Hintergrund

Das Kur- und Bäderwesen in Blankenburg begann bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Einen Schub gab aber die Gründung der Teufelsbad GmbH, die eine große Kureinrichtung in der Stadt plante. Die Villa in der Thiestraße 5/6 wurde zum Badehaus umgebaut und am 16. Oktober 1938 eröffnet. 1940 wurde Blankenburg als Heilbad unter dem Namen „Rheumabad Blankenburg (Harz)“ offiziell anerkannt.

1949 wurde das Teufelsbad volkseigen. Ab 1954 unterstand es dem Feriendienst der Gewerkschaften, ab 1962 dem Gesundheitswesen. Mit den Jahren verbesserte sich die medizinische Betreuung der Patienten, bis mit der Wende fast das endgültige Aus drohte.

Die Marseille-Kliniken sicherten mit der Übernahme 1992 das Fortbestehen. Allerdings gelang es nicht, im Stadtzentrum eine moderne Reha-Klinik zu bauen. Diese entstand schließlich 1997 vor den Toren Blankenburgs. Die alten Klinikgebäude verfielen zusehends, fielen Vandalismus anheim und sind nun nicht mehr zu retten. Einzig die Villa von 1870 wird nunmehr saniert. (jn)

Blankenburg l Riesige Flecken auf der hellen Fassade zeugen von Zielwürfen mit Farbbeuteln. Zahlreiche Scheiben sind zerborsten, Fenster und Türen großflächig mit Spanplatten vernagelt. Das einstige Kurhaus des Teufelsbades mit dem angrenzenden Bettenhaus an der Blankenburger Thiestraße fristet seit Jahrzehnten ein trostloses Dasein mitten in der Stadt. Mit Jörg Gardzella und Gert Schuber stellen sich nun zwei Unternehmer aus Halberstadt der Mammutaufgabe, wieder Leben auf das Gelände der traditionsreichen Kurklinik zu bringen. Allerdings wird sich das Areal rund um das denkmalgeschützte Hauptgebäude mit seinem Anbau, der einstigen Sporthalle und mehreren Nebengebäuden grundlegend verändern.

„Quartier am Thiepark“ nennen die beiden ihr ehrgeiziges Projekt, das sie nun öffentlich vorstellten. Im Zentrum ihrer Planungen steht - natürlich - das Haupthaus: die neoklassizistische Villa mit dem bekannten Sandsteinportal, über dem der Name Teufelsbad steht. „Das Gebäude entstand 1870 und war das ehemalige Kurmittelhaus“, erklärt Jörg Gardzella, der beim Anblick der vernagelten Fenster und Türen sowie des desolaten Daches keine Zweifel daran hegt, aus der seit mehr als 20 Jahren leerstehenden Ruine wieder ein ansehnliches und wohnliches Gebäude zu machen. Und das, obwohl er jede Ecke auch von Innen kennt: „Eigentlich“, so der Baufachmann, „ist das Haus nicht zu erhalten. Es sind schon Decken eingebrochen. Wir haben Echten Hausschwamm.“

Villa bleibt erhalten

Dass er sich dieser Aufgabe trotzdem widmet, ist nicht zuletzt intensiven Kontakten zur Stadtverwaltung geschuldet, wie Gardzella erklärt. „Wir haben gemeinsam überlegt, wie eine Hilfe aussehen könnte, haben intensiv nach Fördermöglichkeiten gesucht und viele Gespräche geführt“, ergänzt Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU). Heraus kam letztlich ein Förderantrag für das Bund-Länder-Programm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung – Lebenswerte Quartiere gestalten“, der positiv beschieden wurde. Für die Sicherung des Haupthauses und den Rückbau der übrigen Bauten stehen den Bauherren nunmehr 2,85 Millionen Euro zur Verfügung. „Damit haben sich unsere intensiven Bemühungen ausgezahlt“, so Breithaupt erleichtert. Denn ohne diese Förderung sei das Projekt so nicht umsetzbar. „Vielen Blankenburgern und auch mir persönlich liegt die Entwicklung dieses Quartiers aber besonders am Herzen. Es ist wichtig für die Altstadt und für den angrenzenden Thiepark“, so das Stadtoberhaupt.

