Wernigerode l Der „Markt“ ist der Mittelpunkt der Charlottenlust. Allerdings ist er weit davon entfernt, das Herzstück des Wernigeröder Wohngebietes zu sein. 1996 eingeweiht, war er einst als Treffpunkt und Verweilort für die Bewohner der Charlottenlust gedacht. Heute fristet der Platz ein eher trostloses Dasein. Der kleine Teich ist zugewachsen. Die Bepflanzung ist längst vertrocknet. Zwischen den Steinplatten quillt das Unkraut hervor. Das mächtige Naturstein-Monument steht wie Fremdkörper auf dem Areal.

Was soll das eigentlich, fragten sich laut Linke-Stadtrat Thomas Schönfelder einige Anwohner. Sie hätten sich an ihn gewandt – mit der Idee, den der Felsbrocken einer bedeutenden Person zu widmen und diesen mit einer Gedenkplakette zu versehen. Darüber hinaus soll der Platz nach eben dieser Person benannt werden.

Erinnerung an Zanthier

Auch wer geehrt werden soll, haben sich die Wernigeröder schon überlegt – nämlich der Forstmeister und Begründer der nachhaltigen Forstwirtschaft Hans Dietrich von Zanthier (1717 - 1778).

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Zwar gebe es am Annaweg zwischen Reittouristik und Christianental bereits einen Gedenkstein für Zanthier. „Den kennen aber die wenigsten“, so Thomas Schönfelder in der Sitzung des Kulturausschusses. Zudem sei Wernigerode in diesem Jahr zertifizierte Waldhauptstadt. In dem Zusammenhang sei es eine gute Gelegenheit, den Harzer Forstpionier zu ehren, so der Linke-Politiker.

An Zanthier zu erinnern – dem stimme er ausdrücklich zu, so Peter Lehmann, der sich schriftlich an die Stadträte wandte. Aber bitte nicht auf dem Marktplatz in der Charlottenlust. „Auf einer Betonfläche Zanthier zu ehren, trägt uns eher Spott und Hohn ein“, so der ehemalige Pfarrer und Bewohner der Charlottenlust. Für den „Pionier einer nachhaltigen Forstwirtschaft“ sei dieser Platz „eine Schande“. Der schöne Traum nach einem Treffpunkt in der Charlottenlust habe sich nach 25 Jahren in Luft aufgelöst. „So lässt sich Zanthier nicht ehren“, schreibt Peter Lehmann weiter. „Und eine Werbung für die ‚Waldhauptstadt 2019‘ ist es erst recht nicht.“

Steinwüste beseitigen

Bevor der Markt in „Zanthier-Platz“ umbenannt wird, sei es sinnvoller, die Steinwüste zu beseitigen, Platten rauszureißen und nachhaltig Bäume zu pflanzen oder vielleicht eine Blühwiese anzulegen, schlägt Lehmann vor. Am Teich könnte ein Biotop entstehen.

Die meisten Mitglieder des Kulturausschusses teilten Lehmanns Meinung. „Grundsätzlich eine gute Idee“, hieß es von Michael Wiecker (CDU) zu Schönfelders Vorstoß. Aber der Platz sei einer Ehrung nicht würdig. „Wenn der Markt hergerichtet wird – ja, aber nicht vorher.“ Martina Tschäpe (SPD), Cary Barner (CDU) und Inge Lande (Linke) sprachen sich dafür aus, den Gedenkstein am Annaweg aufzuwerten und bekannter zu machen.

Ideengeber Thomas Schönfelder zeigt sich von Lehmanns Vorschlägen angetan. Den Platz zu begrünen, sei im Sinne von Zanthier. „Wir sollten das als Chance verstehen und wenn Geld flüssig ist, dort ein Biotop gestalten.“

Thomas Schönfelders Vorschlag fiel im Kulturausschuss allerdings durch. Die Ausschussmitglieder stimmten mehrheitlich gegen seine Vorlage. Der Stadtrat hat das letzte Wort. Die Entscheidung fällt in seiner nächsten Sitzung am Donnerstag, 27. Juni. Kommentar