Wernigerode l In der Corona-Krise gehen viele neue Wege, um zu helfen – wie PSFU. Das Wernigeröder Unternehmen, das Kunden präzise geschliffene und gefräste Werkstücke liefert, hat kurzfristig 50 Schutzvisiere für die Notaufnahme eines Leipziger Krankenhauses angefertigt – mithilfe der beiden werkseigenen 3-D-Drucker.

Die spontane Hilfsaktion geht auf familiäre Kontakte zurück, berichtet PSFU-Geschäftsführer Nils Appelt. Sein Cousin lebt mit seiner Frau in Leipzig, beide arbeiten als Ärzte in verschiedenen Kliniken. „Beide sind mit der Problematik konfrontiert, dass sie Schutzkleidung brauchen, aber nicht wie Unikliniken auf ein großes Beschaffungsnetzwerk zurückgreifen können“, so Appelt. Zeitweise sei nur noch für wenige Tage Schutzausrüstung vorrätig gewesen, die Ärzte fühlten sich allein gelassen.

In dieser Situation griff die Frau seiner Cousine zum Hörer und rief in Wernigerode an. Sie erinnerte sich, dass beim PSFU-Sommerfest die 3-D-Drucker vorgestellt worden waren. Mit solchen Geräten hatte ein Professor der Universität Leipzig Schutzvisiere hergestellt.

Die Frage war, ob PSFU das auch könne. Modelle für Schutzschilde kursieren mittlerweile im Internet. „Es gibt weltweit Initiativen, die sich mit dem Thema befassen“, so Nils Appelt. Nach intensiver Recherche und Nachfragen in Leipzig war eine Vorlage gefunden, mit der gearbeitet werden konnte. „Wir haben das Modell so umgebaut, dass wir binnen 24 Stunden 30 Visiere herstellen konnten“, so der Firmenchef. 50 Stück wurden gefertigt und nach Leipzig gebracht – fünf Tage nach dem ersten Anruf.

Die Visiere bestehen aus einer Halterung, an der eine durchsichtige, stabile Folie befestigt wird, wie sie etwa als Deckblatt für Präsentationsmappen verwendet wird. Die Folie hält Tröpfchen und andere Flüssigkeiten von der Haut fern. „Das Schutzvisier ist die erste Bastion“, so Appelt – weitere Barrieren sind Schutzbrille und Mund-Nasenschutz. Die Folie könne leicht ausgetauscht werden, sie sei wie die Halterungen mehrfach verwendbar, erklärt der PSFU-Geschäftsführer, der die Visiere sowie weitere 50 Folien kostenlos abgegeben hat.

Ein neues Geschäftsfeld wolle er daraus nicht entwickeln, denn der Hersteller müsste im Zweifel haften. „Die rechtliche Situation lässt mich da die Füße stillhalten“, so Appelt. Die Ärzte seien indes dankbar, denn die Ausrüstung sei am Markt gar nicht oder nur für viel Geld und nach langer Lieferzeit erhältlich. „Was mich am meisten schockiert, ist, dass es letztlich Cent-Artikel sind, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden“, sagt Appelt.