Wernigerode l Wenn es um die Förderung von Musiktalenten geht, ist Wernigerode in einer glücklichen Lage. In der bunten Stadt am Harz sind mit der Kreismusikschule und dem Landesmusikgymnasium gleich zwei Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft ansässig. Beide Bildungsstätten wollen jetzt noch enger zusammenarbeiten.

„Wir wollen unsere Kooperation auf eine neue Ebene heben“, erläutert Detlef Gieseler, Leiter des Landesmusikgymnasiums. Die Richtlinien der zukünftigen Zusammenarbeit, seien in ein „transparentes, belastbares Konzept gegossen“ worden. Beide Einrichtungen haben mehr als 50 gemeinsame Schüler. „Das heißt, jeder sechste Schüler von uns wird auch an der Kreismusikschule unterrichtet“, so Gieseler.

Spannung rausnehmen

Ziel sei es, den Alltag für die Schüler zu entkrampfen, sagt Kreismusikschulchefin Ulrike Stumpf-Schilling. „Der Tag hat nur 24 Stunden. Und wir wollen ein bisschen Spannung rausnehmen und Entspannung für die Schüler schaffen.“ Ob alle Schüler von den Festlegungen Gebrauch machen, sei eine andere Frage.

Schwerpunkte der Kooperationsvereinbarung sind:

1: Die Anerkennung von Unterrichtsinhalten: So soll die Musiktheorethische Ausbildung am Gymnasium auch an der Kreismusikschule anerkannt werden. Die betroffenen Schüler wären dann vom Theorieunterricht an der Musikschule befreit.

2: Die Abstimmung von Unterrichtszeiten und -umfängen: Beispielsweise verkürzte Ensemblezeiten und Chorproben für die Gymnasiasten.

3: Möglichkeit zur Dauerhaften oder temporären Ensemblebefreiung am Gymnasium für Instrumentalisten der Kreismusikschule.

4: die Anerkennung von Instrumenalleistungen der Kreismusikschüler am Gymnasium.

Weiterhin sind eine engere Zusammenarbeit der Lehrer beider Einrichtungen und die Harmonisierung der Bewertungssysteme vorgesehen.

Stolz auf Kooperation

„Unsere Vereinbarungen sind naheliegend wie logisch“, sagt Detlef Gieseler. Aber das Ganze habe erst wachsen müssen. Ihm wie auch Ulrike Stumpf-Schilling sei es wichtig, dass die Schüler merken, dass beide Einrichtungen an einem Strang ziehen und nicht gegeneinander arbeiten.

Das sei nicht immer so gewesen. Nach der Wende standen beide Institutionen in einer Art Konkurenzsituation. „Es wurde um jeden Schüler und jede Probenzeit gekämpft“, blickt Gieseler zurück. „Jeder hat geschaut, dass er mit den besten Schülern arbeitet.“ Das sei aber inzwischen längst ad acta gelegt. Zwischen beiden Schulleitungen herrsche eine „kooperative Atmosphäre“. „Wir sind schon ein etwas stolz auf das, was uns da gelungen ist.“

Hintergrund: 500 Schüler besuchen in Wernigerode die Kreismusikschule. Am Landesgymnasium für Musik lernen 300 Mädchen und Jungen. Etwa 50 Schüler besuchen beide Einrichtungen.