Wernigerode l Mindestens 300 Jahre alt ist die Tradition, Nachwuchswissenschaftler im Harz zu fördern. In einer beeindruckenden, mit historischen Fakten gespickten Rede legte Dr. Steffen Wendlik am Donnerstagabend im Wernigeröder Rathaus dar, weshalb der Wernigeröder Wissenschaftspreis der Stadtwerkestiftung heute noch so wichtig ist. Er nannte allen voran Henning Calvör, der als Sohn eines Silstedter Dorfschneiders unter der Gunst Graf Christian Ernsts Großes vollbrachte und heute als einer der bedeutendsten Gelehrten der Bergbautechnik in die Geschichte einging.

Steffen Wendlik wollte mit seiner Rede darauf aufmerksam machen, wie junge Forscher von Auszeichnungen wie dem Wissenschaftspreis profitieren. Gleichzeitig ist Wendlik selbst am Donnerstag ausgezeichnet worden. Erstmals hat die Jury des Wissenschaftspreises einen Sonderpreis vergeben. Der 48-jährige Pädagoge erhielt für sein Mammutwerk über Graf Botho, an dem er sechs Jahre lang gearbeitet hatte, die Auszeichnung. Botho, der Onkel von Fürst Otto, Vizekanzler unter Bismarck, gilt als einer der bekanntesten Stolberger.

800 Seiten Werk über Botho

Wendliks Werk sei einmalig im Umfang, würdigte Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht (CDU) in seiner Laudatio. Der Lehrer habe ein beachtliches Forschungsergebnis vorgelegt. „Es gibt keine vergleichbaren Studien zu dieser Thematik“, so Albrecht über das knapp 800 Seiten starke Werk, das Wendlik selbst gern als sein „Büchlein“ bezeichnet. Albrecht selbst habe das Buch vergangenes Jahr zu Weihnachten erhalten – und bisher keine 300 Seiten geschafft. Das wolle er noch nachholen.

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Steffen Wendlik hatte sich für den Preis beworben, obwohl er die 40-Jahre-Altersgrenze für den Nachwuchspreis bereits deutlich überschritten hatte. So entschied die Jury erstmals, den Sonderpreis zu vergeben. Der gebürtige Oscherslebener, der in Schmatzfeld wohnt, bedankte sich in seiner Rede bei Verwandten und Freunden, die ihm stets Rückhalt gegeben hätten. Er zollte auch dem Hauptpreisträger des Abends seinen Respekt: Jacob Krügers Auszeichnung knüpfe an die Tradition der Wissenschaftsförderung im Harz an.

Der 26-Jährige hatte mit seinem Paper – einer wissenschaftlichen Publikation in einem Fachjournal – eines der großen Probleme der Softwareanpassung erörtert. In einer Fallstudie auf Basis einer Oracle-Datenbank zeigte der gebürtige Gardelegener eine Alternative zu der sehr umständlichen „Ifdef-Programmierung“ auf, mit der Quelltexte zerlegt und individualisiert werden können.

Es war nicht die erste inetrnational vielbeachtete Publikation des Wirtschaftsinformatikers, der an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg studiert hatte und sein Studium als Jahrgangsbester abgeschloss: Insgesamt 14 Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachmagazinen kann der junge Mann vorweisen. Eine eindrucksvolle Zahl, wie sein Mentor und Laudator, der Wirschaftsinformatik-Professor Thomas Leich, betonte. „Ich bin immer gewohnt gewesen, meine Mitarbeiter anzutreiben“, sagte er. „Treiben und motivieren musste ich Herrn Krüger nie, vielmehr bremsen.“

Strahlkraft der Auszeichnung

Der Hochschulprofessor unterstrich die Strahlkraft und Außenwirkung der Auszeichnung, die der höchstdotierte private Wissenschaftspreis für Nachwuchsforscher in Sachsen-Anhalt ist. „Ich habe es selbst immer wieder erlebt, wie wichtig es ist, bei Bewerbungen besondere Leistungen herauszustellen, um sich von der Masse abzuheben“, so der Wirtschaftsinformatiker. Zudem könne sich der mit 3000 Euro dotierte Preis sehen lassen – „auch von der finanziellen Ausstattung her“.

Er erläuterte vor dem Publikum im Rathaussaal, wie Jacob Krüger es geschafft habe, einen neuen Ansatz in der Individualisierung von Computersystemen aufzuzeigen. Aktuell arbeitet der Preisträger in Göteborg in Schweden, wo er die Kosten für die Umsetzung seines Ansatzes betrachtet, wie er gegenüber Volksstimme sagte. In zwei Jahren wolle er seine Doktorarbeit abliefern. Sein Mentor Professor Thomas Leich drückt ihm die Daumen dafür, „Versuche, Deine neuartigen Ideen umzusetzen. Bleib so“, sagte er abschließend in seiner Rede.