Wernigerode l Ein Auto nehmen: genau dann, wenn man es braucht und nur für diese Zeit bezahlen. Klingt erstmal ideal. Genau das ist Car-Sharing, also zu deutsch: Wenn mehrere sich ein Auto und die damit verbundenen Kosten teilen. „Das Prinzip ist schnell erklärt“, sagt Philipp Hallermann. „Wenn Leute nur unregelmäßig ein Auto für einen kurzen Zeitraum brauchen, ergibt es Sinn.“

Philipp Hallermann ist Geschäftsführer der Auto Ackert GmbH mit Filialen in Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg. Das Unternehmen, das sein Ur-Großvater Heinrich Ackert vor 115 Jahren gegründet hat, war bis vor Kurzem der einzige Car-Sharing-Anbieter weit und breit – bis am 20. Dezember 2019 das Geschäftsmodell eingestellt wurde. „In Spitzenzeiten hatten wir zwölf Fahrzeuge im Carsharing“, berichtet er. „Damit waren wir bis kurz vor Berlin der größte Anbieter.“

Car-Sharing anderswo selbstverständlich

Hallermann sagt das nicht ohne Stolz, versteht er sich doch als Umweltschützer und ist bekennender Fan des Modells. „Ich habe zwölf Jahre lang in Stuttgart verbracht, dort ist Car-Sharing gelebte Realität und aus dem Alltag nicht wegzudenken“, sagt er. „Ich habe es als größte Selbstverständlichkeit wahrgenommen.“

Als er 2017 das Autohaus übernahm, bestand das Angebot bereits. Es war kurz zuvor von seinem Vorgänger eingeführt worden. „Ford hat sich damals verstärkt dem Thema Car-Sharing gewidmet und ist auf die Händler zugekommen, die dieses Modell dann mit Unterstützung von Ford umsetzen konnten“, erläutert er. „Die Motivation dahinter ist, Menschen in Kontakt mit der Marke Ford zu bringen, die vielleicht sonst nie in einem Ford gesessen hätten.“ Es sei damit auch ein Marketing-Instrument.

Und so funktioniert Car-Sharing: Der Anbieter stellt das Auto. Der Nutzer zahlt per App oder Kreditkarte eine Pauschale pro Stunde oder Kilometer und kann dann das Auto nutzen. Der Fahrer muss bei Ackert wenigstens 21 Jahre alt sein. „Der Nutzer überprüft vor Fahrtantritt, ob das Auto sauber ist oder Schäden hat“, erläutert Philipp Hallermann. „Sind Schäden vorhanden, werden sie per App registriert und der vorhergehende Fahrer übernimmt sie.“

Hoher bürokratischer Aufwand

Dort liege auch der Haken. „Der bürokratische Aufwand hat enorme Personalressourcen gefordert“, legt er dar. „Hinweise und Meldungen haben eine Mitarbeiterin täglich mehrere Stunden mit der Schadensabwicklung beschäftigt.“

Noch dazu seien die Abrechnungsmodalitäten zwischen den Subunternehmen, die die Fahrzeuge anbieten wie Flinkster, einer Tochter der Deutschen Bahn, und dem Autohaus ein einziger „Nebel“ gewesen. „Nur mit großem zeitlichen Aufwand ist Transparenz in die Abrechnungen zu bringen. Jeder Partner hat unterschiedliche Abrechnungszeiträume.“

Im Grunde hätte er eine komplette Stelle nur für das Car-Sharing vorhalten müssen. Doch der Grundgedanke – Autohaus stellt Fahrzeuge und übernimmt lediglich die Verträge und die Nutzer kümmern sich um Beseitigung von Müll, Reinigung, Tanken und Schadensabwicklung untereinander – sei nicht erfüllt worden. Trotz des personellen Aufwands hätte Philipp Hallermann das Angebot gern fortgeführt – hätte nur die Auslastung gestimmt.

Kundenstamm bestand aus 20 bis 30 Nutzern

Auto Ackert hatte zuletzt fünf Fahrzeuge im Car-Sharing in Wernigerode an der Hochschule Harz sowie am Autohaus in der Theodor-Fontane-Straße, in Halberstadt und Blankenburg. Auch am Bahnhof in Wernigerode standen zwei Autos bereit. Im Grunde hätten immer wieder dieselben 20 bis 30 Kunden regelmäßig das Angebot in Anspruch genommen. „Viele sind Hochschulmitarbeiter oder Pendler, die bei Zugausfällen auf das Fahrzeug zurückgreifen wollten“, erklärt er. „Touristen nutzten Car-Sharing nicht.“ Auto Ackert habe in der Hochschule Harz während der Orientierungstage mit mehreren Hundert Studierenden an einem großen Messestand mit kostenfreien Anmeldungen für das Car-Sharing geworben. „Was denken Sie, wie viele Studenten das genutzt haben?“, fragt er. „Kein einziger.“

Die schlechte Resonanz, verbunden mit den Personalkosten, habe letztlich den Ausschlag gegeben, das Angebot einzustellen. „Stünde am Ende die schwarze 0, hätten wir es fortgeführt.“ Ein weiterer Anbieter aus Wolfenbüttel habe das Angebot ebenfalls eingestellt. „Für mich hat Car-Sharing nach wie vor einen hohen ideellen Wert, es ist ein Symbol für ein fortschrittliches Unternehmen.“