Schierke l Wildromantisch ist das Wort, das man am ehesten mit dem Kurpark in Schierke verbindet. Etliche Findlinge, die gewollt wahllos auf dem Gelände verstreut liegen. Geschwungene Wege, Gebirgspflanzen, stattliche Bäume – und dazu das leise Rauschen der Kalten Bode. Wildromantisch eben. In letzter Zeit mehren sich aber Stimmen, die sagen, das Kleinod sei inzwischen mehr wild als romantisch. Der Kurpark sei regelrecht verwildert, heißt es von Schierke-Besuchern.

„Kaum Blumenanpflanzungen, die früher als kleine Inseln wohlgefällig ins Auge fielen“, moniert ein Spaziergänger. „Dafür überwuchert Unkraut die Steine.“ Zudem sei das Wasserbecken ausgetrocknet, der Wasserfall sei außer Funktion. „Die einstige Idylle ist dahin“, so der Besucher weiter.

Schierkes Ortsbürgermeisterin Christiane Hopstock (CDU) bestätigt das. „Es beschweren sich viele“, sagt sie. Auch die Schierker selbst seien unzufrieden. „Sie legen großen Wert auf Ordnung und Sauberkeit.“

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Regelmäßig gemäht

Zuständig für die Pflege der Parkanlage ist die Wernigeröder Stadtverwaltung. „Von totaler Verwilderung kann nicht die Rede sein“, heißt es auf Nachfrage von Rathaussprecher Tobias Kascha. „Der Kurpark werde regelmäßig gemäht, die Hecken geschnitten – „so wie es unsere personellen Möglichkeiten zulassen“.

Und tatsächlich: Die Rasenflächen entlang der Wege sind momentan gepflegt, wie die Volksstimme bei einer kleinen Stippvisite im Park beobachtet hat. Allerdings steht das Gras in der Nähe des Musikpavillons und etwas weiter abseits sehr hoch. Diese Flächen haben schon lange keine Sense mehr gesehen.

Durch Personalaufstockung würden die Randbereiche laut Kascha instand gesetzt und Totholz aus Kleingehölzen entfernt. „Die Arbeiten laufen noch“, so Kascha.

Die Pumpe des Wasserlaufes sei schon seit mehreren Jahren kaputt, informiert der Rathaussprecher. Deshalb werde aktuell „konkret“ überlegt, den Wasserlauf zwar beizubehalten, ihn aber als trockenes Kiesbett zu gestalten. „Maximal an unterster Stelle kann das Wasserbecken bestehen bleiben.“ Dort hätten sich nämlich Sumpfpflanzen wie Schwertlilien und Binsen angesiedelt. Das Quellbecken würde dann ebenso mit Kies gefüllt und mit Granitfindlingen gestaltet werden, so die Überlegung. „So kann sich ein schönes Erscheinungsbild mit ergänzender Bepflanzung ergeben.“

Enorme Kosten

Gegen eine Wiederbelebung des Wasserlaufs spreche der „enorme Kostenaufwand“. Denn laut Kascha sei nicht nur Pumpe defekt. Es gebe Lecks im gesamten Wasserlauf. „Das ist dem Alter und der Sonneneinstrahlung geschuldet.“ Zum Austausch musste der gesamte Wasserlauf mit unzähligen Granitsteinen aufgenommen werden.

Hindergrund: Der Schierker Kurpark wurde 2002 aufwendig umgestaltet. Ideengeber war der Landschaftsplaner Martin Wirth. Der Bereich vor dem Rathaus bestach mit Wasserkaskade, oberharztypischen Findlingen, einer reichhaltigen Bepflanzung, krummen Wegen und kleinen Plätzen zum Verweilen. Auf gerade Linien und Formen wurde verzichtet, um eine Nähe zur Natur zu erreichen. Weiter hinten wurde die einstige Pavillonbühne zur Naturbühne verbreitert. Die Umgestaltung kostete damals 400.000 Euro. Der Großteil des Geldes kam von Land, Landkreis und der Bundesanstalt für Arbeit. Die Gemeinde trug einen Anteil von 20 Prozent.