glasflaschen getrunken, wären diese erst heute vollständig verrottet.

Eindrucksvolle Zahlen und trotzdem geraten sie schnell in Vergessenheit. Wenn der nächste Mülleimer nicht nah genug steht, landen Zigaretten und Co. häufig, ohne nachzudenken, auf dem Boden.

Das Problem: Was muss wo rein?

Doch auch wenn der Abfall seinen Weg in die Tonne findet, ist das Problem damit meistens nicht behoben. Denn falsche Mülltrennung ist in Deutschland immer noch Thema. Laut einer Studie des Umweltbundesamtes befinden sich 67,4 Prozent des Abfalls im Restmüll fälschlicherweise dort. Doch warum landet der Müll so häufig nicht in der richtigen Tonne?

Für Cosima Pfeiffer, Schulsprecherin der Ganztagsschule Burgbreite in Wernigerode, liegt die Antwort auf der Hand: „Viele wissen einfach nicht, wo welcher Müll rein muss.“ Doch damit soll jetzt Schluss sein – zumindest an ihrer Schule. Zusammen mit sieben Mitschülern, hat die 16-Jährige das Projekt „MAS – Mülltrennung an Schulen“ ins Leben gerufen. Ihr Ziel: Ein größeres Bewusstsein für Mülltrennung schaffen und für bessere Trennsysteme auf dem Schulgelände sorgen.

„Fridays for Future“ als Auslöser

Die Idee kam den Schülern bereits 2019 bei ihrem jährlichen Schülersprecherseminar. Auslöser sollen die „Fridays for Future“-Demonstrationen gewesen sein. „Die Schüler wollten nicht nur ihre Stimmen erheben, sondern auch anpacken und wirklich etwas verändern“, erinnert sich Schulleiter Wolfgang Kirst. Er ist begeistert von dem Engagement seiner Schützlinge und stolz darauf, dass die Ganztagsschule die erste im Landkreis Harz ist, die sich um Mülltrennung kümmert.

Doch die Begeisterung wurde nicht von allen geteilt. „Die Reaktionen waren anfangs eher verhalten – sowohl von den Schülern, als auch von den Lehrern“, verrät Cosima Pfeiffer. „Vor allem bei den Reinigungskräften mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten.“ Die Bereitschaft sei dort zögerlich gewesen, da die Sorge bestand, dass trotz neuer Mülleimer nicht richtig getrennt werden und die Arbeit somit am Reinigungspersonal hängenbleiben würde.

16 trennfähige Mülltonnen und vieles mehr

„Es war ein langer Weg“, bestätigt auch Schulsozialarbeiterin Kim Fieber. Die 29-Jährige und ihre Kollegin Katja Wilhelm haben die Schülergruppe bei ihrem Projekt von Anfang an tatkräftig unterstützt. Und die viele Arbeit scheint sich gelohnt zu haben.

Mittlerweile stehen 16 Mülltonnen inklusive Trennsystem auf dem Schulgelände. „Außerdem haben wir Flyer verteilt und Plakate in den Klassenzimmern aufgehangen, die Mülltrennung zeigen“, erklärt Cosima Pfeiffer. Pro Klasse gebe es nun auch einen Verantwortlichen, der auf die korrekte Trennung der Abfälle seiner Klasse achte.

Für einen maximalen Erfolg wurde das Projekt auch aktiv in den Unterricht miteingebunden. „Es muss darüber gesprochen werden, dann sind die Chancen höher, dass die Schüler es sich zu Herzen nehmen“, so Schulleiter Kirst.

Daher hat der Großteil bereits eine Unterrichtseinheit im Fach Ethik zum Thema Mülltrennung erhalten. Außerdem sollen im Kunstunterricht Aufkleber gestaltet werden, die einen Anreiz schaffen sollen, den Müll in die richtigen Behälter zu werfen.

Mülltrennung hat ihren Preis

Im Gespräch wird deutlich, dass noch einige weitere Ideen darauf warten, realisiert zu werden. Doch das ist auch eine Frage des Geldes, denn Mülltrennung hat ihren Preis – 6500 Euro, um genau zu sein. „Den Großteil konnten wir durch Sponsorengelder finanzieren und den Rest hat der Schulförderverein dazu gesteuert“, erzählt Cosima Pfeiffer stolz. Ohne die Hilfe mehrerer Sponsoren, wäre das Projekt nicht umsetzbar gewesen, bestätigte auch Kim Fieber.

Die Sozialarbeiterin freut sich über die gelungene Aktion und hofft, dass die Mitschüler dadurch inspiriert wurden. „Das Projekt MAS hat gezeigt, dass man mit Engagement auch viel erreichen und bewegen kann!“