Tierpark

Bei Wolf, Bär und Mufflon auf dem Hexentanzplatz in Thale

Hoch oben über dem Thalenser Bodetal warten 100 Bewohner des Tierparks Hexentanzplatz auf Besucher. Zwischen 200 Jahre alten Bäumen können sie diese Tiere bestaunen.

Von Johanna Ahlsleben
Insgesamt leben vier Wölfe im Tierpark auf dem Hexentanzplatz, drei Männchen und ein Weibchen.
Insgesamt leben vier Wölfe im Tierpark auf dem Hexentanzplatz, drei Männchen und ein Weibchen. Foto: dpa

Thale - Ob zu Fuß, mit dem Auto oder doch mit der Seilbahn – viele Wege führen nach oben auf den Hexentanzplatz bei Thale. Doch nur einer bringt die Besucher zu einem tierischen Abenteuer. Denn auf dem Plateau, 454 Meter über dem Meeresspiegel, sind 100 Tiere Zuhause.

Der Tierpark, etwa 200 Meter gegenüber vom umgedrehten Hexenhaus gelegen, wurde Jahr 1973 eröffnet – damals noch unter dem „Heimattierpark Thale“, erinnert sich der technische Leiter André Martinke. Neun Jahre nach der Eröffnung ist auch er Teil des Tierpark-Teams geworden. Heute sagt er über sich selbst: „Ich hatte hier wirklich schon alle möglichen Posten inne. Vom Techniker bis zum Chef.“ Nach 35 Jahren im Job kennt er das Gelände auf dem Hexentanzplatz so gut wie kein anderer.

Was schnell auffällt, wenn man durch den Tierpark schlendert, ist der imposante alte Baumbestand. „Hier ragen bis zu 200 Jahre alte Buchen in die Höhe“, weiß Martinke. Wenn die Sommertemperaturen brütend warm sind, dann spenden die Bäume wohltuenden Schatten.

Blaues Auge wegen Corona-Pandemie

„Glücklicherweise können wir jetzt im Sommer auch wieder uneingeschränkt öffnen“, zeigt sich der Timmenröder zufrieden. Die drei Wellen der Pandemie hätten dem Tierpark zwar „ein blaues Auge verpasst“, ihn aber nicht in den Ruin getrieben. Vorübergehend mussten die Imbisse und das Streichelgehege geschlossen bleiben. „Wir haben aber immer eine Möglichkeit gesucht, um öffnen zu können“, blickt der technische Leiter zurück.

Jährlich schlendern im Durchschnitt rund 130.000 Gäste durch den Tierpark Hexentanzplatz. Früher, zu DDR-Zeiten, seien es weitaus mehr gewesen, so André Martinke. Damals zählte der Park noch rund eine Viertelmillion Besucher jährlich.

Insgesamt kümmern sich auf dem Hexentanzplatz 14 Mitarbeiter um das Wohl der Besucher und der Tiere. Die jüngsten Bewohner des Areals sind übrigens zehn kleine Fasanküken. Noch bevor die Gäste ihren Eintritt an der Kasse bezahlen, werden sie schon vom Gesang zahlreicher Vögel begrüßt. Kleiner Tipp: Am besten gleich eine Futtertüte mitnehmen. Den zentralen Bereich des Parks bilden die großen Freigehege des Rot-, Dam-, Muffel- sowie Rehwilds und das der Wildschweine. Drumherum reihen sich die Gehege der anderen tierischen Bewohner.

Tiere werden auf Rückkehr in die Wildnis vorbereitet

Unter anderem werden auf dem Hexentanzplatz verletzte Wildtiere wie Rotmilane aufgenommen. Ziel ist, die Tiere soweit wieder aufzupäppeln, so dass sie in die freie Wildbahn ausgewildert werden können.

Auch die Eulen fühlen sich in ihrer neu gestalteten Voliere sichtlich wohl. Sie teilen sich ihr Zuhause mit einem Fasan. Nebenan wohnen die Dohlen und Mäusebussarde. Ein paar Schritte weiter warten die Steinadler auf die Gäste. „Sie haben auch nach langer Zeit wieder gebrütet“, sagt André Martinke sichtlich erfreut.

