Wernigerode l Im Moment fehlt das Geld, um die Kindertagesstätte in Schierke fertig zu sanieren. Eine Million Euro ist verbaut. Eine weitere Million ist nötig. Die Verwaltungsspitze in Wernigerode hofft auf Fördergeld. Ob das kommt, steht in den Sternen – ebenso wann die Arbeiten fortgesetzt werden.

Kita verkaufen, 660.000 Euro Fördergeld ans Land zurückgeben und die 20 Kinder dauerhaft im Übergangsquartier in Elend betreuen – so der Vorstoß von Thomas Schatz, der zuletzt für Diskussionsstoff im Stadtrat und in Schierke sorgte. Der Linke-Politiker ist inzwischen ein wenig von seiner Idee abgerückt. „Ziel sollte es sein, die Tagesstätte im Ort zu halten“, so Schatz in der Sitzung des Schierke-Ausschusses. „Das sollten wir verfolgen.“ Aber nicht auf Teufel komm raus und nicht unbedingt am alten Standort. 2009 hätten drei Optionen zur Debatte gestanden, blickte Schatz zurück: Sanierung, Mischnutzung mit der leerstehenden Grundschule oder Neubau. Die Kostenschätzungen lagen jeweils bei etwa 700.000 Euro. Ausschlaggebend für die damalige Entscheidung war vor allem die attraktive Lage der alten Kita. „Ich finde, wir sollten uns generell verständigen und ernsthaft nach Alternativen suchen“, so Thomas Schatz. Ihm gehe es nicht mehr um die Schließung der Einrichtung, sondern darum, einen Standort für den Kindergarten zu finden.

Andere Optionen überprüfen

Unterstützung erhält Schatz aus den Reihen der CDU. „Wir dürfen nicht um jeden Preis agieren“, so Roland Richter. „Denn zwei Millionen Euro für die Sanierung reichen nicht. Die Nachfolgekosten wurden nicht berücksichtigt.“ Einen Baustopp und die Rückgabe des Fördergeldes schließe er nicht aus. Deren finanzielle Auswirkungen sollten mit den Sanierungs- und den möglichen Folgekosten verglichen werden, so Richter.

Sie habe damals schon für einen Neubau gekämpft, merkte Sabine Wetzel (Bündnis 90/Die Grünen) an. „Wir wagen so viele Investitionen in Schierke, warum nicht für die Kinder?“ Durch die Treppen sei das alte Gebäude ohnehin nicht wie geplant multifunktional für Senioren und Vereine nutzbar.

Martina Tschäpe (SPD-Fraktion) sprach sich für die eine „Flucht nach vorn aus“. „Mir tut das Geld leid, dass wir schon in das Gebäude reingesteckt haben.“ Deshalb sollte die Sanierung fortgesetzt werden – „wenn auch mit einem unbehaglichen Gefühl“.

Verhandlung über Nutzung der Kita Elend

Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) warnte davor, plötzlich „umzuswitchen“. Die Stadt habe bisher 320.000 Euro investiert und erneut Fördergeld beantragt. „Wird das bewilligt, zahlen wir für die Sanierung 650.000 Euro eigenes Geld.“ Ein Neubau würde 1,5 Millionen Euro kosten, so Gaffert. Ob dieser vom Land gefördert würde, sei ungewiss. Eine Prüfung von Alternativen – wie von den Linken gefordert – sei sinnvoll. „Aber in Schierke gibt es kaum Alternativen.“

Neue Probleme tun sich indes in Elend auf. Frank Damsch (SPD), Bürgermeister der Stadt Oberharz am Brocken, hat sich schriftlich an Peter Gaffert gewandt. Er wolle die Vereinbarung über die Nutzung der Elender Kindertagesstätte neu verhandeln. Bisher kostet die Stadt Wernigerode die Anmietung des Gebäudes 300 Euro monatlich.

„Wir haben damals zugesagt zu helfen“, so Damsch. „Es ging um ein Jahr.“ Daraus seien zwei Jahre geworden, und Wernigerode meldet weiter Bedarf an. „Das geht über Nachbarschaftshilfe hinaus, das ist eine Geschäftsverbindung.“ Deshalb müsse erneut diskutiert werden. „Wir wollen kein Kapital daraus schlagen, wollen Mietspiegel und Vergleichmieten heranziehen.“ Dazu kommt, dass die Stadt Oberharz das Gebäude im Zuge der Haushaltssanierung verkaufen will. „Sobald wir einen Käufer haben, wird die Einrichtung kurzfristig geräumt, wenn nötig“, so Damsch. „Diese Option halten wir uns offen.“