Schmatzfeld l Die gute Nachricht zuerst - dem Kraftfahrer ist nichts passiert. Die schlechten Nachrichten allerdings sind ein zeitweiliger Stopp der Bauarbeiten auf der B 244 in Schmatzfeld und mehrere Haushalte, die stundenlang ohne Strom auskommen mussten.

Doch der Reihe nach: In Schmatzfeld wird gegenwärtig das letzte Teilstück der aktuellen B 244-Sanierung abgearbeitet. Die alte Fahrbahndecke wurde abgefräst, um anschließend eine neue aufzubringen. Parallel dazu werden kleinere Reparaturen ausgeführt. Die Arbeiten starteten im Sommer und sollen in Kürze beendet sein. Bislang verlief auch alles komplikationslos - bis zum Mittwochmittag, 4. November. Beim Bitumieren der Straße ereignete sich durch Unachtsamkeit eine Havarie.

Laster kippen Bitumen in Wanne

Normalerweise bringen mehrere, zeitlich genau getaktete Lkw frische Bitumenmasse zu einer Maschine, die den neuen Belag auf die Straße aufbringt. Die Ladung wird dadurch gelöscht, dass über die Ladewanne die Teermasse in die Maschine gekippt wird. Dazu ist es notwendig, die Wanne relativ steil aufzurichten.

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Ist die Ladung gelöscht, fährt der Kipper etwas vor, danach die Wanne wieder ein und begibt sich zu einem etwas entfernteren Ort am Ende der Baustelle, um die Wanne von Rückständen zu reinigen. Erst dort wird sie im Normalfall wieder angekippt.

So wurde es in den vergangenen Wochen mehrfach praktiziert - bis gestern ein Lkw-Fahrer seine Ladewanne nach dem Abkippen nicht in die Normallage zurück brachte und mit hochgefahrener Wanne zum etwa 100 Meter entfernten Reinigungsplatz fuhr.

Zwei Strommasten brechen ab

Kurz bevor er diesen erreichte, geschah das Ungewollte. Die Wanne überragte ein über die Wernigeröder Straße gespanntes Stromkabel. Der Kraftfahrer bemerkte dieses nicht, fädelte ein und riss das Kabel aus seiner Befestigung. Die Kraft war so groß, dass zwei Leitungsmasten gleich mit wegbrachen und für die eigentlichen Probleme sorgten.

Zum Glück wurde der Kraftfahrer des betroffenen Lkw von keinem Stromschlag getroffen und konnte sein Fahrzeug unverletzt verlassen. Der Schreck war ihm und den umstehenden Bauarbeiter-Kollegen aber anzusehen.

Die Arbeiten wurden sofort gestoppt und der Netzbetreiber Avacon über die Havarie verständigt. Die schickten auch gleich ein Reparaturteam los: Doch die Kabel einfach wieder zusammenflicken war nicht möglich. Die beiden umgeknickten Leitungsmasten wurden zum Hauptproblem. „Wir müssen sie neu setzen. Dazu benötigen wir Bagger und Hubsteiger. Das wird jetzt erst einmal alles organisiert“, sagte einer der Avacon-Mitarbeiter.

Sechs Grundstücke ohne Strom

Betroffen waren nach einer ersten Übersicht sechs Grundstücke in der Wernigeröder Straße in Schmatzfeld, die plötzlich ohne Strom waren. Einige wurden durch geänderte Schaltungen der Stromversorgung bald wieder ans Netz angeschlossen.

Doch für einige andere blieb der Strom auch den ganzen Nachmittag über weg. „Wir mussten die beiden Leitungsmasten sowie Bagger und anderes Gerät zum Havarieort fahren. Dann musste die Masten neu gesetzt und befestigt werden. Ich rechne damit, dass wir erst so gegen 20 Uhr die letzten Grundstücke wieder an das Elektronetz anschließen können“, erklärte Avacon-Pressesprecherin Corinna Hinkel am Nachmittag gegenüber der Volksstimme.

B 244 ab Mitte November wieder befahrbar

Unklar war am Mittwochnachmittag noch die genaue Höhe des Sachschadens durch die Havarie. Einige noch mit Bitumen beladene Lkw konnten zunächst nicht entleert werden. Für sie und weitere in den Produktionsprozess involvierte Fahrzeuge fielen zudem ungewollte Standzeiten an. Die Arbeiten auf der Bundesstraße 244 sollen nach Angaben vor Ort noch bis Mitte November andauern.

Zeitaufwändig wird es nochmal sein, sämtliche Grundstückseinfahrten an das neue Höhenniveau der Straße anzupassen. Dies kann nur nacheinander erfolgen und ist im Vergleich zur Straßendecke eher Kleinarbeit für die Arbeiter.