Blankenburg l Nicht erst seit dem jüngsten Waldbrand an der Roßtrappe in Thale sind die Brandschützer im Harzkreis in Habachtstellung. Um verschiedene Schwerpunkte der Waldbrandbekämpfung und das Zusammenspiel verschiedener Einsätzkräfte zu erproben, wurde am vergangenen Freitag ein solcher Ernstfall „durchgespielt“ – von der Alarmierung über die Erkundung bis hin zum eigentlichen Löschen.

Für die um 12.35 Uhr alarmierten Einsatzkräfte aus dem gesamten Stadtgebiet galt es zunächst, ein mit Rauchimitationskörpern simuliertes Feuer im Heers zu lokalisieren und anschließend zu bekämpfen. „Das erste Team der Feuerwehr Blankenburg fuhr zur Lageerkundung in den Wald, während weitere Kräfte aus Cattenstedt und Derenburg sich im Bereitstellungsraum sammelten. Schnell war klar, dass das Ausmaß des Feuers nicht alleine zu beherrschen war“, beschrieb Blankenburgs Wehrleiter Alexander Beck das geplante Anfangszenario.

Mit wenig Wasser

Somit wurden die Kameraden aus Cattenstedt und weitere Kräfte aus Blankenburg in das Einsatzgebiet verlegt und mussten mit wenig Wasser und speziellen Löschrucksäcken sowie Waldbrandwerkzeug die Ausbreitung des Feuers verhindern. Unterstützung erhielten sie dabei von den Feuerwehren Derenburg und Heimburg, die vom Pfeifenkrug aus die Ausbreitung verhindern sollten.

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Ein spezialisiertes Team von Drohnenpiloten der Feuerwehren Osterode am Fallstein und Blankenburg sowie dem Technischen Hilfswerk (THW) Quedlinburg übernahm die Sicherung oberhalb der Einsatzstelle von der Burgruine Regenstein aus. „Mit insgesamt vier Einsatzdrohnen konnten das Waldgebiet kontrolliert und eingerichtete Wärmequellen identifiziert werden. Diese dienten ebenfalls zur Feuersimulation im Wald“, erläuterte Alexander Beck.

Weiterhin sah das Szenario vor, dass das angenommene Feuer sich weiter ausbreitet und die im Einsatz befindlichen Kräfte nicht ausreichen würden, um es zu bekämpfen. Deshalb wurden von der Einsatzleitung um Alexander Beck und Stadtwehrleiter Werner Greif alle weiteren Feuerwehren aus Börnecke, Hüttenrode, Timmenrode und Wienrode alarmiert. Insgesamt waren damit rund 100 Kameraden im Einsatz.

Pufferbecken gefüllt

Geübt wurden die Kommunikation über mehrere Sprechgruppen, wie die Feuerwehr unterschiedliche Funkbereiche nennt, das Zusammenwirken verschiedenster Teileinheiten sowie deren Koordination über eine Einsatzzentrale. So wurde kurzerhand das hochmoderne Einsatzleitfahrzeug des Landkreises Harz, das in Blankenburg stationiert ist, nahe der Bundeswehr-Kaserne aufgebaut und von dort aus alles koordiniert. Gemeinsam mit dem Stadtwehrleiter konnten Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse und Beck in mehreren Einsatzabschnitten die Kameraden vor schwierige Herausforderungen stellen.

Gemeinsam mussten im weiteren Verlauf alle Ortsfeuerwehren eine stabile Wasserversorgung aufbauen, Pufferbecken an markanten Stellen einrichten und die Fertigkeiten in der Bewertung des Feuers und besonderer Gefahrenquellen üben. Parallel dazu lieferten die Einsatzdrohnen hochauflösende Live-Bilder sowie Daten einer fliegenden Wärmebildkamera. „Gerade Waldbrände stellen Feuerwehren immer wieder vor Herausforderungen. Sich verändernde Winde, die schnelle Brandausbreitung und vor allem das viele Totholz in unseren Wäldern stellen eine Gefahr für die Einsatzkräfte dar“, erläuterte Alexander Beck.

Deshalb wurde auch die Unterstützung von Jan Südmersen dankend angenommen. Der Chef des internationalen Katastrophenschutzvereins „@fire“ aus Wallendorf bei Osnabrück gab den Kameraden vor Ort wichtige Hinweise zur Waldbrandbekämpfung, speziell zum Eindämmen von Bodenfeuer mit dem Legen einer Scratch-Line und zum Umgang mit den verschiedensten Werkzeugen.

Filmteam mit dabei

Am Rande der Übung konnten Erfahrungen mit dem extra aus Berlin angereisten Landesbeauftragten des Technischen Hilfswerks, Sebastian Gold, ausgetauscht werden. Gemeinsam mit ihm planen Kai-Uwe Lohse und Alexander Beck bereits weitere vorbereitende Einsatzprojekte. Beck, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Harz ist, lobte die gute Zusammenarbeit des THW mit den Feuerwehren im Harz. „Das THW ist ein stets verlässlicher Partner, und es gibt viele Schnittmengen“, sagte er.

Interessierter Beobachter des Ausbildungsnachmittags war Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU), der sich persönlich ein Bild von der Abarbeitung der Einsatzschwerpunkte verschaffte und verschiedene Bereiche während der gesamten Übung befuhr.

Darüber hinaus wurden die Kameraden von einem Filmteam begleitet. „Das Thema Waldbrand ist ja hochaktuell. Vielen verbinden damit aber meist Brasilien und Australien. Doch die Gefahren sind auch für Deutschland hochbrisant“, sagt der bekannte Schauspieler und Moderator Thore Schölermann, der mit der aktuellen Produktion das Thema mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken möchte.