Kindertagesstätte

Nach vielen Verzögerungen soll das „Kinderland“ in Heimburg endlich wieder öffnen

Von Jens Müller
Der in blau und gelb gehaltene Krippenanbau der Kita Heimburg (links) und der Altbau aus den 1930er Jahren (rechts). Noch sind einige Restarbeiten zu erledigen. Im Juni sollen die Kinder endlich einziehen können.
Der in blau und gelb gehaltene Krippenanbau der Kita Heimburg (links) und der Altbau aus den 1930er Jahren (rechts). Noch sind einige Restarbeiten zu erledigen. Im Juni sollen die Kinder endlich einziehen können. Jens Müller

Heimburg

Spötter hatten es schon „Blankenburgs Schierke“ getauft: Denn ähnlich wie bei der von Pannen begleiteten Sanierung der Kindertagesstätte im Wernigeröder Ortsteil haben sich auch in Heimburg die Arbeiten an Kindergarten, Krippe und Hort immer wieder verzögert, mussten Pläne geändert und deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden. „Alles was hätte schiefgehen können, ist schief gegangen“, blickt Regina Großert, Leiterin der Heimburger Kindertagesstätte zurück. Seit nunmehr drei Jahren werden ihre Schützlinge in einem Ausweichquartier im Sportlerheim betreut. „Doch jetzt ist eine Grenze erreicht“, so Regina Großert, die mit ihren Kollegen und den Kindern den Einzug in ihr neues Reich so sehr herbeisehnt, wie sie zur jüngsten Bauberatung bekannte. Zuletzt waren sie von einem Umzug schon im März dieses Jahres ausgegangen.

Bis Ende Mai alle Bauabnahmen

Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU), Bauamtsleiterin Madeleine Bürger und Sabine Pape, die für das Projekt zuständige Mitarbeiterin im städtischen Bauamt, hatten nun aber frohe Kunde mitgebracht: „Wir sind auf der Zielgeraden. Bis Ende Mai erfolgen alle behördlichen Abnahmen, so dass der Umzug Mitte Juni realistisch ist“, kündigte Breithaupt an. „Damit fällt uns eine riesige Last von den Schultern“, ergänzte Planer Norbert Stegmann aus Quedlinburg, der das Projekt federführend begleitet.

Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt beim Rundgang mit Bauamtsmitarbeitein   Sabine Pape, Kita-Chefin Regina Großert und Planer Norbert Stegmann (von links).
Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt beim Rundgang mit Bauamtsmitarbeitein Sabine Pape, Kita-Chefin Regina Großert und Planer Norbert Stegmann (von links).
Jens Müller

Marode Veranda sollte abgerissen werden

Sie erinnerten dabei an die Anfänge des Projekts im Jahr 2016 und die vielen Hindernisse, die während der Planungen und der Bauphase auftraten und letztlich zu den Verzögerungen geführt hatten. So war ursprünglich geplant, die marode Veranda durch einen modernen Anbau zu ersetzen, die Heizung umzustellen und einige Instandsetzungsarbeiten zu erledigen. Sabine Pape hatte sich dann aber dafür eingesetzt, gleich auch das Hauptgebäude mit zu betrachten und zu sanieren.

Möglich wurde dies nicht zuletzt durch einen positiven Förderbescheid aus dem Bund-Länder-Programm Stark V in Höhe von 918.629 Euro. Dafür sollten die desolate Veranda abgerissen, ein Krippenbereich neu gebaut, neue Heizungs-, Sanitär- und Elektroanlagen installiert, ein Bewegungsraum, Kinderwagenstellplätze und einiges mehr entstehen.

