Reddeber l Dramatische Stunden in Reddeber: Es ist 15 Uhr, als am Sonnabend die Feuersirene heult. Kurz darauf rasen Feuerwehren aus Wernigerode und anderen Ortschaften in Richtung Reddeber. Die Rauchsäule ist schon von weitem zu sehen.

In der Dorfstraße steht ein Haus in Flammen. Als die Feuerwehrleute ankommen, brennen Dachstuhl und das erste Obergeschoss lichterloh. Die Bewohner sind zu dem Zeitpunkt glücklicherweise außer Gefahr. Anwohner haben zuvor die Haustür eingetreten und einen 34-jährigen Mann und eine 85-jährige Frau gerettet, meldet die Polizei später. Beide werden wegen Verdachts auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht.

Indes versuchen die Brandschützer, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Die hochsommerlichen Temperaturen kommen erschwerend dazu. Unter Atemschutz kämpfen sich zwei Trupps in das Innere des Hauses vor. Auch von außen und über die Drehleiter wird gelöscht.

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Löscharbeiten bis 23 Uhr

Gefährlich wird es noch einmal, als Teile des zerstörten Dachgiebels auf die Straße zu stürzen drohen. „Mit den Leuten vom Technischen Hilfswerk haben wir den Giebel abgetragen“, so Vize-Stadtwehrleiter Marco Söchting.

Bis nach 23 Uhr ziehen sich die Arbeiten. „Am Ende haben wir eine Schaumdecke aufgebracht, um ein erneutes Aufflammen zu verhindern“, sagt Söchting. Trotzdem müssen die Kameraden aus dem benachbarten Minsleben nachts um halb 2 erneut ausrücken, um zwei kleinere Glutnester zu löschen.

Warum das Feuer in dem Wohnhaus ausbrach, ist bisher nicht bekannt. Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen, heißt es aus dem Polizeirevier in Halberstadt. „Das Haus ist komplett zerstört und nicht mehr bewohnbar“, so ein Sprecher. Der Sachschaden wird auf mehr als 100.000 Euro geschätzt.

100 Kameraden im Einsatz

Über 100 Kameraden sind im Einsatz gewesen, bilanziert Söchting am Sonntag – darunter die Wehren aus Wernigerode, Reddeber, Minsleben, Silstedt, Benzingerode, Derenburg, Ilsenburg, das THW Quedlinburg und das SEG Thale. Die Wehr aus Darlingerode habe im Wernigeröder Gerätehaus ausgeholfen und den Stadtschutz übernommen. Besonders lobt Söchting die Versorgung der Brandschützer mit Essen und Getränken durch die Feuerwehr Silstedt und den Fachdienst Logistik des Harzkreises.

Und noch etwas brennt ihm auf der Seele. „Da waren so viele Schaulustige in Reddeber, auch junge Leute. Wenn sich nur zehn Prozent von ihnen ein Herz nehmen und in die Feuerwehr eintreten würden, dann hätten wir in Reddeber keine Probleme.“ Die Ortswehr stand Anfang 2017 kurz vor der Auflösung. Wie es weiter geht, ist noch nicht geklärt.