Wernigerode l Im ehemaligen Lehrlingswohnheim im Wernigeröder Kohlgarten soll ein Fieberzentrum eröffnet werden. Die Einrichtung entstehe unter Federführung der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) und in Zusammenarbeit mit dem Harzkreis und der Stadt Wernigerode, wie Holger Grüning, stellvertretender KVSA-Vorstandsvorsitzender der Volksstimme am Sonntag bestätigte. Am heutigen Montag um 9 Uhr soll das neue Zentrum den Betrieb aufnehmen.

Es sei das dritte Fieberzentrum, das in Sachen-Anhalt im Zuge der Corona-Krise gegründet werde, berichtet Grüning, der eine Frauenarztpraxis in Wernigerode betreibt. Der Aufwand, mit dem die Einrichtung buchstäblich „aus dem Boden gestampft“ wurde, sei enorm, so der Mediziner. Denn derzeit sei es schwierig, Schutzausrüstung, Desinfektionsmittel und weiteres Material zu beschaffen.

Das Gebäude wurde am Sonnabend vom städtischen Bauhof an das Ärzte-Team übergeben. Die Bauhof-Mitarbeiter haben die Räume hergerichtet und Möbel geschleppt, berichtet Grüning. Ebenso habe der Landkreis zur Ausstattung der Ambulanz beigetragen. „Wir danken den Mitarbeitern sowie Stadt und Landkreis für die Unterstützung“, so Grüning. Darüber hinaus arbeite man eng mit dem Gesundheitsamt des Kreises zusammen.

Ärzte engagieren sich

Grüning hat derweil ein Team mit vier Ärzten zusammengestellt. Zwei der Mediziner sind eigentlich bereits im Ruhestand, helfen aber in der Corona-Krise aus. Die beiden anderen sind niedergelassene Ärzte und versehen ihren Dienst in der neuen Ambulanz nach Sprechstundenschluss ihrer Praxis. „Das ist unser Engagement“, so Holger Grüning. Fachliche Verstärkung sei jederzeit willkommen, fügt er hinzu.

Dem Mediziner ist wichtig zu betonen, dass nicht jeder einfach so in die Fieberambulanz hineinspazieren solle und könne. „Sich einfach mal testen lassen, das geht bei uns nicht.“ Vielmehr sei das Fieberzentrum eine Anlaufstelle für Erkrankte. „Wir sind eine Einrichtung für Diagnostik und Behandlung für diejenigen, die es tatsächlich nötig haben“, betont Grüning.

Nur diese seien im Fieberzentrum willkommen. Personen, die den begründeten Verdacht hegen, sich angesteckt zu haben, sollten daher zunächst die zentrale Rufnummer der Kassenärztlichen Vereinigung – 11 61 17 – wählen oder bei ihrem Hausarzt anrufen, der an das Fieberzentrum überweisen kann. Wer sich bezüglich seiner Symptome und des Risikos recht sicher sei, könne aber auch direkt in die Ambulanz kommen. Grüning nennt ein Beispiel: „Wer Fieber, einen Infekt sowie Gliederschmerzen hat und gerade aus dem Urlaub in Tirol zurückgekehrt ist, der sollte sich testen lassen.“

Nicht im gleichen Wartezimmer

Dieser Personenkreis sollte nicht die Arztpraxen und Krankenhäuser aufsuchen – auch das sei der Sinn der Fieberambulanz. „Wir wollen die Betroffenen heraushalten aus der Regelversorgung“, erklärt der Mediziner. Ein fiebernder Tirolurlauber solle nicht mit anderen Patienten in einem Wartezimmer sitzen.

Im Fieberzentrum hingegen werde mit Ganzkörperschutz, Mundschutz und Brille gearbeitet. Ebenso werde streng auf die Hygiene geachtet. Dennoch sollten sich Gesunde, die sich zur eigenen Beruhigung auf das Virus testen lassen wollen oder einfach nur neugierig sind, von der Einrichtung fernhalten. „Es besteht die Gefahr einer Ansteckung“, so Grüning. Nachbarn müssten sich aber nicht sorgen. „Wenn man mindestens eineinhalb Meter Abstand zu betroffenen Personen einhält, kann nichts passieren.“

Wer die vergangenen vier Wochen vorrangig in den eigenen vier Wänden verbracht habe und weder selbst unterwegs war noch Kontakt mit Urlaubern hatte, der sei nach derzeitigem Stand auf der sicheren Seite. Alle Fälle, die im Harzkreis bisher auftraten, standen in Zusammenhang mit Reisen, die die Betroffenen unternommen hatten. „Wir hatten noch niemanden, der sich in Wernigerode beim Einkaufen angesteckt hat“, so Grüning.

Aufklärung im Netz

Dennoch seien Vorsicht sowie die Einhaltung der Hygieneregeln das Gebot der Stunde. Der Mediziner empfiehlt, sich dazu auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts sowie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu informieren.

Klar ist derweil, dass weitere Fieberzentren auch in anderen größeren Städten des Landkreises errichtet werden sollen, so Kreissprecher Manuel Slawig. „Dazu sind die Kassenärztliche Vereinigung und der Landkreis mit den Kommunen im Gespräch.“

Eine weitere Fieberambulanz wird in Halberstadt auf den Weg gebracht. Das Ameos-Klinikum richtet auf dem Parkplatz am Düsterngraben eine Anlaufstelle ein, die aus Zelten aufgebaut wird. Ab Dienstag, 17. März, sollen hier Menschen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben könnten, zentral untersucht und Abstriche für Laboruntersuchungen von Rachen und Nase genommen werden.

Keine neuen Fälle

Die Zahl der Corona-Kranken im Harzkreis hat sich derweil nicht erhöht und lag am Sonntag weiterhin bei vier, teilte Manuel Slawig, Sprecher der Kreisverwaltung, mit. Neue Erkrankungen oder Verdachtsfälle seien – Stand Sonntag – nicht hinzugekommen. „Wir haben aber bereits die ersten Verdachtsfälle aus der Quarantäne entlassen können“, so Slawig.

Informationen im Internet unter www.rki.de und www.infektionsschutz.de