Überalterung

Finanzamt Wernigerode wird Senioren-Wohnhaus

Ein Immobilienunternehmen will das ehemalige Finanzamt Wernigerode zu seniorengerechter Wohnanlage umbauen lassen.

Von Katrin Schröder 23.02.2016, 00:01

Wernigerode l In das ehemalige Finanzamt an der Gustav-Petri-Straße in Wernigerode zieht wieder Leben ein. Die MDU-Gruppe, ein Immobilienunternehmen mit Sitz in Meißen, hat das seit 2010 leerstehende Gebäude gekauft. Die Sachsen planen den Umbau zu einer altersgerechten Wohnanlage.

„Zukünftig werden darin Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen für Betreutes Wohnen, eine Demenz-Wohngemeinschaft, ein Begegnungszentrum und eine Tagespflege entstehen“, teilt MDU-Geschäftsführer Oliver May mit. Auch Mehrgenerationenwohnen soll möglich sein. Rund 120 Menschen sollen in das ehemalige Amtsgebäude einziehen. „Die genaue Zahl hängt vom endgültigen Zuschnitt der Wohnungen ab“, so May. Das Finanzamt wurde in den Jahren 1994 und 1995 erbaut und verfügt über rund 5500 Quadratmeter Nutzfläche. Bis zum Umzug nach Quedlinburg hat die Finanzverwaltung das Gebäude genutzt.

Noch im Februar sollen die Vorbereitungen für den Bau starten. Richtig losgehen soll es im Frühjahr. Zuvor muss der Stadtrat den alten, doch nach wie vor gültigen Bebauungsplan aus dem Jahr 1991 aufheben. Der Bauausschuss hat bereits dafür votiert, das Thema kommt in der nächsten Stadtratssitzung am 17. März auf die Tagesordnung, wie Wernigerodes Baudezernent Burkhard Rudo bestätigt. Es sei gut, dass der Leerstand ein Ende habe und dass sich das neue Angebot an Senioren richte. „Das Thema passt in die heutige Zeit und an diesen Ort“, so Rudo.

Die MDU-Firmengruppe investiert ausschließlich in Immobilien in den neuen Bundesländern. In den teils denkmalgeschützten Gebäuden, die sie kauft, wird Wohnraum geschaffen oder modernisiert. Ein zweites Standbein ist die Einrichtung von seniorengerechten Wohnanlagen.

Rund 5,5 Millionen Euro investiert die MDU-Gruppe in den Umbau des ehemaligen Finanzamtes. Überzeugt habe die zentrale Lage in der Wernigeröder Innenstadt. Um diese zu nutzen, nehmen die Investoren einen kompletten Umbau in Kauf. „Das Gebäude muss im Inneren umfassend verändert werden“, erklärt May. Dies soll in einem Jahr Bauzeit geschafft werden.

Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, übernimmt der advita Pflegedienst das Zepter. Das Berliner Unternehmen unterhält 20 Niederlassungen in Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die 21. Zweigstelle und nach Magdeburg die zweite in Sachsen-Anhalt wird das „advita Haus Wernigerode“, so der geplante Name der Einrichtung. Diese soll einander ergänzende Pflege- und Betreuungsangebote unter einem Dach zusammenfassen, so advita-Geschäftsführer Matthias Faensen.

Rund um die Uhr seien Mitarbeiter vor Ort, die dafür sorgen, dass die Bewohner fachpflegerische Betreuung und Hilfe im Haushalt jederzeit in Anspruch nehmen können. Hinzu kommen eine Tagespflege sowie Gemeinschaftsräume. „Das Ziel ist, dass die Menschen sich so lange wie möglich frei entfalten können. Wenn bestimmte Leistungen gebraucht werden, können sie diese individuell dazubuchen“, so Faensen.

Dass in den Fenstern des Finanzamtes bereit seit Monaten Nummern hängen, hatte Spekulationen angefacht. Für Aufklärung sorgen auf Volksstimme-Nachfrage die neuen Eigentümer. „Das Vermessungsbüro hat die Nummern für das Aufmaß genutzt“, heißt es vonseiten der MDU-Gruppe. Weil der Gebäudeaufbau so komplex ist, hätten die Vermessungstechniker die Nummern zur Orientierung gebraucht.