Hasselfelde l Der Glaube gibt Christen Hoffnung und Kraft, vor allem in Krisenzeiten. Doch den Glauben auszuleben, das ist derzeit gar nicht so einfach. Denn sind Kirchen normalerweise Orte der Gemeinschaft, sind sie aufgrund der Auflagen während der Corona-Pandemie vielerorts nahezu verwaist. So auch in Hasselfelde, Stiege und Allrode. Zumindest bis jetzt.

„Wir hatten die Kirchen zunächst komplett geschlossen, weil es die Vorgabe gab, dass man sich nicht in größeren Gruppen treffen soll. Das macht ja auch Sinn“, erklärt Pfarrer Karsten Höpting. Nach der Findungsphase habe das Pfarramt sich dann entschieden, die Antoniuskirche in Hasselfelde zumindest über die Osterfeiertage unter Auflagen zu öffnen. „Wir haben einen Gottesdienst zum Mitnehmen ausgelegt, also einen Andachtsablauf, damit man sich zu Hause eine Kerze anzünden und die Worte für sich oder in Familie lesen kann“, erklärt der 37-Jährige. Der Kantor habe zudem zwischendurch auf der Orgel gespielt.

Angebot soll Teilhabe am Leben ermöglichen

„Es kamen über den Tag verteilt jeweils nur eine Handvoll Leute. Mit dieser Erfahrung und dem Wissen, dass Kirchen prinzipiell geöffnet haben dürfen, wollen wir die Hasselfelder Kirche fortan wieder zugänglich machen“, erklärt Karsten Höpting. Dienstag bis Sonntag öffnen sich die Türen jeweils von 10 bis 18 Uhr. „Es wird möglich sein, eine Kerze anzuzünden oder eine Andacht mitzunehmen. So weit das unter den Bedingungen geht, sollen die Menschen auf diese Weise an dieser Form des gesellschaftlichen Lebens teilhaben können“, findet der Pfarrer.

Zudem ist er auf der Suche nach einer anderen Form der Kirchenarbeit. Neben den Andachten zum Mitnehmen wurden zu Ostern Briefe an alle Haushalte verteilt. Knapp 1500 Anschreiben haben Ehrenamtliche, Mitglieder aus dem Chor und Konfirmanden verteilt. „Wir haben auch schon schöne Rückmeldungen bekommen“, freut sich Karsten Höpting. Deshalb überlege er, die Aktion zu Pfingsten zu wiederholen.

Form der Kirchenarbeit hat sich verändert

Eine andere Idee, die er bereits in Zusammenarbeit mit dem Kantor umsetzt, ist das Einspielen einer Andacht auf CD. Diese solle dann an die Bewohner im Pflegeheim verteilt werden. „Das ist ein Rantasten an die neue Situation. Alles, was wir vorher gemacht haben, lebte von dem direkten Gegenüberstehen, dem Händeschütteln und in Kontakt bleiben“, verdeutlicht der Theologe. Es sei eine Umstellung, den Menschen Zuwendung zu geben, indem man Abstand halte. „Das ist zwar eine witzige Dialektik, aber nur schwer umzusetzen.“

Hinzu komme, dass die Harzer sich eher in Zurückhaltung üben. Das Telefon stehe nahezu still, kaum jemand suche von sich aus das Gespräch. „Sonst treffe ich die Leute in der Kita, der Schule oder auf einer Geburtstagsfeier. Da habe ich das Gefühl, ganz nah am Puls dran zu sein“, verrät Karsten Höpting. Jetzt suche er den Kontakt auf anderen Wegen.

Pfarrer möchte weiterhin für Menschen da sein

„Ich glaube, am schwierigsten ist es für die Bewohner im Pflegeheim. Da war eine Dame, die erst kürzlich mit ihrem Mann eingezogen ist und er ist zwei Wochen später verstorben. Sie konnte danach lediglich zwei Tage lang Besuch von ihrer Familie empfangen und nur mit Ausnahmeregelung zur Trauerfeier gehen“, berichtet er. Und er erzählt von einer über 90-Jährigen, die nach einem Krankenhausaufenthalt zurück ins Pflegeheim gekommen ist. „Wenn ich sowas mitbekomme, dann melde ich mich natürlich und rufe an“, erzählt der Pfarrer.

Gleichzeitig wolle er im Rahmen der Möglichkeiten auch vor Ort für die Menschen da sein. Deshalb werde er fortan am Sonntagvormittag in der Kirche Hasselfelde anzutreffen sein. Der Kantor wolle zudem auf der Orgel spielen. Geplant seien in naher Zukunft auch kleine Aktionen, zum Beispiel das Bemalen von Steine mit Hoffnungszeichen. „Wir wollen natürlich nicht zu einer Veranstaltung einladen. Wir achten darauf, dass nicht zu viele Menschen auf einmal in der Kirche sind“, betont Karsten Höpting.

Doch die Zahlen legen diese Vermutung nicht nahe. Von den knapp 600 Gemeindegliedern in Hasselfelde kämen maximal 30 regelmäßig zu den wöchentlichen Sonntagsgottesdiensten. Außerhalb der Veranstaltungen sehe er Einheimische selten in der Kirche. „Hier kommen eher Spaziergänger vorbei oder Pilger, die sich ins Gästebuch eintragen oder eine Kerze anzünden“, weiß der Familienvater.

Große Veranstaltungen werden verschoben

Voller werde es dagegen bei Veranstaltungen, die derzeit allerdings nicht möglich seien. So musste auch die Bläsermusik zu Eröffnung der Sommer-Konzertreihe an diesem Sonntag, 26. April, in der St. Antoniuskirche Hasselfelde abgesagt werden.

Zudem wird das Konfirmationsjubiläum, das Anfang Juni in Hasselfelde geplant war, auf das kommende Jahr verschoben. Eingeladen waren alle, die vor exakt 25, 50 und 60 Jahren oder darüber hinaus im Fünfjahresrhythmus in Hasselfelde konfirmiert wurden. „Normalerweise hätten wir uns alle getroffen, bei Kaffee und Kuchen zusammengesessen, erzählt und uns über die alten Zeiten ausgetauscht“, erklärt Karsten Höpting.

Im kommenden Jahr würden nun zwei Jahrgänge zusammenfeiern. Ob das Jubiläum in Stiege, das für Anfang Juli angesetzt ist, stattfinden kann, werde noch geklärt. Der Termin für Allrode steht erst im September an.

Das Pfarramt Hasselfelde ist Dienstag und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr unter der Rufnummer (039459) 713 71 erreichbar. Außerhalb der Zeiten nimmt Pfarrer Karsten Höpting unter Telefon (039459) 73 55 18 Anrufe entgegen.