Wernigerode l Die Sitzung am Mittwoch, 29. Mai, des Schierke-Ausschusses verspricht spannend zu werden: Nachdem kürzlich Mail-Verkehr zwischen Investor Gerhard Bürger, Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sowie Wernigerodes OB Peter Gaffert (parteilos) publik geworden war, stellt sich die alles entscheidende Frage, ob Investor Bürger sein „Baby“ womöglich bereits endgültig zu Grabe getragen hat. Nachdem Hartmut Möllring, Ex-Wirtschaftsminister und Vertrauter von Bürger, bislang stets erklärt hatte, dass das Projekt so lange auf Eis liege, wie ein avisierter Fördermittelbescheid nicht vorliege, stellt sich die Frage, wie lange Bürger persönlich noch an seinem Projekt festhält.

Bürger selbst weilt aktuell im Ausland und verweist in allen Fragen auf Möllring. Der wiederum fand am Dienstag klare Worte: „Im Moment wird kein müder Euro mehr investiert. Für den Investor ist jetzt Schicht im Schacht.“

Ob das endgültig ist oder die Karten beim Vorliegen des erhofften Förderbescheids – wie zuletzt signalisiert – neu gemischt werden, bleibt abzuwarten. Bürger will nach Möllrings Worten rund 20 Millionen Euro in die Seilbahn zum Winterberg sowie Nebenanlagen investieren und peilt dabei EU-Fördermittel in Höhe von 30 Prozent an. Weil besagter Förderbescheid auf Eis liegt, kommt er nach eigenen Worten bei der eigenen Kreditfinanzierung nicht voran. Willingmann sieht jedoch keine Möglichkeiten, den Bescheid zu erlassen, weil die Realisierbarkeit von Bürgers Projekt im Moment völlig unklar sei.

Schwere Vorwürfe gegen Wirtschaftsminister

Jenes Tauziehen um den Förderbescheid ist dabei nur eine Facette. Offenbar ist das Tischtuch zwischen Willingmann und Bürger mittlerweile irreparabel zerrissen. Zumindest fährt Bürger in dem der Volksstimme vorliegenden Mail-Verkehr gegenüber Minister Willingmann schwere Geschütze auf: „Sie haben nicht einmal die Courage mich persönlich zu kontaktieren, obwohl ich drei Mal versucht habe Sie auf Ihrem Handy zu erreichen“, so Bürger, der es anders in Erinnerung hat: „Als Sie noch Rektor der Hochschule Harz waren, haben Sie stets den direkten Weg gefunden, um mich für Sie wichtige Projekte, wie z.B. das Deutschlandstipendium oder die Stiftungsprofessur, als Sponsor zu gewinnen.“

Kritik, die Willingmanns Sprecher Matthias Stoffregen so nicht sieht: Wie mit zahlreichen Unternehmen bestehe zu Bürger bei Bedarf direkter Kontakt, zumeist telefonisch und nach beiderseitiger zeitlicher Verfügbarkeit. Persönliche Begegnungen seien seit dem Wechsel Willingmanns nach Magdeburg seltener geworden. Aber: „Herr Bürger weiß, dass der Minister sein Seilbahn-Projekt sehr begrüßt und als wertvolle Erweiterung des touristischen Angebots ausdrücklich unterstützt.“

Was Bürger längst bezweifelt. Mehr noch: Mit dem Versagen des Fördermittelbescheids habe der Minister die Basis für Gespräche mit der finanzierenden Bank für den Kredit in Höhe von sechs Millionen Euro entzogen. Was Umweltverbände in drei Jahren nicht erreicht hätten, sei Willingmann mit seiner E-Mail gelungen: „Mein Engagement für das Seilbahnprojekt zu beenden. Ihre unverständliche Reaktion ist wohl der Anfang vom Ende des Projektes“, so Bürger.

Mitglieder der Landesregierung seien an geltendes Recht gebunden, dies gilt gerade auch für Fördermittelverfahren, erinnert Stoffregen.