Wernigerode l Eben noch am Anger in Wernigerode, dann schon an der Place de la Constitution in Luxemburg: Der Skyliner, der mobile Aussichtsturm, ist am Montag abgebaut worden und hat sich auf die Reise in Richtung Westen zu seiner nächsten Station begeben. Acht Wochen lang hat der Turm auf der Spitze des Angerparkplatzes an der Stadtecke gestanden. Zahlreiche Wernigeröder und Besucher haben die Gelegenheit genutzt, die Stadt aus der Vogelperspektive zu betrachten. „Wir hatten mehr als 20 000 Besucher“, sagt Thomas Schneider, der gemeinsam mit seinem Sohn Franz den Cityskyliner betreibt.

Mit der Gästezahl ist er sehr zufrieden, betont Schneider. Auch wenn der Zuspruch über die Zeit unterschiedlich war: „Es gab Tage, da hatten wir 1000 Besucher, an anderen waren es nur 100“ - zum Beispiel dann, wenn der Cityskyliner wegen Sturm erst am Nachmittag den Betrieb aufnehmen konnte. Doch finanziell habe sich der Aufenthalt in Wernigerode gelohnt - auch im Vergleich mit den viel größeren Städten wie Stockholm, Brüssel oder eben Luxemburg, in denen der Aussichtsturm sonst aufgebaut wird.

Volltreffer

Für Schneider, der aus Soest in Westfalen stammt, war das Gastspiel im Harz ein Volltreffer. Das liegt an Wernigerode selbst. „Das ist ein Vorzeigestädtchen“, sagt er. Die historische Innenstadt mit ihren schmucken Fachwerkhäusern und den sauberen Straßen beeindruckte ihn ebenso wie die gehobene Gastronomie. „Das hat mich umgehauen“, sagt er über die Fülle an Restaurants und Cafés. Gefallen hat ihm auch die malerische Umgebung, die er nach Feierabend mit dem Fahrrad erkundete.

Ein Jahr lang hat Schneider den Aufenthalt in Wernigerode vorbereitet, die Infrastruktur erkundet und sich schließlich für den Platz an der Stadtecke entschieden. „Das war ideal“, sagt der Betreiber, der die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung lobt. „Das hat super funktioniert.“ Die Mitarbeiter von Ordnungsamt, Betriebsamt und Bauhof hätten schnell und unkompliziert geholfen. Auch die Wernigerode Tourismus GmbH habe das Unternehmen tatkräftig unterstützt.

Wunderbare Ergänzung

Größere Probleme habe es während der acht Wochen nicht gegeben. Befürchtungen, dass es an dem Verkehrsknotenpunkt etwa zu Unfällen kommen könne, hätten sich nicht bewahrheitet, heißt es vonseiten der Stadtverwaltung. „Das Projekt lief zur vollen Zufriedenheit der Stadt“, so Ordnungsdezernent Christian Fischer. Der Skyliner sei „eine wunderbare Ergänzung unseres touristischen Angebots“. Angenehmer Nebeneffekt: Die Pacht spülte einen „kleineren fünfstelligen Betrag“ in die Stadtkasse. Nicht nur deshalb freue er sich, wenn der Aussichtsturm in den kommenden Jahren wieder nach Wernigerode kommen würde.

Das sieht Roman Müller genauso. „Das war eine absolute Bereicherung“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer der Wernigerode Tourismus GmbH (WTG). Er ist überzeugt, dass viele Gäste sich eigens wegen des Aussichtsturms auf den Weg in die Stadt begeben haben. Und er habe mit vielen gesprochen, die auf den Turm hinaufgefahren sind. „Sie waren durch die Bank begeistert.“ Hinzu kamen am Wochenende die Besucher des Rathausfestes, das für Betreiber Thomas Schneider ebenfalls ein Höhepunkt war. Das Lob schließt die Besucher mit ein: „Das war ein Superpublikum“, sagt er.

Letzte Gelegenheit

Am Sonntag nutzten viele die letzte Gelegenheit, Wernigerode aus maximal 72 Metern Höhe zu betrachten. Zum Beispiel Familie Fricke aus Wernigerode. „Ich wollte erst nicht, habe mich aber überreden lassen“, sagt Viola Fricke, die mit Tochter Andrea und den Enkeln die Fahrt unternahm. „Es war super.“ Bereits zum zweiten Mal fuhr Maika Burmeister mit ihrem Sohn Joshua hinauf. „Erst hatte ich Angst“, sagt die Wernigeröderin - doch der tolle Ausblick habe sie diese schnell vergessen lassen.

Bis 20 Uhr am Sonntagabend war der City-skyliner geöffnet, zeitweise hatten sich lange Warteschlangen gebildet. Nach Torschluss wartete auf Thomas und Franz Schneider mit ihren Mitarbeitern viel Arbeit. Bis zwei Uhr nachts wurde am Sonntag der Abbau vorbereitet. Um 6 Uhr früh kam am Montag der Kran, mit dessen Hilfe der Aussichtsturm in seine Einzelteile zerlegt wurde. In der Nacht zum Dienstag haben sich 15 Lkw auf den Weg nach Luxemburg gemacht, die den Cityskyliner nach Luxemburg transportieren. Dort wird er ab Sonnabend acht Wochen lang im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Summer in the city“ (Sommer in der Stadt) Gäste erwarten. Es folgen Stationen in Trier und dem schweizerischen Lausanne.

Rückkehr

Für das kommende Jahr ist der Turm bereits ausgebucht, unter anderem soll er ein halbes Jahr lang in Leipzig gastieren. 2021 würde Thomas Schneider aber gern nach Wernigerode zurückkehren. „Wir haben uns hier wirklich sehr wohl gefühlt.“Kommentar