Wernigerode l Die Edelstahlküche wird auf Hochglanz poliert, Gläser und Servietten noch einmal ausgerichtet, Putzmittel in Kisten verstaut. Robin Pietschs prüfender Blick schweift durch den Raum. Steht alles an seinem Platz? In wenigen Stunden muss alles perfekt sein. Dann kommen die ersten Gäste zur Eröffnung des Restaurants PIEKET im Herzen der Wernigeröder Innenstadt.

Der Erfolgsdruck ist hoch. Immerhin ist Robin Pietsch der einzige Sternekoch Sachsen-Anhalts. Er präsentiert sich regelmäßig in TV-Shows und im Radio mit seiner Kochkunst. Und er führt bereits ein erfolgreiches Restaurant, das Zeitwerk, keine 300 Meter Luftmeter vom PIEKET entfernt.

Neue Wege gehen

Mit dem neuen Lokal – das er als „Tresenrestaurant“ bezeichnet – will er neue Wege gehen, sich einen Traum erfüllen, sagt der gebürtige Blankenburger. Einzelne Tische gibt es nicht. Stattdessen stehen 14 Stühle an einem neun Meter langen Tresen. Die Einrichtung ist reduziert – so fällt der Blick der Gäste sofort auf das Herzstück des kleinen, länglichen Raums: die Küche. Es wird direkt vor den Gästen gekocht. „Sie können jede Handbewegung, jeden Schritt sehen. Schließlich haben wir nichts zu verstecken“, sagt Pietsch. Die Gäste sollen nicht nur zuschauen, wie gekocht wird, sondern den Köchen Fragen stellen können.

Und was wird serviert? „Ein festgelegtes Menü“, sagt der Koch. „Wir verbinden beste regionale Produkte mit japanischer Küche.“ Kaiseki – aufwendige, aber leichte Gerichte, die als Menü serviert werden – ist die Spezialität von Jürgen Kettner. Den Österreicher, der schon Erfahrung in Sterne-Restaurants sammelte, hat Pietsch als Küchenchef ins Team geholt. Die beiden 30-Jährigen kennen sich seit gut acht Jahren. „Wir haben uns bei einem Wettbewerb für Jungköche kennengelernt“, berichtet Kettner. Damals Konkurrenten, stehen sie heute gemeinsam am Herd.

Ausgerechnet dieser hat das Projekt fast ins Wanken gebracht. „Unser Küchenbauer hat uns im Stich gelassen“, berichtet Pietsch. „Darum kümmert sich jetzt ein Anwalt.“ Die Kücheneinrichtung – eine Sonderanfertigung für eine fünfstellige Summe – wurde nie geliefert, Anfragen ignoriert, die Anzahlung nicht zurückgezahlt, berichtet Pietsch. Die Eröffnung, für den 15. Juni geplant, musste verschoben werden. Und das, obwohl das Restaurant bereits für mehrere Tage ausgebucht war.

„Wir hatten das große Glück, dass wir eine Firma aus Magdeburg gefunden haben, die uns innerhalb von nur einer Woche eine maßgefertigte Küche gezaubert hat“, sagt Robin Pietsch. „Jetzt kann es endlich losgehen.“