Harzkreis l Es ist das berühmte Problem im Alltag: Ein strittiges Thema steht im Raum und beim näheren Betrachten scheinen die Argumente beider Seiten nachvollziehbar. So ganz konkret und aktuell im Fall der Bargeld-Versorgung in Zeiten der Corona-Pandemie. Seit Montag, 23. März, hat die Harzsparkasse – für viele Harzer das Kreditinstitut der Wahl – ihren Service deutlich eingeschränkt. So wurden 19 der insgesamt 31 Geschäftsstellen zumindest hinsichtlich der personellen Betreuung und Beratung geschlossen. Betroffen sind insbesondere kleine Filialen – beispielsweise in Wegeleben, den Huy-Ortsteilen Dingelstedt und Dedeleben oder Benneckenstein. Obendrein werden mit sofortiger Wirkung die Touren der Sparkassenbusse ausgesetzt.

Was vor Ort – Beispiel Gemeinde Huy – für Kritik sorgt, ist aus Sicht der Sparkasse aus Schutzgründen unumgänglich. „Wir folgen mit unseren Vorsichtsmaßnahmen letztlich nur den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts“, erinnert Banksprecher Sascha Neuhäuser. Zudem seien auch in den personell unbesetzten Filialen der Bargeld- und SB-Service weiter verfügbar. Soll heißen: Bargeld zu ziehen, sei kein Problem.

Lieber Bargeld als EC-Karte

Doch, kontert Huy-Bürgermeister Thomas Krüger (CDU). Er, so Krüger, kenne seine Einwohner und wisse, dass sich gerade die älteren auf vergleichsweise konventionelle Art und Weise mit Bargeld versorgten: Einmal im Monat zur Sparkasse oder zum Sparkassen-Bus und sich dort die Monatsration Bargeld auszahlen lassen. „Diese Senioren können mit der EC-Karte einfach nix anfangen.“

Wenn nun beide Auszahlungsmöglichkeiten wegfielen, würden Senioren aus dem Huy und den dortigen vielen kleinen Ortsteilen gezwungen, mit dem Bus bis Halberstadt zu fahren, um so Bargeld zu bekommen. „Genau das sollte doch nach Empfehlung des Robert-Koch-Instituts dringend vermieden werden“, so Krüger. So aber müssten gerade die älteren und vom Corona-Virus besonders bedrohten Menschen in den Bus steigen und sich einem entsprechenden Risiko aussetzen.

Bitte um Korrekturen

Er, so Krüger, habe Landrat Martin Skiebe (CDU) in der regelmäßigen Telefonkonferenz mit den Bürgermeistern gebeten, den Sparkassenvorstand um Korrekturen zu bitten. „Uns wäre ja schon geholfen, wenn der Bus alle zwei Wochen käme“, so Krüger. Ob Skiebe dies getan hat und ob es seitens der Bank Änderungen gibt, blieb am Montag offen. Skiebe war trotz mehrerer Versuche für die Volksstimme nicht erreichbar.

Für Krüger sind die Risiken für die Bankmitarbeiter indes überschaubar: Die säßen schließlich abgeschottet hinter Panzerglas und kämen maximal mit dem Bargeld oder Formularen in Kontakt. Was nur bedingt stimme, kontert Sascha Neuhäuser. Im Sparkassen-Bus würden Kunden Klinken, Griffe und andere Utensilien berühren – Infektionsgefahr untereinander eingeschlossen.

Bessere Bedingungen

Mit seiner Kritik an der Chefetage der Harzsparkasse steht Krüger nicht allein. Auch Maria Meier, Leiterin des Edeka-Markts in Dingelstedt, ist verärgert: „Ich versuche, meine Mitarbeiter an den Kassen mit Plexiglas so gut es geht zu schützen und das Risiko für sie zumindest zu minimieren. Und die Sparkasse, die in ihren Filialen baulich viel bessere Rahmenbedingungen für Abschottung und Distanz hat, macht einfach dicht.“ Das könne sie schlichtweg nicht verstehen.

Zumal auch ihr Team dieser Tage am Limit arbeite. „Unser Umsatz hat sich verdoppelt, mehr noch als im Weihnachtsgeschäft.“ Und das gelte nicht nur für den Umsatz, sondern auch für das Cashback, die Auszahlung von Bargeld bei Einkäufen. Bei Edeka gelte aktuell: Wer für zehn Euro einkauft, kann sich bis zu 200 Euro auszahlen lassen. Auch diese Form der Bargeldauszahlung habe sich zuletzt verdoppelt. Ebenso wie der Run aufs elektronische Bezahlen. Doppelt so viele Kunden wie sonst zahlten aktuell mit EC-Karte – wahrscheinlich, um verfügbare Bargeldreserven zu sparen und Kontakt mit Geldscheinen zu minimieren.

Negative Auswirkungen

Für Maria Meier hat das Schließen der Sparkassen-Filiale vor Ort noch weitere – negative – Auswirkungen. Bislang habe sie ihre Umsätze dort eingezahlt. Das sei nun passé: „Ich müsste jetzt mit dem Geld bis Halberstadt fahren und mich dort anstellen, um es einzuzahlen. Deshalb bin ich jetzt zur Edeka-Bank gewechselt und lasse die finanziellen Mittel vom Sicherheitsdienst bringen und holen.“ Was ursprünglich eigentlich nicht ihr Ansinnen gewesen sei, wie sie betont: „Ich war bislang nicht umsonst Sparkassenkunde, weil ich ganz bewusst die Region stärken will.“ Nun werde sie förmlich zum Gegenteil genötigt.

Eines ist Maria Meier freilich wichtig: Der Dank an ihr Team. „Die ziehen in diesen Tagen alle absolut mit – Wahnsinn.“