Blankenburg

Harzstadt bekommt nun doch ihre Shell-Tankstelle - auch ohne Pylon

Der Mineralölkonzern Shell hat mit dem Bau einer Tankstelle in Blankenburg begonnen. Vorausgegangen war ein jahrelanges Gerangel um einen Werbepylon an der Autobahn. Davon ist nun keine Rede mehr. Ende des Jahres soll die Tankstelle mit Shop, Lkw-Stellplätzen, Waschanlage und E-Schnellladesäulen fertig sein.

Von Jens Müller 02.07.2021, 10:16
Bereits Ende Juni hat der Bau einer neuen Tankstelle in der Lerchenbreite in Blankenburg begonnen. Bis Ende des Jahres soll sie fertigs ein – samt Shop, Waschanlage und E-Ladesäulen
Bereits Ende Juni hat der Bau einer neuen Tankstelle in der Lerchenbreite in Blankenburg begonnen. Bis Ende des Jahres soll sie fertigs ein – samt Shop, Waschanlage und E-Ladesäulen Foto: Jens Müller

Blankenburg - Der weiträumige Aufbau eines Bauzauns zwischen dem Aldi-Markt und McDonalds im Blankenburger Gewerbegebiet Lerchenbreite hat schon vor Monaten die Frage aufgeworfen: Was wird dort wohl gebaut? Allein die Antwort ließ ebenso lange auf sich warten. Denn der Eigentümer der Fläche, die Deutschland-Tochter des Mineralölkonzerns Shell, hielt sich öffentlich bedeckt. Nachfragen blieben nebulös oder unbeantwortet. Erst als vor wenigen Tagen die ersten Bagger rollten, bestätigte Shell Deutschland das, was nun ohnehin für jeden sichtbar war: „Shell baut für Sie“. Und zwar eine Tankstelle.

Großer Shop mit Waschanlage und E-Ladesäulen

Nähere Details teilte die Hamburger Pressestelle auf neuerliche Volksstimme-Nachfrage mit. Demnach entsteht an der Lerchenbreite eine moderne Anlage mit drei sogenannten Multidispensern. Diese seien jeweils mit fünf Zapfpistolen auf jeder Seite für das traditionelle Pkw-Geschäft bestückt. Gespeist werden sie aus zwei unterirdischen 60.000-Liter-Tanks. Hinzu kämen eine separate Lkw-Säule sowie zwei Shell Recharge Schnellladesäulen mit einer Leistung von 150 Kilowatt. Als Erweiterung seien zwei weitere Schnellladesäulenplätze für Elektroautos vorgesehen. Auf dem 4500 Quadratmeter großen Areal entstehen außerdem ein 90 Quadratmeter großer Shop und eine Pkw-Waschanlage. Hinzu kämen vier Lkw-Parkplätze sowie eine „Insel“ für Druckluft, Wasser und Staubsauger. Zur Investitionssumme machte Shell keinerlei Angaben.

Lange Vorgeschichte

Die Ansiedlung einer Shell-Tankstelle in Blankenburg hat eine lange Vorgeschichte. So hatte sich das Unternehmen die Fläche in der Lerchenbreite bereits vor rund zehn Jahren gesichert. Im November 2011 kündigte der damalige Bürgermeister Hanns-Michael Noll (CDU) den nahenden Baubeginn auf einer Einwohnerversammlung an. Was folgte, war nicht nur das Warten auf die Baugenehmigung für die eigentliche Tankstelle. Um sie zu bewerben, hatte Shell zusätzlich ein kleines Grundstück am Platenberg erworben. Dort sollte ein 25 Meter hoher Werbepylon direkt an der damaligen Bundesstraße 6 für die nötige Aufmerksamkeit bei den Autofahrern sorgen.

Bis zu sechs Arbeitsplätze

Und ausgerechnet an diesem Pylon entzündete sich ein Streit, der bis in den sachsen-anhaltischen Landtag hallte. Denn ein solcher Werbemast ist an Sachsen-Anhalts Autobahnen verboten, wenn die Dienstleistung nicht direkt am Ort der Werbung angeboten wird. Zudem hätten einzelne Stadtratsmitglieder gern einen Hinweis auf Blankenburg auf dem Mast gesehen, damit nicht nur jeder weiß, was er tankt, sondern auch wo. Während Shell solchen Zusätzen eher skeptisch gegenüberstand, lehnte das Landesverwaltungsamt den Mast-Bau 2014 gleich ganz ab. 2015 kündigte Shell an, gegen die Ablehnung juristisch vorgehen zu wollen. Eine entsprechende Klage wurde im August 2017 vom Verwaltungsgericht in Magdeburg abgewiesen.

Standort mit Potenzial

Danach folgten widersprüchliche Aussagen zur Zukunft des Projektes, das nun doch umgesetzt wird – nur ohne Pylon. Wie es hieß, solle lediglich eine „normale Preisauszeichnung“ am Standort installiert werden. Immerhin spricht der nun begonnene Bau dafür, dass Blankenburg seit zehn Jahren nichts an seiner Attraktivität verloren hat: „Wir sind immer dabei, das Netz für unsere Kunden weiter zu optimieren. Der Standort hat für uns großes Potenzial“, hieß es aus Hamburg.

Pächterin freut sich auf neues Projekt

Richtige Freude auf das neue Projekt versprühte bei einem Pressetermin Annett Wank. Sie ist die Pächterin der neuen Tankstelle und betreibt bereits fünf Shell-Stationen in Magdeburg, Gerwisch und Möckern. Gemeinsam mit Thomas Hölck, dem Projektmanager des mit dem Bau beauftragten Unternehmens Artelia, Architekt Rainer Lubnow und Bauleiter Roland Möckel stellte sie Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU) die Details zum Bau vor, der – wenn alles glatt läuft – im November dieses Jahres beendet sein soll. Wie Annett Wank erklärte, werde sie fünf bis sechs neue Arbeitsplätze vor Ort schaffen.

Bürgermeister Heiko Breithaupt lässt sich von Tankstellenpächterin Annett Wank die Pläne für die neue Shell-Tankstelle  erläutern. Hinten Architekt Rainer Lubnow (rechts) und Projektmanager Thomas Hölck.
Bürgermeister Heiko Breithaupt lässt sich von Tankstellenpächterin Annett Wank die Pläne für die neue Shell-Tankstelle erläutern. Hinten Architekt Rainer Lubnow (rechts) und Projektmanager Thomas Hölck.
Foto: Jens Müller