Tanne/Schierke l Fünf, sechs Tiere der Rinderzucht von Uwe und Susann Thielecke sowie der Töchter Julia und Sarah aus Tanne starten am Sonnabend in ein Abenteuer der besonderen Art. Oder präziser formuliert: Für die auserwählten Tiere geht es mit einem Spezialauftrag hoch hinaus auf 1141 Höhenmeter. Brockenbauer Uwe Thielecke höchstpersönlich chauffiert seine Rinder rauf aufs Brockenplateau. Dort sollen sie in den kommenden vier, fünf Wochen als lebende „Landschaftsgärtner“ fungieren und auf umweltfreundliche und naturnahe Weise helfen, die wachsende Grasnarbe niedrig zu halten.

Alle Beteiligten – Bauer Thielecke sowie dessen Tiere, vor allem aber Brockengärtner Gunter Karste – wagen sich dabei auf unbekanntes Terrain vor. „Wir beschreiten bei der Biotop-Pflege auf der Brockenkuppe mit dem Roten Harzer Höhenvieh neue Wege“, skizziert Karste den Freiland-Versuch.

Mehr Brockenanemonen

Hauptziel sei es, den Bestand seltener Pflanzenarten auf der Brockenkuppe, allen voran die Brockenanemone (Pulsatilla alpina ssp. alba) deutlich zu erhöhen. Die bisherigen Schritte, so Karste gegenüber der Volksstimme, hätten nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Letztlich stelle sich die Thematik so dar, dass verstärkte Nährstoffeinträge – insbesondere Nitrat – auf dem Brockenplateau dazu beigetragen haben, dass auf dem eigentlich nährstoffarmen Boden verstärkt Gräser wachsen. Das, so Karste, sorge dafür, dass brockentypische Pflanzen wie die Brockenanemone, aber auch Alpen- und Brockenhabichtskraut, unter den dominanten Gräsern kaum Wachstumschancen haben.

Gräser mit Mahd einschränken

Bislang versuchten die Brockengärtner, den dominanten Wuchs der Gräser mit einer Mahd einzuschränken. „Da es bei einer solchen Mahd recht lange dauert, bis vor allem die Gräser so geschwächt sind, dass es den seltenen Pflanzenarten möglich wird, hier Fuß zu fassen, sollen in diesem Jahr nun auf ausgewählten Versuchsflächen die Rinder zum Einsatz kommen“, beschreibt Gunter Karste das Ansinnen des bevorstehenden Freiland-Versuchs.

Dabei sollen auf rund 5000 Quadratmetern Grasfläche auf dem Plateau die Rinder als natürliche „Rasenmäher“ fungieren. Geplant sei der Test auf einem bereits mittels Elektrozaun abgesteckten Areal zwischen dem Rondell am Gipfelstein und dem früheren Kolonnenweg der Grenzer, der in Richtung Ilsenburg hinab führt.

Fressen und treten

Die Rinder sollen dabei nicht nur die Grasnarbe abfressen und kurz halten, sondern diese obendrein mit ihren spitzen Hufen durchtreten, um so den Wuchs von Brockenanemone und Brockenhabichtskraut zu unterstützen. Der testweise Weidebeginn soll aller Voraussicht nach am Wochenende starten und ist auf etwa vier Wochen Dauer angelegt. Anschließend wird Brockenbauer Thielecke seine Rinder wieder vom Berg holen.

Brockenbäuerin Susann Thielecke freut sich auf den Versuch. Dieser werde bestimmt den erhofften Effekt bringen. „Und er wird unseren Tieren gewiss gut tun“, vermutet die Züchterin. Mit Klima und Temperaturen auf dem 1141 Meter hohen Gipfel dürften die Tiere keinerlei Probleme haben. „Letztlich mögen auch sie es gemäßigt – zehn bis 15 Grad Celsius bei sonnigem und bedecktem Wetter“, so die Expertin. Die Harzkuh komme mit ihrem Winterfell auch mit 20 Grad unter dem Gefrierpunkt klar. „Wir sind optimistisch, dass unsere Kühe aus den Grasflächen dort oben herrliche bunte Wiesen machen werden“, so Susann Thielecke.