Bilder

Wie Jörg Gardzella erläutert, muss das einstige Bettenhaus, das über ein schmales Flurgebäude mit dem Haupthaus verbunden ist, abgerissen werden. Ebenfalls verschwinden werden sämtliche weiteren Gebäude auf dem 7300 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Thiestraße und Grüner Gasse - samt der ehemaligen Wohngebäude, der Turnhalle und weiterer Bauten. Bereits Ende vergangenen Jahres war das Gelände von Wildwuchs befreit worden.

Erster Abschnitt Haupthaus

Im Detail ist vorgesehen, in einem ersten Bauabschnitt das Haupthaus zu sanieren, in das neben einem Café auch eine Tagespflege, ein ambulanter Pflegedienst und ein Reisebüro einziehen sollen. Außerdem seien Gästewohnungen geplant. In dem neu zu errichtenden Nebenhaus sollen Strukturen für ambulante Bereiche der nahegelegenen Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Harzklinikums geschaffen werden - ergänzt mit Wohngruppen unter anderem für Schlaganfallpatienten und seelisch Kranke. Architektonisch, so Gardzella, werde der Neubau die Ästhetik des Haupthauses aufnehmen.

Hinter den beiden Gebäuden in Richtung Grüne Gasse sollen darüber hinaus 42 Wohnungen entstehen - „mit viel Grün, Mietergärten und einer kleinen, parkähnlichen Anlage“. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund 6,5 Millionen Euro. Bis 2024 soll die Anlage fertig sein.

Projekt „Alt Blankenburg“

Wie Jörg Gardzella und sein Geschäftspartner Gert Schuber am Rande der Projektvorstellung erklärten, haben sie bei der Sommerauktion der Sächsischen Grundstücksauktionen AG Mitte Mai 2019 in Leipzig nicht nur das alte Teufelsbad aus dem Bestand der Marseille Kliniken AG ersteigen können. Die Unternehmer bekamen auch den Zuschlag für den nur wenige Meter entfernten ehemaligen Speisesaal und den Verwaltungstrakt der Klinik samt denkmalgeschütztem „Schützenkrug“, vielen als „Alt Blankenburg“ bekannt. Dort planen sie ebenfalls eine Sanierung samt Umbau - aller Voraussicht nach zu einer Kindertagesstätte.

Das Duo Gardzella und Schuber hat über die vergangenen Jahre bereits zahlreiche Projekte dieser Art im Harzkreis umgesetzt, so unter anderem den Umbau der alten Post in Quedlinburg zu einem Bank-, Therapie- und Verwaltungsgebäude sowie den Umbau und die Sanierung der Gleimschule in Halberstadt zu einem Gesundheitszentrum mit Arztpraxen, Apotheke, Sanitätshaus und Turnhalle. In Blankenburg sind die beiden ebenfalls keine Unbekannten. Sie haben das neue Gymnasium „Am Thie“ geplant und gebaut sowie den Um- und Ausbau des Thie-Krankenhauses samt Sporthalle.

Im Katalog gefunden

Dabei waren sie auch vor knapp neun Jahren auf das Teufelsbad aufmerksam geworden. Damals habe allerdings mit dem Alteigentümer keine Einigung über den Kaufpreis erzielt werden können. „2019 haben wir die Immobilien dann im Auktionskatalog gefunden“, so Gardzella, der auch klare Worte zum Zustand der Gebäude an der Thie- und der Albert-Schneider-Straße findet: „Wenn man ein Denkmal besitzt, hat man eigentlich eine besondere Verpflichtung“, so der Architekt.

Umso positiver sieht auch Heiko Breithaupt, dass sich für diese stadbildprägenden Gebäude nun eine neue Perspektive eröffnet: „Ich bin glücklich, dass diese Partner zum Zuge gekommen sind, die aus der Region für die Region etwas tun wollen. Und dies auch schon unter Beweis gestellt haben. Das Horrorszenario wäre gewesen, wenn wieder ein Investor fernab die Gebäude erwirbt, der sie nur als Rendite- oder Spekulationsobjekt sieht.“