Wernigerode l Jeden Tag schaut Tobias Marquardt aus dem Fenster seines Büros auf leere Parkplätze. Auf dem sanierten Teilstück der Wernigeröder Schreiberstraße, das kurz vor Weihnachten feierlich eingeweiht wurde, sind neue Anwohnerparkplätze eingerichtet worden – doch niemand würde sie nutzen, moniert Marquardt.

Zwar sei es richtig, dass in der Stadt grundsätzlich Parkplätze fehlen. Auch in der benachbarten Rudolf-Breitscheid-Straße werde es oftmals eng. Nicht so in der Schreiberstraße: „Es wurden gleich doppelt so viele Anwohnerparkplätze geschaffen, wie überhaupt benötigt wurden“, schreibt er an die Volksstimme-Redaktion.

Denn der vordere Teil der Schreiberstraße ab der Einmündung Breitscheid-Straße ist nicht mit Wohnhäusern bebaut, sondern grenzt an das Grundstück des Harzkreises. Die dort ausgeschilderten Anwohnerparkplätze seien regelmäßig unbesetzt. Die Anwohner, die einige Meter weiter ihre Häuser haben, würden lieber vor ihrer Haustür parken. „Und wer in der Kleinen Ziegelstraße wohnt, der parkt bestimmt nicht an dieser Stelle“, sagt Tobias Marquardt – obwohl die dortigen Anwohner diese ebenfalls nutzen dürften.

Daher könnte seiner Meinung nach der meist leerstehende Teil der für Anwohner reservierten Stellflächen zu Kurzzeit- oder auch Dauerparkplätzen umfunktioniert werden. Diese könnten Besucher und Mitarbeiter von Amtsgericht, Koba und Musikschule, die in der Rudolf-Breitscheid-Straße angesiedelt sind, gut gebrauchen. „Zu normalen Geschäftszeiten sind alle Parkplätze belegt“, so Marquardt, „nur die Anwohnerparkplätze in der Schreiberstraße sind zuverlässig immer frei, insbesondere tagsüber, wenn die Anwohner nicht zu Hause sind.“

Eine solche Veränderung sei durchaus denkbar, heißt es auf Volksstimme-Anfrage aus dem Wernigeröder Rathaus. „Da die Schreiberstraße erst seit Mitte Dezember wieder für den Verkehr freigegeben ist, möchten wir die Parkraumnutzung noch eine Zeit lang beobachten, um anschließend gegebenenfalls Anpassungen vornehmen zu können“, antwortet Verwaltungssprecherin Winnie Zagrodnik.

Vor der Sanierung der Schreiberstraße zwischen der Rudolf-Breitscheid-Straße und der Schmatzfelder Straße habe es am nördlichen Straßenrand keine Parkplätze gegeben. Am südlichen Straßenrand seien zuvor zehn Kurzzeitparkflächen gewesen, die tagsüber unter der Woche für eine Stunde mit Parkscheibe genutzt werden konnten. Hinzu kamen rund zwölf Plätze für die Bewohner der Schreiberstraße. Angrenzend befinde sich in der Ziegelstraße ein weiterer Bewohnerparkbereich.

Im Zuge der Straßensanierung seien diese beiden Bewohnerparkbereiche zusammengeführt worden. Dies sollte „mehr Flexibilität und eine Entspannung des Parkdrucks in der Kleinen und Großen Ziegelstraße“ bringen, so Winnie Zagrodnik. Statt bisher zwölf Anwohnerparkplätze stünden damit in der Schreiberstraße nun 21 Anwohnerparkplätze zur Verfügung. „Diese Änderung hatte bislang ausschließlich positives Feedback zur Folge.“ Die Zahl der Kurzzeitparkplätze hingegen ist dort von vormals zehn auf sechs gesunken Doch da in der Rudolf-Breitscheid-Straße zahlreiche derartige Stellflächen bereitstünden, habe man in der Reduzierung kein Problem gesehen. „Sollte sich ergeben, dass der nun zur Verfügung stehende Parkraum für Bewohner von diesen nicht genutzt wird, kann eine Anpassung der Bewirtschaftung der vorhandenen Parkflächen erfolgen“, so die Verwaltungssprecherin.

Derweil habe das Wernigeröder Ordnungsamt die Situation in der Schreiberstraße im Blick, sagt Tobias Marquardt. Wegen des Parkplatzmangels würden immer wieder Besucher ihre Autos auf den freien Anwohnerparkplätzen abstellen – und würden dafür regelmäßig Strafzettel kassieren. „Die Parkplätze sollen ja auch zukünftig ungenutzt bleiben“, so Marquardt ironisch.