Wernigerode l Wernigerode, Burgstraße, Samstag, 12.20 Uhr: Die Brüder Dirk und Ralf Möbius stehen gemeinsam mit ihrer Mutter im Schreibwarengeschäft im Eckbereich zur Steingrube. Plötzlich vernehmen sie kurz hintereinander drei Knallgeräusche und verspüren, wie sie wenig später berichten, Vibrationen im Bereich des Fußbodens. Sie rätseln über die Ursache, zögern aber keinen Augenblick und lösen über den Notruf 112 Alarm aus.

Mehrere Feuerwehren vor Ort

In der Rettungsleitstelle in Halberstadt läuft sofort das große Programm an, das greift, wenn es möglicherweise zu einer Gasexplosion gekommen ist. Mehrere Feuerwehren werden an die Unglücksstelle beordert, dazu der Rettungsdienst. Zudem wird die Polizei informiert.

Erhöhte Gaskonzentration gemessen

Vor Ort gibt es tatsächlich Hinweise auf einen Gasausbruch oder gar eine damit verbundene Explosion. „Wir haben eine erhöhte Konzentration von Kohlenmonoxid gemessen“, so Wernigerodes Vize-Stadtwehrleiter Marco Söchting wenig später gegenüber der Volksstimme.

50 Personen werden evakuiert

Die Einsatzkräfte gehen auf Nummer sicher. Das Areal um den neuralgischen Eckbereich von Burgstraße und Steingrube wird im Umkreis von rund 100 Metern abgesperrt und insgesamt rund 50 Menschen aus diesem Bereich evakuiert.

Restaurant kurzfristig geöffnet

Was alles andere als einfach ist. Vor allem ältere Menschen haben Probleme mit der Situation. Damit niemand im Kalten stehen muss, öffnet Mario Schlieper kurzentschlossen sein Restaurant für die Betroffenen, damit diese im Warmen sitzen und sich aufwärmen können.

Auch das Burgstraßen-Café wird evakuiert, mitsamt einer Trauergesellschaft, die dort zusammengekommen war. Auch die Wärmestrahler vor dem Café müssen wegen der erhöhten Gaskonzentration sofort ausgeschaltet werden, ebenso die Backöfen im Geschäft. Das stellt sich problematisch dar, wird aber schließlich vom Team gelöst.

Auch ein kleiner Gast eines Kindergeburtstags muss an diesem Tag erst mal ohne Geschenk zur Feier. Die Mutter will noch schnell ein Geschenk kaufen. Aber Pustekuchen – der Laden ist vorsorglich ebenfalls geräumt worden.

Keine Explosionsspuren gefunden

Parallel läuft seitens der Feuerwehr die Suche nach dem mutmaßlichen Explosionsort oder der Quelle für die unklare Detonation auf Hochtouren. Die Kameraden der Feuerwehren suchen dabei insbesondere den Kellerbereich des Schreibwarengeschäfts und die Keller in den angrenzenden Gebäuden ab. Spuren einer größeren Explosion finden sie nach den Worten von Wehrvize Söchting jedoch nicht.

War Heizungsofen Auslöser?

Am Ende ist es lediglich ein Heizungsofen in einem Keller, der als mögliche Quelle der Knallgeräusche samt Erschütterungen in Frage kommt. „Der Deckel dieser Gasheizung war verbogen – das kann die Ursache gewesen sein, muss es aber nicht“, berichtet Marco Söchting. Vorsichtshalber sei anschließend von den alarmierten Mitarbeitern der Stadtwerke die Gaszuleitung gekappt worden.

Entwarnung gegen 13.50 Uhr

Gegen 13.49 Uhr ist die Situation soweit unter Kontrolle, dass eine weitere Gefährdung ausgeschlossen ist und die Evakuierung aufgehoben werden kann. Wenig später räumen auch Feuerwehren, Rettungsdienst und Polizei das Areal. Insgesamt seien 32 Kameraden der Wehren aus Wernigerode, Minsleben und Reddeber mit zehn Fahrzeugen vor Ort gewesen, so Söchting. Ferner zwei Rettungswagen, der organisatorische Leiter Rettungsdienst des Harzkreises, Polizeibeamte, der Bereitschaftsdienst der Stadtverwaltung und Mitarbeiter der Stadtwerke.

Zahlreiche Einsätze für Feuerwehren

Aufatmen können die Kameraden der Feuerwehr allerdings nicht – es geht gleich zum nächsten Einsatz. Unter anderem halten sie am Samstag zwei Fehlalarmierungen aufgrund von Brandmeldeanlagen in Atem. Ferner müssen sie mehrfach den Rettungsdienst bei Tragehilfen und dem Öffnen von Türen unterstützen. Bis zum Nachmittag stünden bereits sieben Einsätze zu Buche, berichtet der Vizechef der Feuerwehren im Stadtgebiet.