Wernigerode l Krisenstimmung beim Elektromotorenhersteller VEM motors in Wernigerode: Aufgrund von Auftragsrückgängen sieht sich die Geschäftsleitung gezwungen, einen Teil der insgesamt 420-köpfigen Belegschaft ab August in Kurzarbeit zu schicken. Ein Ansinnen, bei dem Standort-Geschäftsführer Ralf Stürtzbecher den Betriebsrat an seiner Seite weiß. Dessen Chef Burkhard Goerke signalisiert gegenüber der Volksstimme grundsätzliche Zustimmung. Die Verhandlungen über eine entsprechende Betriebsvereinbarung seien auf Augenhöhe geführt worden und praktisch auf der Zielgeraden, so der Chef des VEM-Gesamtbetriebsrats. „Wir sind überzeugt, gemeinsam eine Lösung gefunden zu haben“, so Goerke.

In den nächsten Tagen könnte die Vereinbarung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite final abgesegnet werden. Dann könnte die Kurzarbeit, die schwerpunktmäßig den Fertigungsbereich betreffen wird, zum 1. August beginnen.

Arbeitsplätze retten

Die Hoffnung, die VEM-Chef Stürtzbecher und Betriebsratschef Goerke mit der Kurzarbeit verbinden, ist klar: „Es geht um 420 Arbeitsplätze, die wir gemeinsam retten wollen.“ Retten, bis wieder Licht am Ende des Tunnels erkennbar ist.

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Letzteres sehen die beiden Verantwortlichen: „Wir gehen davon aus, dass sich die Auftragssituation Anfang/Mitte kommenden Jahres verbessern wird“, so Stürtzbecher. Bei Kunden gebe es entsprechende Signale hinsichtlich neuer Aufträge. Bis dahin müsse die Durststrecke überstanden werden.

Auftragsflaute bei VEM

Die Auftragsflaute bei VEM und die daraus resultierenden Konsequenzen machen spätestens seit einer entsprechenden Information der Belegschaft in der Region die Runde. Die daraufhin kursierenden Gerüchte gehen dabei – wie so oft in solchen Fällen – deutlich weiter. So fallen auch die Worte „Schließung“ und „Verkauf“. „Mit Sicherheit nicht“, kontert Geschäftsführer Stürtzbecher. Man strebe aus besagten Gründen vorübergehend Kurzarbeit an – mehr nicht.

Ursache sei ein extremer Auftragsrückgang im Exportgeschäft, aber auch im Inland. Alles in allem ist von rund 20 Prozent die Rede. Wobei VEM – im Volksmund besser als Elmo-Werk bekannt – bislang finanziell gut aufgestellt sei, so der Gesamtbetriebsrat. „VEM geht es ökonomisch so gut wie schon lange nicht mehr, die gesamte VEM-Gruppe ist finanziell nicht gefährdet“, betont Goerke mit Blick auf andere Standorte wie Dresden oder Zwickau.

Auf die Kostenbremse treten

Nun streben die Verantwortlichen an, rechtzeitig auf die Kostenbremse zu treten. Im Instrument Kurzarbeit sieht Goerke zudem Chancen für die Belegschaft. „Kurzarbeit ist keine Katastrophe. Unser Ehrgeiz als Betriebsrat ist, aus dieser Lücke noch Profit für die Firma zu machen.“ Konkret: Qualifikationen und Kurse für die Belegschaft. Auch dafür bedürfe es besagter Betriebsvereinbarung.

Kommt diese wie erwartet zustande, soll ab August insbesondere im Fertigungsbereich Kurzarbeit angesagt sein. Wie und in welchem Umfang genau, werde operativ entschieden – man könne mit Blick auf die Auftragslage immer nur etwa sechs Wochen im Voraus planen und entscheiden. VEM produziere Elektromotoren für verschiedenste Abnehmer.

Mit Lohneinbußen rechnen

Während die Mitarbeiter im Fertigungsbereich dann mit Lohneinbußen rechnen müssen, sollen die Abteilungen Forschung/Entwicklung und Vertrieb weiter auf Hochtouren arbeiten. Es gehe darum, mit innovativen Lösungen am Markt konkurrenzfähig zu bleiben und natürlich über den Vertrieb neue Aufträge an Land zu ziehen, um so schnell wie möglich wieder ins richtige Fahrwasser zu kommen. Die betroffenen Mitarbeiter erhalten nach Angaben der VEM-Chefetage für die Tage mit Kurzarbeit zwischen 60 Prozent (ohne Kinder) und 67 Prozent (mit Kindern) des regulären Salärs. Obendrein würden firmenintern noch Zulagen angestrebt. Die Kurzarbeit soll über sechs Monate – bis Ende Januar 2020 – bei der Agentur für Arbeit beantragt werden.

Während Kurzarbeit bei VEM erst ab August Thema sein soll, ist sie bei Automobilhersteller Nemak längst aktuell. Nach Angaben von Geschäftsführer Frank Lehmann mündeten Auftragsrückgänge beim Zylinderkopfhersteller schon seit dem Frühjahr in betriebliche Anpassungen. Nach drei Tagen im April für die gewerblichen Mitarbeiter, seien im Mai und Juni die Angestellten unter den insgesamt rund 700 Mitarbeitern betroffen gewesen. Im Juli und August sollen wieder die Kollegen im Fertigungsbereich mit monatlich durchschnittlich fünf Tagen folgen. „Wir versuchen, die Kurzarbeit gleichmäßig aufzuteilen“, so der kaufmännische Geschäftsführer.

Frank Lehmann betont zugleich, dass die Kurzarbeit keine zeitlichen Auswirkungen auf die reguläre Betriebsruhe habe. Nemak fahre die Produktion Jahr für Jahr im Sommer turnusmäßig runter, um Maschinen und Anlagen zu warten. So auch diesmal – 14 Tage im August. Im Schnitt würden jährlich rund 120 000 Zylinderköpfe gefertigt. Kommentar