Wernigerode l Die Würfel sind gefallen: Der künftige Harzer Kreistag ist – wie erwartet – bunter und es wird in Zukunft – davon ist auszugehen – unter den 60 Mandatsträgern deutlich konträrer zur Sache gehen. Die AfD kann sich Hoffnung auf etwa acht Mandate im Kreisparlament machen. Die dafür nötigen Plätze müssen CDU, SPD und Linke räumen – die drei Parteien verloren nach Auszählung von 163 der 202 Wahlbezirke zwischen 7,4 und 4,3 Prozent. Bei den bislang vertretenen Parteien konnten insbesondere die Grünen zulegen: um 2,7 Prozent.

Entsetzen herrschte partei- und wählergruppenübergreifend insbesondere mit Blick auf das Abschneiden der AfD. Nachdem die Protestpartei bei der Kreistagswahl vor fünf Jahre kaum in Erscheinung getreten war, holte sie nun auf Anhieb gut 14 Prozent. „Das geht gar nicht“, so Henning Rühe, bislang Fraktionschef der Wählergruppe Bürger unseres Kreises ohne Parteibuch (Buko). „Aus meiner Sicht ist das schrecklich“, sagte SPD-Fraktionschefin Birgit Voigt.

Doch es ging – um im Bild zu bleiben – deutlich „schrecklicher“: In Sorge holte die AfD bei der Europawahl 24,4 Prozent und lag damit vor CDU (22,2), Linken (20,0), Grünen (13,3) und SPD (8,8). 64 Prozent der 70 Sorger Wahlberechtigten gingen zu Abstimmung und setzten augenscheinlich auf Protest.

Schäche der anderen statt AfD-Stärke?

Für CDU-Fraktionschef Thomas Balcerowski kommt das Ergebnis der Kreistagswahl nicht überraschend. „Es war klar, dass der Kreistag bunter wird und wir eine AfD-Fraktion haben werden. Die AfD hat jedoch nicht aufgrund der eigenen Stärke zulegen können, sondern aufgrund der Schwäche der anderen, die CDU eingeschlossen.“ Das Minus bei Infrastruktur und Daseinsvorsorge münde bei den Wählern in den Protest, so Balcerowski.

Mit 64 Prozent Wahlbeteiligung lagen die Sorger ebenfalls an einer Spitzenposition. Insgesamt kletterte die Wahlbeteiligung bei allen Wahlgängen im Harz. Bei der Kreistagswahl gab es im Vergleich zu 2014 ein Plus von neun Prozent auf knapp 50 Prozent. Damit ist ein klarer Sieger der Wahlen klar: die Demokratie. Da die Wahlzettel für die bis zu vier Wahlgänge vergleichsweise groß und zuweilen recht unübersichtlich waren, dauerte der Urnengang vielerorts länger als in der Vergangenheit. Die Wähler nahmen Wartezeiten, die in Spitzenzeiten bei bis zu 45 Minuten lagen, fast immer klaglos hin.