Volkstimme: Die Stadtwerke Wernigerode haben angekündigt, dass sich ab 2020 die Strompreise erhöhen.
Jan Schütz: Wir sind leider gezwungen, ab 1. Januar 2020 die Preise anzupassen. Von der Erhöhung sind alle Stromprodukte betroffen. Dies sind etwa 25.000 Kunden mit einem Verbrauch von 55 Gigawattstunden im Jahr. Für Kunden aus dem Stadtwerke-Netzgebiet erhöht sich der Preis um sechs Prozent.
Für Kunden außerhalb unseres Netzes sind es acht Prozent mehr. Zur besseren Vorstellung: Für eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 2500 Kilowattstunden entspricht das vier Euro mehr im Monat. Außerhalb des Netzgebietes sind es fünf Euro monatlich.

Sie sagen, Sie sind gezwungen. Warum müssen die Strompreise angehoben werden?
Dafür gibt es drei wesentliche Gründe. Zum einen den Energiepreis. Die Börsenpreise für Energie befinden sich seit zwei Jahren im Aufwärtstrend. Das Preistief von 2016 ist Vergangenheit. Seit 2018 haben sich unsere Beschaffungskosten um über 20 Prozent erhöht. Die Ausgaben für die Energie sind ungefähr ein Drittel unserer Gesamtkosten.
Dazu kommt, dass die staatlichen Umlagen und Abgaben im neuen Jahr um etwa drei Prozent steigen. Dieser Kostenblock macht gut die Hälfte der Gesamtkosten aus. Einen Anteil von gut einem Viertel haben die Netzentgelte. Diese steigen 2020 um zehn Prozent. Die Steigerung resultiert insbesondere aus den vorgelagerten Netzebenen – aufgrund der Kosten für Investitionen in den Netzausbau für die Energiewende.

Über Vergleichsportale im Internet können sich die Menschen heutzutage den günstigen Energieanbieter auswählen. Wie hat sich die Haushaltsabdeckung in den vergangenen Jahren entwickelt? Haben Sie viele Kunden an andere Anbieter verloren?
Unsere Haushaltsabdeckung im Kerngebiet liegt in etwa bei 90 Prozent durch unsere faire Preispolitik, die langfristig günstigen Konditionen und regionale Nähe. Bei den Energieanbietern gibt es teils deutliche Preisunterschiede.
Man muss dabei aber immer auch auf die vertraglichen Regularien und das Kleingedruckte schauen. Wechselprämien sind ein einmaliger Effekt. Durch unseren Service vor Ort und unsere Preispolitik halten wir unsere Kunden.

Wie sieht es mit den Preisen für Erdgas, Trinkwasser und Fernwärme 2020 aus? Steigen die auch?
Nein. Die Preise bleiben stabil. Unsere langfristige Einkaufsstrategie für Erdgas hat sich bezahlt gemacht. Und Erdgas ist die Basis für die Fernwärmeerzeugung. Das wirkt sich auf die stabilen Preise aus.

Und was gibt es sonst Neues bei den Stadtwerken?
Zum 1. Januar 2020 wird das Versorgungsnetzgebiet um den Ortsteil Schierke erweitert. Wir haben an zwei Konzessionsverfahren für Strom und Gas teilgenommen und den Zuschlag erhalten. In Schierke gibt es 580 Stromanschlüsse mit einem Verbrauch von 5,5 Gigawattstunden pro Jahr und 235 Erdgasanschlüsse mit einem Verbrauch von 15 Gigawattstunden im Jahr.
Wir sind gern für unsere Kunden vor Ort da und werden unseren Service auch direkt in Schierke bieten In diesem Zusammenhang werden die Stadtwerke voraussichtlich ab Jahresbeginn mit einem Kundenzentrum an einem Tag in der Woche vor Ort sein.
Unsere neuen Netzkunden sind nicht automatisch Stadtwerkekunden, können es aber gern werden. Wer zu uns wechseln möchte, den unterstützen wir gern. Im Moment versorgen wir 30 Prozent der Schierker mit Strom und zwölf Prozent mit Erdgas.