Der technische Leiter André Martinke gehört seit 35 Jahren zum Team des Tierparks auf dem Hexentanzplatz.
Der technische Leiter André Martinke gehört seit 35 Jahren zum Team des Tierparks auf dem Hexentanzplatz.
Foto: Johanna Ahlsleben

Gleich hinter den Steinadlern hat das Wolfsrudel sein Gehege. Auf 3200 Quadratmetern können die vier Wölfe umherlaufen und in der Sonne dösen. „Hier leben drei Männchen zusammen mit einer Dame“, verrät der Timmenröder.

Informationen zum Wolf

„Gerade zum Thema Wolf wollen wir den Besuchern auch Informationen mit auf den Weg geben“, sagt Martinke und zeigt auf Informationstafeln und Zeitungsartikel, die am Gehege ausgestellt sind. Während sich die Eltern informieren, können ihre Kinder schon bald auf dem neuen Spielplatz am Wolfsrevier herumtoben.

Anschließend führt der Rundgang weiter zu den Waschbären, die sich ihre Nase schon neugierig an der Glasscheibe plattdrücken. Ein Weiterer kommt hinten aus dem Gebüsch gewackelt. Es hat den Anschein, als wären die drolligen Säugetiere mit der Maske im Gesicht besonders bei den kleineren Besuchern sehr beliebt.

Waschbären gehören zu den Besucherlieblingen im Tierpark auf dem Hexentanzplatz.
Waschbären gehören zu den Besucherlieblingen im Tierpark auf dem Hexentanzplatz.
Foto: Johanna Ahlsleben

Vorbei am Auerhahn, den viele mit dem Hasseröder Bier in Verbindung bringen, werden die Gäste schon von den beiden Wildkatzen erwartet. Die eine durchläuft geschwind ihr Gehege. Die andere liegt ganz gelassen auf einem Ast und lässt die vorbeiziehenden Besucher nicht aus den Augen.

Vorbei an Fuchs, Marderhund sowie Uhu und Schnee-Eulen, haben die Luchse ihr 1100 Quadratmeter großes Territorium. Ihre Nachbarn, die Fischotter, bewohnen zwei Gehege, die mit einem unterirdischen Tunnel verbunden sind.

Neuer Braunbär hat sich gut eingelebt

Der Braunbär, ein Neuzugang, teilt sich mit drei Polarfüchsen sein 5200 Quadratmeter großes Domizil. Nachdem die beliebte Bärin Mascha altersbedingt verstorben ist, ist es dem Tierpark-Team gelungen, durch guten Kontakt zum Wildpark Knüll (Hessen) den zweijährigen Bären nach Thale zu holen. „Er hat sich gut eingelebt“, schätzt André Martinke ein.

Er ist "der Neue" auf dem Hexentanzplatz: Der zweijährige Braunbär stammt aus einem Wildpark in Hessen.
Er ist "der Neue" auf dem Hexentanzplatz: Der zweijährige Braunbär stammt aus einem Wildpark in Hessen.
Foto: Ronny Große

Neben dem Storchen- und Kolkrabengehege können die Gäste nach einer Stärkung in der „Hexentränke“ eine Runde Minigolf spielen – und das sogar kostenlos.

Während die Kinder versuchen, mit so wenig wie möglichen Schlägen einzulochen, können die Erwachsenen den hölzernen Figurenpark erkunden. Auf den Weg zum Eingang können sie anschließend mit Ziegen und Schafen auf Tuchfühlung gehen.

Zudem können Interessierte auch Schaufütterungen buchen. „Wir verfüttern hier täglich 250 Küken an die Tiere“, verrät André Martinke. Hinzu kommen bis zu 20 Kilogramm Obst und 15 Kilogramm Rindfleisch „und andere Leckereien“.

Durch die Anlage auf dem Hexentanzplatz werden auch Abendspaziergänge angeboten. Dabei sorgt ein Lagerfeuer für wohlige Wärme. Und einmal im Jahr wird über dem Bodetal groß das Tierparkfest gefeiert. Tierfreunde können zudem eine Patenschaft übernehmen.

Besucher können auf dem Hexentanzplatz auch Wildkatzen beobachten.
Besucher können auf dem Hexentanzplatz auch Wildkatzen beobachten.
Foto: Johanna Ahlsleben