Wienrode l Die Begrüßung der Jury nach afrikanischem Brauch macht Sinn. Dort, wo Ilse Bierwirth viele Jahre ein Hilfsprojekt unter dem Titel „Mission Akono“ begleitet hat, wird der Rest des Begrüßungstrunks auf den Boden geschüttet – „als Zeichen, dass Pflanzen und Tiere verehrt werden“, erklärt die Wienröderin.

Tiere und Pflanzen verehrt

Nun hat sie mit ihrem Ehemann Rolf Bierwirth keinen afrikanischen Garten angelegt – wäre wegen des Harzer Klimas sicher auch vermessen – doch trägt ihre Grundstücksgestaltung in der Eigenheimsiedlung in der Ringstraße durchaus eine Tier- und Pflanzen-verehrende Handschrift.

Verschiedene Bäume und Sträucher umsäumen das Areal. Eibe, Schlehe, kriechende Zeder, Eberesche, Zierapfel, Flieder, Zaubernuss, Quitte, Korkenzieherhasel, Heckenrose und Sanddorn sind prächtig gewachsen. Ebenso Blutpflaume und Birke auf der Wiese. „Sie wachsen fast zu doll“, sagt die 76-jährige Rentnerin. Ihr Mann komme mit dem Schneiden kaum hinterher. „Wir hätten auf den Tipp der Experten im Gartenbaubetrieb Thormeier hören sollen, als sie uns damals sagten, eher kleine Bäume zu pflanzen.“

Bilder

Teich mit Bachlauf

Der Bewuchs, den die Bierwirths augenscheinlich aber beherrschen, erstreckt sich auch entlang der Grundstücksgrenze hinter dem Haus. Dort stehen zum Naschen beispielsweise Sauer- und Süßkirsche, Pfirsich und Johannisbeeren. Das Zentrum der grünen Oase bildet ein Teich mit kleinem Bachlauf und Wasserspiel. Das liebevoll bepflanzte Ökosystem wird von den Jurymitgliedern Hanns-Michael Noll und Carsten Jacknau bestaunt. „Das ist schon einzigartig“, sagt Noll und interessiert sich für einen Elefanten und eine Wasserträgerin.

Nachgarten

Die Holzschnitzfiguren sind Mitbringsel und Geschenke aus Afrika, die man mehrfach zwischen Sträuchern und Blumen findet. Auch andere dekorative Elemente wie ein kleines eisernes Schuppenfenster, durch das eine „Katze“ schaut, tragen dazu bei, dass es von der gemütlich eingerichteten Terrasse aus immer wieder Interessantes zu entdecken gibt. Und wenn es nur die vielen Schmetterlinge sind, die über den großen Lavendelbusch flattern, oder Bienen, die sich Nektar von Rosen holen. „Wir müssen doch dem Insektensterben entgegenwirken“, sagt Ilse Bierwirth. Ihr Enkel Flori fällt ihr ins Wort. „An andere Tiere denken wir auch“, sagt der Sechsjährige und zeigt auf eine Vogeltränke und die Futterhäuschen. Wilde Erdbeeren, die die Beete säumen, würden sich gern die Igel holen.

Gemüsegarten

GVS-Geschäftsführer Carsten Jacknau ist von der naturgetreuen Gestaltung begeistert und möchte wissen, wer auf diese Idee gekommen ist. Ilse Bierwirth gibt unumwunden zu, dass der Plan aus der Feder ihres Bruders stammt, der Gartenbauexperte sei. Trotzdem ein Kompliment den Hobbygärtnern, so Jacknau, „denn die Umsetzung und Hege ist gelungen“. Anschließend lässt er sich den kleinen Gemüsegarten zeigen, der von der Enkelin Sophie gepflegt wird. Stolz präsentiert die 18-Jährige verschiedene Tomatensorten, Kräuter wie Salbei, Thymian und Rosmarin. Ganz neu, so die Abiturientin, seien ein Olivenbaum und die Weinreben.

Am Ende des Besuchs, ist sich die Jury einig, hat sich die Schau in den Garten bei den Bierwirths in Wienrode gelohnt. Und weil in dem Haus drei Generationen unter einem Dach leben, werden in dieser grünen Oase, sicher noch lange Tiere und Pflanzen verehrt.