Wernigerode l Überall im Land sind Lehrer Mangelware – das gilt auch für Wernigerode. Die weiterführenden Schulen der Stadt suchen Personal. Im Stadtfeld-Gymnasium fehlt ein Lehrer für Mathe und Englisch, die Thomas-Müntzer-Sekundarschule sucht Verstärkung für den Französischunterricht, und in der Ganztagsschule Burgbreite werden Pädagogen mit mathematischem und naturwissenschaftlichem Hintergrund gebraucht.

Besetzt werden konnten diese Stellen bisher nicht. Nur das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium konnte zum Schuljahresbeginn einen neuen Kollegen begrüßen. Darüber hinaus haben die Schulen nach Volksstimme-Informationen einen noch größeren Bedarf an Lehrern – zum Beispiel weil Kollegen dauerhaft krank sind oder in Elternzeit gehen. Für diese Pädagogen ist jedoch kein Ersatz vorgesehen. Die Grundschulen der Stadt sind, was die Personalausstattung angeht, ebenfalls am Limit.

Vertretungspläne

Dass für die Harzer Schüler dennoch relativ wenig Stunden ausfallen, liegt daran, dass die Schulen ständig mit Vertretungen jonglieren. Die im Internet veröffentlichten Pläne umfassen mehrere Seiten und zeigen, wie kompliziert die Verwaltung des täglichen Personalmangels ist. Auf Volksstimme-Nachfrage verweisen die Schulen jedoch an das Landesschulamt.

Auf dem Papier sehen die Zahlen gar nicht so schlecht aus, erklärt Silke Stadör von der Behörde in Halle. Verglichen mit dem Landesdurchschnitt sei der Harzkreis mit pädagogischem Personal gut versorgt – Zahlen nur für Wernigerode gibt es nicht.

„In den Schulformen Grundschule, Gemeinschaftsschule und Gymnasium werden sogar fast die angestrebten 103 Prozent erreicht. Das schließt nicht aus, dass einzelne Schulen noch Bedarf haben“, sagt Silke Stadör. 103 Prozent gelten als Minimum, damit kranke Lehrer vertreten werden können. Die Gymnasien im Landkreis kommen derzeit auf 102,3 Prozent, Grundschulen auf 102,5 Prozent, Sekundarschulen auf 100,4 Prozent. Alle anderen Schulformen sind deutlich schlechter dran. Am größten ist der Mangel mit 97,2 Prozent an Förderschulen und Berufsbildenden Schulen mit 96 Prozent. „Vor allem in den Mangelfächern Mathe und in den naturwissenschaftlichen Fächern gibt es Engpässe“, so Silke Stadör. Grundsätzlich sei die Unterrichtsversorgung jedoch nicht gefährdet.

Um die Lücken zu füllen, zieht das Land alle Register und hat erneut unbefristete Stellen ausgeschrieben. Bis heute können sich Interessenten bewerben, unter anderem auf vier offene Stellen an Wernigeröder Schulen. Zum Bewerberkreis zählen inzwischen auch frühere DDR-Lehrer sowie Seiteneinsteiger – Absolventen, die nicht Lehramt studiert, aber einen Master- oder ähnlichen Hochschulabschluss haben.

Dass nicht jede Stelle gleich besetzt wird, ist laut Bildungsgewerkschaft jedoch nicht das Hauptproblem. Alexander Pistorius von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft treibt noch etwas um. An den Schulen sind nur wenige Lehrer unter 45 Jahren. „Das Lehrkräfteproblem wird also mindestens noch 20 Jahre aktuell bleiben“, so Pistorius.