Oberharz

Künftige Forstwirte erwerben in Elend Wissen für ihren Beruf

Mitten im Waldwandel bereiten sie sich auf das Berufsleben vor: Elf angehende Forstwirte lernen derzeit im Betreuungsforstamt Elend ihr Handwerk.

Von Katrin Schröder
Niklas Enrico Siedentopf, Kai Hermann und Philipp Ihring (von links) haben im August eine Ausbildung zum Forstwirt im Betreuungsforstamt Elend begonnen.
Niklas Enrico Siedentopf, Kai Hermann und Philipp Ihring (von links) haben im August eine Ausbildung zum Forstwirt im Betreuungsforstamt Elend begonnen. Foto: Katrin Schröder

Elend - An der Jagdhütte an der Ramsenhöhe stapeln sich die Holzgestelle. Drei junge Männer heben mit ihrem Ausbilder Frank Nienstedt einen Drückjagdsitz auf den anderen. Dann greifen sie zu Harke und Schubkarre: Das Grün rund um die Hütte im Landeswaldrevier Elend wuchert. In ihrer ersten Arbeitswoche helfen die neuen Auszubildenden dort, wo Unterstützung gebraucht wird. „Wenn sie erst den Umgang mit Motorsäge und Freischneider gelernt haben, können sie mit der Technik arbeiten“, sagt Carsten Brett vom Betreuungsforstamt Harz.

Elf Auszubildende in drei Ausbildungsjahren sind derzeit in Elend beschäftigt, berichtet der stellvertretende Forstamtsleiter. Am Hauptsitz in Wippra sind es noch einmal so viele. Acht Plätze werden pro Jahr an den beiden Standorten neu besetzt. „Wir bekommen stets rund 50 Bewerbungen“, so Carsten Brett. Vor wenigen Jahren wollten allerdings noch viermal so viele Schulabgänger im Wald arbeiten. „Dafür haben diejenigen, die sich bewerben, wirklich Interesse am Beruf.“

Wie Philipp Ihring: „Mein Großvater ist Jäger. Ich bin von klein auf mit ihm im Wald gewesen“, berichtet der 17-Jährige aus Derenburg. Ihm gefalle es nach der ersten Arbeitswoche im Forstamt – ebenso wie seinem Kollegen Niklas Enrico Siedentopf, ebenfalls 17 Jahre alt. „Meine Eltern haben mich so erzogen, dass ich viel rausgegangen bin an die frische Luft. Konsolen gab es nicht“, berichtet der junge Derenburger. Die Kollegen seien „höflich und nett“, man könne jederzeit Fragen stellen.

Zapfen für neues Saatgut

Kai Herrmann hat vorab ein Schülerpraktikum beim Forstamt absolviert. „Das war zunächst eine Schnapsidee von meinem Vater“, berichtet der 17-Jährige aus Elbingerode – aber eine gute. „Es hat mir einfach Spaß gemacht.“ Dabei war seine Aufgabe durchaus anstrengend: Zwei Wochen lang hat er in erster Linie Fichtenzapfen aufgesammelt.

Diese dienen als Keimzelle für neue Bäume und mussten rasch geborgen werden. „Wir brauchen unbedingt hochwertiges Saatgut“, sagt Carsten Brett. Mit Fragen wie dieser werden sich angehende Forstwirt verstärkt beschäftigen müssen. Zwar werde 2022 wegen der anhaltenden Borkenkäferplage noch im Zeichen der verschärften Holzernte stehen. „Doch in den kommenden Jahren ist vor allem Pflanzen und Pflege angesagt“, so Brett. Die Arbeit im Wald werde sich völlig verändern.

Kahlschlag

Das weiß auch Felix Schneidewind. „Als ich angefangen habe, war hier über all noch Wald“, sagt der 20-Jährige. Nun hat er gemeinsam mit seinen Kollegen das Umfeld von frisch gepflanzten Setzlingen freigeschnitten. Ende Juli hat Felix Schneidewind seine Ausbildung zum Forstwirt abgeschlossen – mitten im Waldwandel. Dieser begleitete den Friedrichsbrunner durch die Ausbildung. „Wenn ich nach vier Wochen aus der Berufsschule zurückkam, war wieder eine neue Fläche kahl.“ Für ihn war schon immer klar, welchen Beruf er ergreifen will. „Mein Vater ist Förster, wie es mein Großvater und mein Urgroßvater schon waren. Auch meine Schwester hat Forstwirtschaft studiert“, berichtet Schneidewind.

Nach erfolgreicher Abschlussprüfung arbeitet er nun im Landesforstbetrieb Oberharz. Seit drei Jahren werde wieder ein Teil der Absolventen übernommen, sagt Carsten Brett. Der Nachwuchs habe aber auch in der Privatwirtschaft gute Chancen. Gelernt werde jedoch vorrangig im Landesforst – das Betreuungsforstamt gehört zum Landeszentrum Wald, das unter anderem für die Ausbildung zuständig ist. Wer im Vorstellungsgespräch überzeugt, hat auch mit Hauptschulabschluss eine Chance, sagt Brett. Grundsätzlich sei aber das Abschlusszeugnis der Realschule die optimale Grundlage. Pro Jahr würden zudem zwei Abiturienten eingestellt. „Wichtig ist, dass man eine gewisse körperliche Fitness hat“, so Brett.

Harzer beim Bundeswettkampf

Auch wenn mancher durchfalle, könnten sich die Leistungen der Harzer insgesamt sehen lassen, sagt Brett – etwa beim Berufswettkampf „Grüne Berufe“, in dem sich alle zwei Jahre Auszubildende messen. „In den vergangenen zehn Jahren ist es mir gelungen, jeweils mindestens einen Auszubildenden zum Bundesausscheid zu schicken.“

Dort zeigen sie, was sie gelernt haben – den Umgang mit Motorkettensäge und Freischneider zum Beispiel, der im ersten Lehrgang vermittelt wird. In der Schule wird mit dem Harvester-Simulator gelernt, die Azubis absolvieren Lehrgänge für die Bedienung des Hubsteigers sowie für das Rücken von Kurz- und Langholz. „Die Technikausbildung ist das, was vielen Spaß macht“, weiß Carsten Brett.

Der Unterricht wird in Blöcken absolviert, die Auszubildenden verbringen dann mehrere Wochen pro Jahr im Internat. In der Berufsschule lernen sie aber, wie junge Bäume gepflanzt werden und was sie zum Aufwachsen brauchen. Die jungen Forstwirte könnten sich „intensivst“ in den Waldumbau einbringen. „Das ist eine Riesenaufgabe, aber auch ein gutes Gefühl“, sagt Carsten Brett. Was gerade im Harzwald geschieht, bewegt die Auszubildenden, sagt Kai Herrmann. „Man möchte etwas gegen das Waldsterben tun.“

Felix Schneidewind aus Friedrichsbrunn hat im Betreuungsforstamt Elend eine Ausbildung zum Forstwirt absolviert.
Felix Schneidewind aus Friedrichsbrunn hat im Betreuungsforstamt Elend eine Ausbildung zum Forstwirt absolviert.
Foto: Katrin Schröder