Blankenburg l Rund 150 vorwiegend ältere Menschen werden in den beiden Pflegeeinrichtungen des Gemeinnützigen Vereins für Sozialeinrichtungen (GVS) in Blankenburg rund um die Uhr betreut. Hinzu kommen die Frauen und Männer im Geschützten Wohnen am Thie sowie die Kunden und Patienten der Sozialstation, der Tagespflege und der Seniorenwohnanlage in der Oesig. Für sie alle hat die Corona-Pandemie extreme Einschränkungen mit sich gebracht. Eine Situation, auf die sich nicht zuletzt die Mitarbeiter des GVS einstellen mussten. „Unser oberstes Ziel ist es, trotz dieser erheblichen Einschränkungen Menschlichkeit und Würde jedes Einzelnen zu bewahren“, sagt GVS-Chef Sebastian Selent, der bereits Anfang März den gesamten Betriebsablauf umkrempeln musste. „Wir haben sofort einen Krisenstab gebildet, an dem unter anderem alle Einrichtungsleiter aus den Kindertagesstätten, der Altenhilfe, der Technische Leiter, der Personalchef und weitere Mitarbeiter mit spezifischen Aufgaben mitarbeiten“, gibt Selent einen ersten Einblick in das Umsetzen des bestehenden Pandemieplans für seine Einrichtungen. Ein Vorteil: „Dieser weist große Schnittmengen zur aktuellen Situation auf“, so Selent. Somit seien schnell alle Voraussetzungen geschaffen, um das Risiko einer Virusinfektion bei Bewohnern und Mitarbeitern zu minimieren. „Aber alles mit Augenmaß“, wie Selent betont.

Völlig autark arbeitet beispielsweise die Küche des GVS: „Seit Anfang März ist sie hermetisch von allen anderen Bereichen abgeriegelt. Von der Umkleide über den Flur bis an den Herd wollen wir sicherstellen, dass kein direkter Kontakt zu anderen Mitarbeitern und Bewohnern möglich wird“, so Selent. Um die Abwechslung im Speiseplan, die Versorgung mit Lebensmitteln sowie die ein oder andere lukullische Überraschung von Küchenchef Günther Ulrich und seinem Team mache er sich keine Sorgen: „Auch ohne Corona hat sich unser Küchenteam immer was einfallen lassen und überrascht uns immer wieder.“

Besuche eingeschränkt

Gerade in dieser schwierigen Situation seien alle Kollegen sensibilisiert, noch mehr als sonst die Hygieneregeln zu beachten - also Händewaschen und desinfizieren. In einer besonderen Situation befinden sich dabei die Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes. „Er versorgt unsere Kunden weiterhin. Wir haben aber auch geschaut, ob Kunden im Einzelfall in der Lage sind, sich über eine gewisse Zeit selbst in der häuslichen Umgebung zu versorgen“, so Selent. Dagegen ist die Tagespflege geschlossen worden. In diesem Bereich gibt es aktuell nur eine Notbetreuung. Die Kollegen helfen nunmehr im stationären Betrieb aus, der komplett umgestellt wurde.

So sind die Besuchsmöglichkeiten dort extrem eingeschränkt. Die Bewohner sind angehalten, möglichst in ihren Zimmern zu bleiben und auch dort zu essen. „Aber auch das behandeln wir mit viel Augenmaß“, bekräftigt Sebastian Selent. Seinen Mitarbeitern sei daran gelegen, so gut es geht jedem einzelnen Bewohner gerecht zu werden - sei es in persönlichen Gesprächen, beim Vorlesen der Zeitung und mit Spaziergängen an der frischen Luft. „Es ist sehr sehr aufwendig“, so der GVS-Chef, der besonders den Angehörigen dankt, die großes Verständnis für diese Regelungen gezeigt hätten, die in erster Linie dem Schutz der Bewohner gelten. Um den Kontakt dennoch zu ermöglichen, wurde ein Angehörigen-Telefon eingerichtet. „Das wird auch gut genutzt.“

Briefe für die Senioren

Um den Bewohnern etwas Freude in den Alltag zu bringen, haben die GVS-Mitarbeiter einen Aufruf gestartet. Dieser richtet sich an alle Blankenburger und vor allem an Kinder, den Senioren Briefe zu schrei-ben, schöne Bilder zu malen, etwas zu basteln, Gedichte zu schreiben. „Sie können von sich erzählen, teilen Sie gute Gedanken, spenden Sie Hoffnung und schenken Sie Freude und Zuversicht“, heißt es in dem Aufruf. Und wer nicht anonym bleiben möchte, sollte ruhig seine Adresse mit auf den Brief schreiben. „Vielleicht entsteht ja sogar eine Brieffreundschaft“, so die Mitarbeiter.

Mundschutz-Näher gesucht

Obwohl die Einrichtungen aktuell noch medizinische Schutzausrüstung vorrätig haben, haben sich die GVS-Mitarbeiter mit einem weiteren Appell an die Blankenburger gewandt. „Der Bedarf an persönlicher Schutzausrüstung ist in der aktuellen Situation um das Corona-Virus enorm gestiegen. Es bestehen nach wie vor die bekannten Lieferprobleme und Materialknappheit. Unabhängig davon, bitten wir nun die Bürgerinnen und Bürger um Mithilfe, denn einen sogenannten Mund-Nasen-Schutz (MNS) kann man mit etwas Geschick selbst nähen“, heißt es darin. Die Kolleginnen des GVS lieferten zudem gleich Nähanleitungen für einen sogenannten Mehrweg-Mund-Nasen-Schutz mit. Wichtig dabei: Als Material sollte kochfester Baumwollstoff verwendet werden. Wer selbstgenähte Atemschutzmasken spenden möchte, kann diese im Haupteingang des GVS-Seniorenzentrums an der Waldfriedenstraße abgeben. Es wird vorab um kurze telefonische Anmeldung unter der Nummer (0 39 44) 92 11  70 gebeten.