Wernigerode l Mit Abstand betrachtet – die Bilder der dramatischen Ereignisse vor vier Monaten sind noch allgegenwärtig: Eine freigespülte Gasleitung in Silstedt, eine eingebrochene Straße in Hasserode, in unmittelbarer Nähe eine weggerissene Wehranlage, überflutete Straßen, vollgelaufene Keller. „Die Ereignisse rund um das Juli-Hochwasser haben uns zu schaffen gemacht“, so Bauamtschef Jörg Völkel. Und die Folgen werden der Stadt auch in den nächsten Jahren zu schaffen machen. Das wurde bei dem Pressegespräch deutlich, in dem Völkel und Vertreter des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) sowie des Unterhaltungsverbandes Ilse-Holtemme zum aktuellen Stand informierten.

Auf 9,9 Millionen Euro lassen sich die Schäden in Wernigerode und den Ortsteilen an den Gewässern 1. Ordnung – also Holtemme und Zillierbach – beziffern, so Flussbereichsleiter Christoph Ertl vom LHW. Besonders reingeschlagen habe dabei die Zerstörung des Wehres an der Hochschule in Hasserode. „Wir sind aktiv dabei, haben schon einige Schäden beseitigt.“ Dafür seien 2,45 Millionen Euro vertraglich gebunden worden. Etwa eine Millionen Euro davon wird in diesem Jahr verwendet, so Ertl.

Stützmauern unterspült

Schnell musste im Straßenbereich Insel reagiert werden, weil wegen der unterspülten Ufermauern ein Haus einzustürzen drohte, informierte LHW-Mitarbeiter Jens Kaufmann. Im Bereich Frankenfeldstraße und Am Auerhahn wurden in den letzten Monaten ebenfalls unterspülte Stützmauern gesichert und Gehölz entlang des Ufers entfernt. Das Wehr an der Hochschule sei laut Kaufmann provisorisch in Stand gesetzt. „Damit wollen wir weitere Ausspülungen während der Schneeschmelze verhindern.“ In diesem Bereich stehe die komplette Ufersanierung an. „Die Planungen laufen in Zusammenarbeit mit Stadt und den Versorgungsträgern. Anfang Februar geht es los“, sagt Kaufmann.

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Das Wehr selbst werde erst nach Sanierungsabschluss der Ufermauern – und damit frühestens in 2019 – wieder aufgebaut.

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Aktuell wird in Silstedt gearbeitet, wo ein Deich gebrochen war. Die Böschung wird gesichert, der Uferbereich von Gehölz befreit. 2018 stehen für Wernigerode die Holtemme-Abschnitte Im Stadtfelde und Am Auerhahn ganz oben auf der Prioriätenliste des LHV.

Problematische Rohre

Für die Gewässer 2. Ordnung – also die Zuflüsse von Holtemme und Zillierbach – ist der Unterhaltungsverband Ilse-Holtemme für die Unterhaltung zuständig, jedoch nicht für die Reparaturen und den Hochwasserschutz. Das sei Aufgabe der Stadtverwaltung. Große Probleme stellen laut Vorsteher Ulrich Eichler die Verrohrungen der Bachläufe dar. „Die Abflussquerschnitte reichen nicht aus“, so Eichler. Bei Starkregen würden die Bäche innerhalb von einer halben Stunde volllaufen. „Deshalb müssen die Engpässe beseitigt werden.“

Ob Gewässer 1. oder 2. Ordnung – beim Hochwasserschutz mahlen die Mühlen langsam, stellten Jens Kaufmann und Jörg Völkel klar. Die Realisierung hänge davon ab, wann die Genehmigungsverfahren abgeschlossen sind und Fördergeld bereitgestellt ist.

Um künftig besser vor Hochwasser geschützt zu sein, müsse für den Bereich Sandbrink/Mönchstieg eine umfassende Lösung her. „Aber das ist Zukunftsmusik“, so Völkel. Für 2018 sei geplant, den Sturzbach in Oberhasserode „abschnittweise zu erneuern“ – parallel zum Bau des Bahnübergangs in der Frankenfeldstraße. Zudem sei vorgesehen, Regenrückhaltebecken an der Zaunwiese (2018) und in Hasserode (2019) zu bauen. Zurzeit werde ein Hochwasserschutzkonzept für Wernigerode und die Ortsteile erarbeitet. Mitte 2018 soll ein „Maßnahmenkatalog“ vorliegen, „den wir je nach Finanzlage abarbeiten“, so Jörg Völkel.