Schierke l Gesteinsbrocken liegen auf dem Gelände verstreut. An einer Stelle türmen sich die Steine sogar zu einem Berg. Ansonsten Geröll, Schlamm und weiter hinten einige Bäume. Seit Jahren liegt das Grundstück des einstigen Schierker Hotels „Wurmbergblick“ brach.

Vor zehn Jahren, also kurz nach der Eingemeindung Schierkes, ließ die Stadt Wernigerode das leerstehende Erholungsheim abreißen. Schon damals wurde die freiwerdende Fläche zwischen Hagenstraße und Alter Dorfstraße als Filetstück gehandelt. Von mehreren potentiellen Investoren war die Rede. Aber nichts tat sich. Das Gelände diente indes als Lager für Baustellenschutt.

Dann kam die Arborea Hotel & Resorts GmbH. Für 20 Millionen Euro wollten die Investoren ein 110-Bettenhaus mit Baumsauna und Amphitheater bauen und in dem neuen Hotel 60 bis 70 Arbeitsplätze schaffen. Ihre Pläne stellten die Arborea-Leute 2016 öffentlich vor – mit der Bitte an die Stadt, das Areal für ihr Projekt zu reservieren. Anfang 2019 wurden schließlich Nägel mit Köpfen gemacht: Das Grundstück wechselte den Besitzer. Die Arborea-Investoren unterzeichneten einen Kaufvertrag mit der Stadt.

Bilder

Aus für 20-Millionen-Hotel

Ein gutes halbes Jahr später die Rolle rückwärts. Das 20-Millionen-Projekt war gestorben. Die Investoren wollten vom Kaufvertrag zurücktreten. Wernigerodes OB informierte die Stadträte im August 2019 über den Rückzug von Arborea - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Öffentlich wollte man sich zu dem Zeitpunkt nicht äußern. Auch die Arborea GmbH hielt sich damals bedeckt. Es würden noch Gespräche geführt, hieß es aus dem Unternehmen.

Gespräche, die inzwischen wohl abgeschlossen sind. Denn die ehemaligen Investoren bestätigen nun sechs Monate später ganz offiziell das Aus ihres Projektes. „Die Arborea-Gruppe hat sich von den Plänen in Schierke verabschiedet“, so eine Sprecherin des Unternehmens auf Volksstimme-Nachfrage. Die vorhandene vertragliche Situation werde deshalb rückabgewickelt. Als Gründe für den Rückzug nennt die Sprecherin „deutlich geringere Förderungsmöglichkeiten als vorher suggeriert und somit eingeplant“ sowie die Nicht-Realisierung der Seilbahn. Die Arborea-Gruppe hatte ihr Interesse von vornherein an den Bau der Ganzjahreserlebniswelt am benachbarten Winterberg mit Seilbahn und Skipiste geknüpft.

„Diese beiden Gründe wirken sich in doppelter Hinsicht negativ auf das Vorhaben aus“, so die Arborea-Sprecherin weiter. Zum einen sei ein „deutlich höherer Kapitaleinsatz“ notwendig.“ Zum anderen werde mit einer niedrigeren Auslastung und damit auch mit niedrigeren Umsätzen aufgrund der fehlenden Seilbahn gerechnet. „In der Kombination ist das nicht mehr zu realisieren.“

Für die Stadt Wernigerode erst einmal ein Rückschlag. Ziel sei es aber nach wie vor, auf dem Grundstück die gewünschte Projektentwicklung - nämlich einen Hotelneubau - zeitnah zu erreichen, heißt es auf Nachfrage von Rathaussprecher Tobias Kascha. Was Kascha trotz Nachfrage unerwähnt lässt, ist dass es bereits einen neuen Interessenten gibt.

Verhandlungen stocken

Und der macht keinerlei Geheimnis aus seinem Wunsch, das Areal kaufen zu wollen. „Wir interessieren uns über unser Tochterunternehmen ‚Das Schierke Harzresort GmbH‘ für das Grundstück Wurmbergblick“, so Sebastian Lüder von der Lüder-Gruppe aus Hildesheim. Lüder hat bereits mehrere Millionen Euro in Schierke gesteckt. Ein Feriendorf mit 36 Häusern in unmittelbarer Nähe geht mit auf das Konto des Unternehmens. Nach dem „großen Erfolg“ des Ferienresorts bestehe Interesse, „auf dem Nachbargrundstück in ein Wellnesshotel für Familien“ zu investieren. Man sei mit der Stadt Wernigerode in Verhandlungen, komme „jedoch nicht so richtig weiter“, so Sebastian Lüder. „Obwohl wir mit dem Schierke Resort unsere Umsetzungsstärke und Zuverlässigkeit klar bewiesen haben.“ Er wolle das Angebot bis März aufrecht erhalten und dann weiter sehen.

Der Grund für das Zögern der Stadt könnte bei den Stadträten liegen. Schon im August hatten einige Lokalpolitiker Bedenken angemeldet, weil sie eine zu große Dominanz der Lüder Gruppe in Schierke befürchten. Das Grundstück solle stattdessen öffentlich ausgeschrieben werden, so ihre Forderung. Laut Tobias Kascha steht die Entscheidung dazu noch aus. Aktuell würden Gespräche mit „unterschiedlichen Beteiligten und den Stadträten“ über das weitere Vorgehen geführt.