Parkplätze

Anwohner gefangen im Parkverbot am Schierker Barenberg

Ohne Auto wären viele Schierker aufgeschmissen. Was aber, wenn gar kein Platz für den eigenen Pkw da ist? Bewohner des Barenbergs kassieren deshalb Knöllchen.

Von Holger Manigk
Keine Chance auf einen Parkplatz: Am Barenberg in Schierke gilt Halteverbot, eigene Stellplätze haben die Bewohner des Hauses rechts im Bild nicht.
Keine Chance auf einen Parkplatz: Am Barenberg in Schierke gilt Halteverbot, eigene Stellplätze haben die Bewohner des Hauses rechts im Bild nicht. Foto: Holger Manigk

Schierke - Wohin mit dem eigenen Auto? An dieser Frage verzweifeln Anwohner des Barenbergs in Schierke täglich. „Wir können nur Strafzettel riskieren, da wir keine andere Parkmöglichkeit haben“, schildert Annett Fleckstein das Problem, mit dem sie und die anderen Mieter eines Wohnhauses der Genossenschaft Bauen + Wohnen aus Braunschweig sich herumplagen.

Ringsum fehlen Parktaschen, entlang der engen Straßen des Brockenortes gilt flächendeckend Halteverbot. Als Alternativen blieben laut Fleckstein nur das Parkhaus „Am Winterbergtor“ und die Stellfläche „Am Thälchen“ – jeweils gut einen Kilometer Fußweg entfernt. „Das ist unzumutbar“, ergänzt ihr Nachbar Frank Knutsen. Deswegen hat sich ein Dutzend der Bewohner bereits mit einer Petition an die Genossenschaft gewandt, bislang aber ohne Erfolg.

Gebühr mehr als verdoppelt für Sondergenehmigung

Bei ihrem Einzug habe der Vermieter ihnen eine baldige Lösung in Aussicht gestellt, sagt Fleckstein, die wie viele ihrer Nachbarn im Tourismus-Gewerbe beschäftigt ist. „Wir sind auf unsere Autos angewiesen, um unsere Arbeitsplätze und andere lebensnotwendige Ziele zu erreichen.“ Für 2019/20 habe sie noch eine Sondergenehmigung der Stadt Wernigerode für den Parkplatz gegenüber am Barenberg erhalten. „Die kostete 51,20 Euro im Jahr. Damit war 20/21 aber Schluss – zumal der öffentliche Parkplatz ständig für Holztransporte gebraucht wird und uns somit nicht zur Verfügung steht.“

Das Dilemma der Barenberg-Bewohner sei der Verwaltung bekannt, entgegnet Anja Münzberg auf Volksstimme-Anfrage. Wie die Chefin des Ordnungsamtes erläutert, wurden die Nutzungsgebühren per Stadtratsbeschluss für das gesamte Stadtgebiet angehoben. Berufspendler zahlen damit zehn Euro plus Mehrwertsteuer pro Monat für einen Stellplatz. „Dieser Betrag wird als grundsätzlich angemessen gesehen“, so Münzberg weiter.

Verkauf von Grünfläche verzögert sich

Hoffnungsschimmer für die Barenberg-Bewohner: Ihr Vermieter will eine Grünfläche vor dem Haus tatsächlich der Stadt abkaufen und als Anwohner-Parkplatz herrichten, wie die Amtsleiterin und Klaus Spille, Vorstandsmitglied der Genossenschaft, bestätigen. Dabei habe die Kommune „bereits seit einiger Zeit“ ihren Teil der Vorbereitungen geleistet, wie Münzberg betont. Doch die Gegenseite habe sich bislang „sehr zögerlich“ gezeigt, sodass die Fläche noch nicht verkauft werden konnte.

Das mache für die Bauen + Wohnen e. G. und ihre Mitglieder nur Sinn, „wenn der Grünstreifen anschließend auch als Parkfläche genutzt werden darf“, so Spille. „Eine solche Zusicherung kann die Stadt im Kaufvertrag nicht geben. Deshalb hat unser Haus eine Bauvoranfrage gestellt.“

Diese werde wiederum leider nicht von der Stadtverwaltung bearbeitet. „Wir sollen stattdessen einen Bauantrag stellen. Das ist deutlich aufwendiger und wegen Kapazitätsengpässen noch nicht erledigt“, erläutert der Genossenschaftsvorstand. Er und sein Team blieben dennoch zuversichtlich, im Herbst den Grünstreifen erwerben und mit dem Bau beginnen zu können.

Keine Chance auf Erlass von Strafzetteln

Bis dahin dürfen die Bewohner aber nicht auf Gnade der Politessen in der Parkverbotszone von Schierke hoffen. „Ein ,Knöllchenerlass’ ist rechtlich nicht zulässig und hier wird es seitens der Stadt Wernigerode keinen Rechtsbruch geben“, stellt Ordnungsamtsleiterin Münzberg klar. Andere Alternativen als die Parkmöglichkeiten im Ort könnten nicht angeboten werden.