Wernigerode l Flexibler und leistungsfähiger aufgestellt sieht sich der Wernigeröder Oberflächen-Veredler MWG Alutec nach seinem erfolgreichen Insolvenzplanverfahren. „Wir sind kein reiner Automobil-Zulieferer mehr, liefern Teile für Werkzeuge, Elektro-Fahrräder und Küchen“, erläutert Geschäftsführer Falko Saalfeld das Erfolgsrezept für das Werk im Gewerbegebiet Smatvelde.

2018 war das Unternehmen wegen der Insolvenz eines Hauptkunden in die Krise geschlittert. Dieser Abnehmer hatte rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes ausgemacht, die nun fehlten – ein herber Rückschlag für das 2014 eröffnete Eloxalwerk an Wernigerodes Nordrand.

Unternehmen setzt auf Zukunftsbranchen

Mit einem Insolvenzplanverfahren gelang es bis zum Sommer 2019 nicht nur, die Firma zu sanieren. Genauso wurden neue, zukunftsträchtige Marktfelder erschlossen. „Wir haben unser Kunden-Portfolio deutlich ausgeweitet“, berichtet Daniel Trutwin, ein weiterer Geschäftsführer des Unternehmens. „Für den remonierten Bauzulieferer Schüco veredeln wir Griffe von Küchenelementen“, nennt er ein Beispiel. Von derzeit 30.000 Teilen pro Woche sei ein deutliches Wachstum des Auftragsvolumens möglich.

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Zudem haben die Wernige-röder mit Führungsschienen für Dachfenster des neuen VW-Elektroautos ID3 aus ihrer Sicht einen großen Fisch an Land gezogen. „Das ist ein zukunftssicheres Geschäft für Jahrzehnte – egal, ob die Autos mit Benzin oder Strom laufen, das Dachfenster wird weiter benötigt“, prognostiziert Trutwin.

Ebenso große Hoffnungen setzt MWG Alutec in die Pulverbeschichtung von E-Bikes. „Ihr Anteil am Zweirad-Markt steigt immer weiter“, rechnet Saalfeld vor. 2019 wurden laut Zweirad-Industrie-Verband deutschlandweit mehr als 4,3 Millionen Fahrräder verkauft. Der Anteil von E-Bikes steigerte sich demzufolge auf 31,5 Prozent. „Ein mittelfristiger Anteil am Gesamtmarkt von 40 Prozent und langfristig sogar 50 Prozent scheint nicht mehr ausgeschlossen“, so die nationale Interessenvertretung der Hersteller und Importeure von Fahrrädern, E-Bikes, Komponenten und Zubehör.

Mitarbeiterzahl seit 2018 gestiegen

Neben dieser Neuorientierung bei seinen Kunden – man sei an weiteren großen Namen dran – habe MWG Alutec bei seinem im Sommer 2019 abgeschlossenen Insolvenzplanverfahren auch bei den Lieferanten neu aufgestellt, so Trutwin weiter. „Dazu haben wir unsere Produktionsprozesse und Struktur optimiert“, erläutert der Geschäftsführer weiter. Die Mitarbeiterzahl sei seit der Krise 2018 von 50 auf 63 angewachsen.

Die Belegschaft des Eloxalwerkes solle perspektivisch weiter aufgestockt werden – auch wenn laut Falko Saalfeld derzeit noch nicht absehbar sei, welche Folgen die Corona-Krise für das Unternehmen hat. „Planbar ist momentan nichts. Wir erwarten täglich, dass unsere Großkunden ihre Werke schließen“, erläutert der Geschäftsführer.

Hintergrund: Die MWG Alutec GmbH ist Bestandteil der MWG-Gruppe, die neben zwei Standorten in Wernigerode zwei in Osterwieck und einen im pfälzischen Landau betreibt. Mehr als 200 Mitarbeiter sind bei der Unternehmensgruppe beschäftigt, die sich seit mehr als 90 Jahren auf das Veredeln metallischer Oberflächen spezialisiert hat.