Wernigerode l Es gibt einige Asseccoires, ohne die ein Cheerleader nicht auf die Matte geht: Dazu gehören Uniform, Pompoms – und Schleifen im Haar. Die Wernigeröderin Carmen Christin Lukasik fertigt solche Schleifen (englisch „Cheer Bows“) in allen Größen, Farben und Materialien, die man sich nur vorstellen kann. Den Vertrieb organisiert sie über Facebook. Und sie hat damit Erfolg.

Ob für Training oder Wettbewerb – bei vielen größeren Teams ist die Schleife am Pferdeschwanz oder Dutt fester Bestandteil der Ausrüstung. Der Grund: Da Symmetrie eine wesentliche Rolle in der Choreographie spielt, müssen alle Teammitglieder so identisch wie möglich aussehen. „Nur so sieht der Trainer sofort, wo jemand aus der Reihe tanzt“, erklärt Carmen Lukasik – selbst begeistertes Cheerleader. „Ich bin mit meinen 24 Jahren mittlerweile die Omi im Verein“, sagt sie und lacht.

Bügeleisen und Kabelbinder

Ganz und gar nicht alt, sondern ziemlich jung ist sie in ihrem Engagement als Unternehmerin. Mit ihrer Idee, die Schleifen in Handarbeit zuhause zu fertigen, hat sie eine Nische besetzt und sich so das Studium finanziert. „Ich brauche lediglich ein Bügeleisen, Stoff, eine Schere, eine Heißklebepistole und meine Geheimwaffe: Kabelbinder“, verrät sie. Damit halten die Schleifen jeder Belastungsprobe stand. „Meine Schleifen bleiben in Form. Bei der Konkurrenz hängen sie irgendwann traurig runter oder lösen sich auf.“

Zu ihrem ersten Auftrag für die Cheerleader der Mountain Tigers in Wernigerode kam sie eher durch Zufall. Die Mädchen waren auf die Schleifen aufmerksam geworden, die Carmen Lukasik für sich selbst designt hatte. „Zwei Teams haben bei mir weiße Schleifen mit goldenem Strass und goldene Schleifen mit schwarzem Strass bestellt. Die kamen so gut an, dass Teams aus Braunschweig und Halberstadt plötzlich auch meine Schleifen haben wollten.“ Anfang des Jahres wurden es immer mehr – Teams aus Stuttgart, Hamburg und sogar aus den USA orderten ihre Kreationen. In Erinnerung sind 70 Stück für den VfL Herrenhausen: „Strass, Glitzer und Leder. Als i-Tüpfelchen habe ich Engelsflügelchen angebracht.“

Oma wird manchmal eingespannt

Momentan bewältigt sie die Produktion noch alleine. „Mein Ziel ist es, die Bestellungen binnen vier Wochen abzuwickeln.“ Bei anderen Anbietern – in Deutschland gibt es ungefähr 15 – seien Bestellungen erst nach drei Monaten fertig. „Manchmal spanne ich meine Oma ein. Die schneidet dann die Glitzerfolie zurecht“, sagt sie.

Glitzer und Strass – das sei der Renner. „Meine Lieblingsschleife ist Pink mit Glitzer“, sagt die Studentin. 15 Stück besitzt sie. Mit einem Ring versehen, bietet sie Schleifchen als Schlüsselanhänger und Freundschaftssymbol an.

Ansonsten verkaufen sich Eventschleifen gut. „Das sind extra Anfertigungen für Meisterschaften.“ Für die Deutsche Meisterschaft in Bonn hatte sie 40 Schleifen vorbereitet. „Innerhalb von 30 Minuten waren sie ausverkauft, 80 Nachbestellungen liegen vor.“ Der Wettbewerb liegt mittlerweile schon einen Monat zurück - doch viele Teilnehmer wünschen sich, eine Erinnerung in den Händen zu halten.

Junggesellinnen lieben Schleifen

Nicht nur Teams bestellen bei ihr – auch Freundeskreise und Paare wollen eigene Schleifen. „Cheerleading ist in Deutschland noch relativ jung. Die erste Generation der Cheerleader ist jetzt erwachsen, heiratet gerade oder gründet eine Familie“, sagt die Wernigeröderin. „In letzter Zeit gingen viele Bestellungen für Junggesellinnenabschiede ein.“ Auch Schleifen für das Baby seien beliebt.

Die smarte Blondine tüftelt schon am nächsten Werk. „Ich will Schleifen mit Fotos und Glitzer bedrucken“, verrät sie. Fotoschleifen seien bereits jetzt ein Verkaufsschlager. „Aber kombiniert mit Glitzer - das gibt es noch nicht.“ Außerdem plant sie, auch für die Herren Kreationen anzubieten. „Was genau, möchte ich noch nicht verraten.“

Im Herbst geht sie für zwei Auslandssemester nach Finland, wo einige der weltbesten Teams beheimatet sind. „Von dort aus mache ich weiter, die Stoffe und Materialien habe ich schon reichlich vorbestellt.“

War bei Weltmeisterschaft dabei

2004 hat Carmen Lukasik im Alter von 13 Jahren angefangen, den Sport aktiv zu betreiben. „Zu spät“, sagt sie rückblickend. „Ich hatte mich vorher auf Leichtathlektik konzentriert und war entsprechend ungelenkig.“ Ungelenk - das bedeutet für sie, dass sie erst nach zehn Minuten Aufwärmen den Spagat schafft.

In ihrem ersten Team, den „Hellfire Cheers“, feuerte sie die Floorball-Spieler der Wernigeröder Red Devils an. Nach Stationen bei den Dymatix gelangte sie schließlich nach Braunschweig, wo sie mit den Wildcats „richtig hartes Pflaster“ betrat, wie sie sagt. Ergebnis des Trainings waren der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2010 und die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Orlando 2014. „Im September geht die Saison wieder los – und da die meisten Team jede Saison die Schleifen wechseln, werde ich alle Hände voll zu tun haben“, sagt sie.

www.facebook.com/mycheerbow