Viele Mängel festgestellt

„Doch wenn man erst einmal anfängt, kommt immer mehr dazu“, blickte Heiko Breithaupt zurück. So seien nicht nur erhebliche Mängel beim Brandschutz zutage getreten, sondern auch an der gesamten Bausubstanz, die im Vorfeld so nicht abzusehen waren. „Es wurde daraufhin nahezu alles entkernt“, so Breithaupt. „Dabei wurde wiederum festgestellt, dass das Dach keine tragende Konstruktion mehr aufweist. Es war erstaunlich, dass es über die Jahre so gehalten hat.“ Zudem zog sich Schwammbefall vom Dach bis in die untere Etage hinein. Hinzu kamen Feuchtigkeitsschäden, Asbestbelastungen, fehlende Fußbodenaufbauten und einiges mehr. Kaum auf die Zielgerade eingebogen, sorgte die Corona-Pandemie noch einmal für Stillstand auf der Baustelle: Mitarbeiter einer Malerfirma mussten in Quarantäne.

Die zusätzlich notwendigen Arbeiten und die allgemeine Steigerung der Baupreise führte letztlich auch dazu, dass sich die Gesamtkosten um mehr als 600.000 Euro auf nunmehr 1,52 Millionen Euro erhöht haben. Dass diese unerwarteten Mehrkosten letztlich geschultert werden konnten, dafür dankte Breithaupt den Blankenburger Stadtratsmitgliedern, aber auch noch einmal besonders den Timmenrödern, die auf ihren fest eingeplanten Stark-V-Anteil für die lang erhoffte Turnhallensanierung zugunsten der Heimburger verzichtet hatten.

600.000 Euro teurer

Inzwischen kann die Sporthalle in Timmenrode über ein anderes Förderprogramm in Angriff genommen werden.

„Sie alle haben gemeinsam die Mehraufwendungen für die Heimburger Kindereinrichtung mitgetragen. Aber es ist eine lohnende Investition. Dieses Gebäude hat es verdient. Denn es versprüht einen ganz besonderen Charme und ist wichtig für die Identität des Ortes“, sagte Breithaupt.

Ein großes Dankeschön richtete das Stadtoberhaupt deshalb an die Heimburger Ortschaftsräte, die den gesamten Prozess kritisch, aber konstruktiv begleitet hätten. Namentlich hob er Volker Ernst (CDU) hervor, der sich regelmäßig auf der Baustelle über den Bauablauf informiert und diesen leidenschaftlich verfolgt hatte.

Dank an Eltern und Erzieher für die Geduld

„Im Kindermonat Juni geht nun dieser lange Zeitraum zu Ende“, so Breithaupt, der nicht zuletzt den Eltern, den Kindern und Erziehern für ihre Geduld dankte. Sie dürfen sich nun auf einen rundum modernisierten Kindergarten, Krippen und Horträume freuen, die allen Anforderungen und Sicherheitsaspekten entsprechen. Davon konnten sich jetzt neben Regina Großert und Volker Ernst auch Ortsbürgermeisterin Ilona Kresse (parteilos) und Ortschaftsrat Christian Försterling überzeugen.

Außenanlagen fehlen noch

Aktuell sind noch Bauarbeiter dabei, den Eingangsbereich zum Krippenanbau zu pflastern. Im Innenbereich sind darüber hinaus noch einige Elektroarbeiten zu erledigen, auch einige Leuchten fehlen noch. Zum Abschluss ist eine Endreinigung vorgesehen, wie Norbert Stegmann erläuterte. Vor dem Umzug müssen außerdem noch der Außenbereich vor der Krippe fertiggestellt und die Spielgeräte aufgestellt werden.

Bewegungsraum kommt im Anschluss

Mit dem Umzug in das sanierte Haus sind die Arbeiten dann aber immer noch nicht abgeschlossen. So werden im Anschluss noch ein Bewegungsraum ausgebaut und die Freianlagen für den Hort neu gestaltet. Beides soll bis Ende August fertig sein. Der Bewegungsraum kommt übrigens in den ehemaligen Heizungsraum – einem separaten Gebäudeteil hinter dem Haupthaus. Da er über einen eigenen Zugang von außen verfügt, kann der Ausbau bei laufendem Betrieb erfolgen.

Neue Sanitäranlagen gibt es für die kleinsten Heimburger im neuen Krippen-Anbau.
Neue Sanitäranlagen gibt es für die kleinsten Heimburger im neuen Krippen-Anbau.
Jens Müller