Spaziergänge

Corona-Proteste im Harz

Im Harz macht sich Protest gegen Corona-Beschränkungen breit. In Halberstadt, Wernigerode und Quedlinburg gab es sogenannte Spaziergänge.

Wernigerode/Halberstadt l Die Proteste gegen verordnete Einschränkungen in der Corona-Krise haben den Harz erreicht: Bei einem Spaziergang in Wernigerode registrierte die Polizei am Montagabend, 11. Mai, 139 Teilnehmer, in Halberstadt wurde deren Zahl seitens der Beamten auf 40 und in Quedlinburg auf 30 geschätzt. Das Bild vor Ort: Jugendliche, Familien mit Kindern, aber auch Ältere waren mit unterwegs. Wie ein Sprecher der Landkreis-Verwaltung auf Volksstimme-Anfrage bestätigt, lagen dem Ordnungsamt der Behörde keine Versammlungs-anmeldungen vor.

In allen drei Städten seien die Spaziergänge „absolut friedlich abgelaufen“, so ein Polizeisprecher auf Volksstimme-Anfrage. Ordnungswidrigkeiten hätten die Beamten nicht festgestellt. In Wernigerode trafen sich die Montagspaziergänger zum zweiten Mal vor dem Rathaus – viele begrüßten sich ungeachtet der wegen Corona bestehenden Kontaktbeschränkungen mit Handschlag und Umarmungen. Auf dem Rundweg vom Markt über Breite Straße und Burgstraße sowie Johann-Sebastian-Bach-Straße zurück zum Platz vorm Rathaus wechselten sich Stille, Applaus und Sprechchöre wie „Wir sind das Volk“ ab.

Bilder und ein Video vom Spaziergang in Wernigerode lösten in sozialen Netzwerken heftige Diskussionen aus. Auf Facebook warfen viele Nutzer den Protestlern Verbreitung von Verschwörungstheorien, Unwissenheit sowie Verletzung der Abstandsregeln – und damit eine unnötige Erhöhung der Infektionsgefahr mit Covid-19 – vor.

In Halberstadt gab es bereits am Sonntag, 10. Mai – wie auch in Quedlinburg – einen solchen Spaziergang. Um die 120 Menschen zogen durch die Innenstadt und sangen unter anderem „Die Gedanken sind frei“. Am Montag war der Protest stiller und weniger stark besucht. Der kalte Wind und Arbeitszeiten könnten Gründe dafür sein, hieß es. Aufgerufen worden war zu dem Spaziergang über soziale Netzwerke, ohne erkennbaren Absender.

Auch im Halberstadt kannte man sich, gab es mit Umarmungen und Handschlag sichtbare Ablehnung der Abstandsregeln. In den Gesprächen beim Gang vom Fischmarkt über den Weingarten und die Kühlinger Straße zurück zum Holzmarkt äußerten Teilnehmer Befürchtungen, dass die aktuellen Einschränkungen nur ein erster Schritt zum Überwachungsstaat seien, die geplante Verfolgung Infizierter per Handy ein weiterer.

Andere wiederum befürchten Zwangsimpfungen ohne Rücksicht auf Nebenwirkungen. Wieder andere beklagten die Unterdrückung anderer Meinungen, lehnten staatliche Entscheidungen auf unterschiedlichsten Ebenen ab. Dass die Polizei den Zug – wie in Wernigerode – mit Abstand begleitete, wurde mit Belustigung wahrgenommen.