Minsleben l Für das neue Gerätehaus der Minslebener Brandschützer wird in diesem Jahr wohl kein Handschlag mehr getan. Handwerker sind nicht in Sicht. Die Bauleistungen sind noch nicht einmal ausgeschrieben. Wo hakt es?

„Wir führen aktuell letzte Gespräche und warten quasi auf die Baugenehmigung“, heißt es kurz und knapp und erst nach mehrmaliger Nachfrage von Wernigerodes Rathaussprecher Tobias Kascha. Nicht mehr und nicht weniger.

Mehr Klarheit gibt es bei der Harzer Kreisverwaltung. Dort im Bauordnungsamt wird der Bauantrag der Stadt bearbeitet. „Die Baugenehmigung für das Feuerwehrgerätehaus in Minsleben ist noch nicht erteilt“, teilt die Behörde auf Nachfrage mit. Dafür fehle noch ein Detail: die Eintragung einer Abstandsflächenbaulast in das Baulastenverzeichnis.

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Klingt kompliziert, ist es auch. Minslebens Brandschützer sollen in eine ehemalige Werkshalle am Ortsteingang ziehen. Geplant ist, das leerstehende Gebäude für knapp eine Million Euro zum Wehrgebäude umzubauen. Das Problem: Das Haus steht mit einer Wand auf einer Grundstücksgrenze. Die Abstandsfläche des zukünftigen Gerätehauses liegt nämlich auch auf dem Nachbargrundstück. Damit ist der Nachbar in der Bebaubarkeit seines Grundstücks eingeschränkt. „Eigentlich hätte diese Abstandsflächenbaulast bereits mit der Genehmigung der Gewerbehalle eingetragen werden müssen“, wird aus dem Bauordnungsamt erläutert. Das sei aber versäumt worden. Als neuer Eigentümer ist nun die Stadt in der Pflicht, die Baulast einzutragen.

Euphorie verflogen

Seit Jahren machen sich die Feuerwehrleute des Wernigeröder Ortsteils mit Unterstützung des Ortschaftsrats für ein neues Domizil stark. Ihr Stammgebäude am Krugberg ist viel zu eng für die aktive Wehr und die beiden Einsatzfahrzeuge. Es fehlt an Duschen, Umkleidemöglichkeiten und einem Schulungsraum. Männer, Frauen und die Mitglieder der Jugendfeuerwehr teilen sich eine Toilette und ein kleines Handwaschbecken. Dazu kommen die Sicherheitsmängel, die die Feuerwehr-Unfallkasse seit Jahren anmahnt.

Groß war Euphorie deshalb, als die Stadtverwaltung Anfang 2018 verkündete, die Werkhalle am Ortseingang kaufen und umbauen zu wollen, als der Kaufvertrag endlich unter Dach und Fach war, als 900 000 Euro dafür im Stadthaushalt 2019 reserviert wurden. Eigentlich hatten Minslebens Brandschützer von einer Einweihungsfeier zum 112. Feuerwehr-Geburtstag im April 2020 geträumt – hieß es doch immer, 2019 wird gebaut. Ein Termin, der aber nun definitiv nicht zu halten ist.

„Dass es mit der Baugenehmigung hapert, wissen wir“, sagt Ortswehrleiter Frank Siedenberg auf Volksstimme-Nachfrage. „Leider ist das schon länger der Fall.“ Ortsbürgermeister Andreas Hellwig und auch Silstedts Dorfchef Karl-Heinz Mänz (CDU) hätten schon etliche Male bei der Verwaltung nachgehakt.

Lichtblick aus Halberstadt

„Ich hoffe, dass da bald etwas passiert“, sagt Siedenberg. Die Stimmung unter den Kameraden sei dementsprechend gedrückt. Von „Das wird schon“ bis „Die verzögern so lange, bis kein Geld mehr da ist“ sei alles dabei. „Auf jeden Fall hängen wir wieder in der Luft“, sagt Siedenberg. „Und das wo wir jetzt mit über 50 Alarmierungen schon wieder mehr Einsätze hatten als im gesamten letzten Jahr.“

Immerhin kommt aktuell ein kleiner Lichtblick aus Halberstadt. „Derzeit wird nochmals geprüft, ob eine Befreiung von der Eintragung einer Abstandsflächenbaulast möglich ist“, heißt es aus dem Bauordnungsamt. Sollte das gehen, würde der Baugenehmigung nichts mehr im Wege stehen. „Vielleicht gibt es die Genehmigung ja als Weihnachtsgeschenk für uns“, hofft Ortswehrchef Siedenberg.