Darlingerode l Es ist eine kleine Oase, auf die Tommy Löwenberg von seiner Bank aus blickt. Ein Fischreiher stakst nicht weit entfernt durch das Grün, Frösche bequaken die Laichzeit, Entenfamilien ziehen ihre Spuren durch das Wasser. Kurz zuvor ist Tommy Löwenberg mit seinem Auto aus Darlingerode raus über einen holprigen Waldweg gefahren. Nach ein paar hundert Metern weichen die Bäume einer Lichtung und legen den Blick auf einen Teich frei, in dem sich die ersten Sonnenstrahlen des Tages spiegeln.

Doch die Idylle trügt. Der Ütschenteich ist krank. Seit einigen Jahren breitet sich die Krebsschere, eine Wasserpflanze, immer weiter aus. Mittlerweile bildet sie einen dichten, grünen Teppich auf etwa zwei Dritteln des Gewässers. Kaum ein Fisch tummelt sich noch in den Tiefen. Der Teich droht zu verlanden.

Problemfall

Tommy Löwenberg, der Vorsitzende des Wernigeröder Anglervereins, erklärt, dass die Pflanze immer im Winter zum Problem wird, wenn das Wasser gefriert und Kohlenstoffdioxid nicht entweichen kann. „Das führt zum Ersticken der Fische.“ Außerdem bilde sich aufgrund der Pflanzen Moder im Teich. „Zu bestimmten Jahreszeiten stinkt es dann extrem hier“, so Löwenberg.

Der Angler will den Teich nicht der Krebsschere überlassen. Er will ihn zurück. Schon vor zwei Jahren hat er der verhängnisvollen Wasserpflanze den Kampf angesagt. Jetzt hat er ihn gewonnen. „Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie hat uns Fördermittel in Höhe von 600 000 Euro zugesagt“, so der 29-Jährige. Mit dem Geld soll der Teich professionell saniert werden.

Start im August

Ab August, nach der Laichzeit der Amphibien, will Löwenberg damit beginnen, das Wasser aus dem Teich in die Limmecke ablaufen zu lassen. Das wird etwa zwei Wochen dauern. „Es ist wichtig, dass das Wasser langsam abläuft, damit alle Tiere mitkommen“, erklärt Löwenberg. Danach muss der Teich zehn Wochen trocken liegen, bevor er ausgebaggert werden kann. Schwere Maschinen entfernen dann Wasserpflanzen samt Schlamm. Auch die einst künstlich eingebaute Insel soll abgetragen werden. Der Grund: An der Insel lagert sich Schlamm ab. Werde sie entfernt, könne das Quellwasser der Limmecke wieder ungehindert durch den Ütschenteich fließen.

Schließlich steht noch die Befestigung des Ufers und die Erneuerung des Auslassbauwerks mit einem größeren Rohr auf dem Plan, bevor sich der Teich wieder mit Wasser aus dem Fluss füllen kann. Zum Abschluss kümmert sich der Angelverein darum, dass wieder Leben im Teich ist. Fische und Muscheln wollen sie aus Teichen in Wernigerode in den Ütschenteich umsiedeln oder neue kaufen. Zunächst Weißfische, dann Schleien, dann Hechte. „Sicher, wir zerstören hier erstmal alles, aber ich bin mir sicher, dass sich die Natur all das wiederholt und belebt“, sagt Tommy Löwenberg.

Besuch der Ministerin

Dass es zu der Fördermittelzusage kam, ist nicht zuletzt dem Besuch der Umweltministerin Claudia Dalbert Ende Juli des vergangenen Jahres zu verdanken. „Sie empfahl uns, einen Antrag für das Artenschutzsofortprogramm zu stellen“, erinnert sich der Vorsitzende des Anglervereins. Gesagt, getan. Allerdings kostete es Löwenberg gemeinsam mit dem Zweckverband Ilse - Holtemme Monate, den Antrag zu füllen. Der Teich musste vermessen, der Schlamm für 10 000 Euro analysiert werden und schließlich musste der Anglerverein Abnehmer für die Tonnen an Matsch finden. „Das war das Schwerste. Wir haben 50 Landwirte kontaktiert und fünf gefunden, die uns den phosphor- und stickstoffhaltigen Schlamm abnehmen und auf ihren Äckern verteilen“, sagt Löwenberg.

Viele befürchteten, dass der Teichschlamm als Sondermüll oder Dünger gilt, was den strengen Regularien der Europäischen Düngeverordnung unterliegt. Unbegründet wie sich herausstellte. Es ist einfach nur ungefährlicher Teichschlamm.

Die Fördermittel sind auf zwei Jahre aufgeteilt. „Wenn es gut läuft, ist der Teich 2021 fertig“, sagt der Vorsitzende. Dann will der Verein das Gewässer wieder zum Angeln nutzen. Auch der Ort Darlingerode ist an dem Teich interessiert. Ein sanierter Ütschenteich könnte mehr Wasser fassen, was für den Hochwasserschutz nützlich ist. Ein Grund dafür, weshalb der Ortschaftsrat die Bemühungen unterstützt.