Wernigerode l Sonnabendmittag, 11.30 Uhr: Die Mitarbeiter der Hasseröder Brauerei verlassen das Betriebsgelände, sie stellen sich vor das Werkstor. „Wir sind Hasseröder“ und „Top“ steht auf ihren Schildern geschrieben.

„Das ist keine Protestaktion und auch kein Warnstreik“, sagt Betriebsratschef Thorsten Schuster gegenüber der Volksstimme. „Wir wollen zeigen, dass es uns noch gibt.“ Hasseröder sei keine ostdeutsche Pleitebrauerei. „Wer uns kauft, kauft einen Rohdiamanten.“

Verkauf

Der Eigentümer-Konzern Anheuser-Busch InBev hatte angekündigt, die Wernigeröder Traditionsbrauerei verkaufen zu wollen. Die Verkaufsverhandlungen aber stocken seit gut einem Jahr - sehr zum Verdruss der 247 Mitarbeiter. „Wir wollen unser Unternehmen nicht schlecht machen“, so Schuster weiter. „Wir sind eine tolle Mannschaft. Deshalb verstehen wir nicht, warum die uns verkaufen wollen. Aber wir müssen das akzeptieren.“

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Der Verkauf bedeute keineswegs das Ende der Biermarke. Die Belegschaft sehe den Eigentümerwechsel sogar als Chance für Hasseröder, so Schuster. „Wir brauchen neue Impulse.“ 2018 sei ein wechselvolles Jahr für die Brauerei gewesen. Der geplatzte Verkauf und die ungewisse Zukunft hätten zu Negativschlagzeilen geführt. „Das wollen wir nicht. Wir haben die Wende überstanden, und wir werden auch den Verkauf überstehen.“ Die Mitarbeiter seien motiviert, die Hasseröder-Erfolgsgeschichte zu wiederholen. „Wir wollen wieder auf Erfolgskurs gehen, wir wollen den Auerhahn wieder fliegen sehen.“

Wie Schuster fordert auch Manfred Tessmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, die Harzer zu Solidarität mit Hasseröder und seinem Standort im Harz auf. „Schaut euch diese Brauerei an“, so Tessmann „Das ist euer Hasseröder.“

Die Konzernleitung von AB-InBev ist von der Aktion in Wernigerode informiert. Die Belegschaft müsse sich weiter gedulden, was den Verkauf betreffe, so eine Sprecherin in dieser Woche auf Volksstimme-Nachfrage. „Wir stehen immer noch mit mehreren Interessenten in Kontakt.“