Restaurierung

Hermann-Löns-Denkmal: Wernigerodes beliebtester Aussichtspunkt wird auf Vordermann gebracht

Welcher Wernigeröder kennt den beliebten Aussichtspunkt auf dem Blockshornberg nicht? Doch der Hermann- Löns-Gedenkstein hat der Zahn der Zeit genagt.

Von Ivonne Sielaff
Restaurator Tom Zimmermann hat wahrscheinlich gerade den schönsten Arbeitsplatz der Stadt. Hoch über Wernigerode auf dem Blockshornberg verschönert er das Hermann-Löns-Denkmal. Löns prägte einst Wernigerodes Beinamen „Die bunte Stadt am Harz“.
Restaurator Tom Zimmermann hat wahrscheinlich gerade den schönsten Arbeitsplatz der Stadt. Hoch über Wernigerode auf dem Blockshornberg verschönert er das Hermann-Löns-Denkmal. Löns prägte einst Wernigerodes Beinamen „Die bunte Stadt am Harz“. Foto: Ivonne Sielaff

Wernigerode - Vorsichtig nähert sich Tom Zimmermann dem Granitblock mit seinem Werkzeug. Er stemmt es nicht etwa dagegen. Er streicht und kratzt vielmehr über die raue Oberfläche.

Der Potsdamer hat gerade wohl einen der schönsten Arbeitsplätze in Wernigerode – wenn auch nur auf Zeit. Der 54-Jährige, der sonst in ganz Europa tätig ist, restauriert das Hermann-Löns-Denkmal auf dem Blockshornberg. 1929 wurde der Granitfelsblock mit hoch über der Stadt aufgestellt. Ein Relief und die Inschrift „Dem trefflichen Schilderer der bunten Stadt am Harz“ erinnern an den Schriftsteller und Menschen Hermann Löns, der 1907 für einige Wochen mit seiner Familie in Wernigerode weilte. Während seines Aufenthaltes schrieb er nicht nur Aufsätze über Brocken und Brockenbahn. Er prägte zudem den noch heute gebräuchlichen Beinamen Wernigerodes – die bunte Stadt am Harz.

Seit über 90 Jahren wacht der mächtige Granitblock über die Stadt – zuerst mit Löns Bildnisrelief in Richtung des von ihm geschätzten Brocken. 1934 muste der Stein dann wegen der einsetzenden baulichen Erschließung des Blockhornberges weichen.

Beliebter Treffpunkt

Er wurde einige Meter weiter an seinen heutigen Standort direkt an den Berghang versetzt. Seither schaut Hermann Löns über seine bunte Stadt – wie übrigens auch viele Ausflügler, die an dem beliebten Treffpunkt gern die Aussicht genießen.

Doch die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen – sowohl an dem Fels als auch auf der Schrifttafel und auf dem aus gehämmertem Tombak gefertigten Relief. Etliche Risse und ein „großes Maß an Verschmutzung“ hat Tom Zimmermann am Stein festgestellt. In einem ersten Schritt hat er die Platten restauriert. Dann waren der Granitfels und sein Betonsockel dran. „Die Oberfläche wurde abgedampft und mit einem Mikropartikelverfahren gereinigt“, erklärt der Experte. Eine fehlende Schraube habe er in einer Kunstgießerei in Berlin nachfertigen lassen.

Die Arbeit wird noch einige Wochen in Anspruch nehmen, schätzt Tom Zimmermann ein. „So eine Restauration ist kein 100-Meter-Lauf.“ Bis zum 29. August – also zum 155. Geburtstag von Hermann Löns – soll die Aufhübschung des Steins aber abgeschlossen sein.

Umfeld wird verschönert

Initiiert hat die Restaurierung des Steins Wernigerodes OB Peter Gaffert (parteilos). „Das ist für Wernigerode ein wichtiges Denkmal“, so Gaffert. Löns habe die Stadt und den Brocken „unsterblich“ gemacht. „Und ich spüre und weiß, dass viele Menschen gerne hier oben sind.“ Löns und das Denkmal hätten es einfach verdient, wieder in einen schönen Zustand versetzt zu werden.

12.000 Euro kostet die Sanierung. Eine „mittlere vierstellige Summe“ hat der OB selbst bereitgestellt. Wieviel genau, das will er auch auf Volksstimme-Nachfrage nicht verraten. Nur so viel: Das Geld hatte Gaffert anlässlich seines 60. Geburtstags am 27. August 2020 gesammelt.

Die Stadtverwaltung möchte nun auch noch die kleine bepflanzte Aussichtsterrasse verschönern, kündigt Peter Gaffert an. Im Gartenamt laufe bereits die Planung. Wie viel die Aufwertung koste, werde noch ermittelt.

OB Peter Gaffert liegt das Denkmal am Herzen.
OB Peter Gaffert liegt das Denkmal am Herzen.
Foto: Ivonne Sielaff